Freitag , 2. Dezember 2022
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Einhorn-Apotheke
Seit dem Frühjahr 2020 steht das historische Gebäude, in dem fast 300 Jahre die Einhorn-Apotheke ansässig war, leer. Künftig soll es dort Kaffee-Spezialitäten geben. (Foto: t&w)

Kaffeeduft statt Leerstand

Die Einhorn-Apotheke ist seit fast einem Jahr Geschichte. Nun zieht hier der schwedische Coffeeshop-Betreiber Espresso House ein und will Spezialitäten verkaufen.

Lüneburg. Zugeklebte Schaufenster, heruntergelassene Gitter – statt Leben prägt Leerstand die Lüneburger Innenstadt. Doch mitten in der Corona-Pandemie gibt es ein kleines Zeichen der Hoffnung: In das seit dem Frühjahr 2020 leer stehende Haus Am Sande 54 zieht bald wieder Leben ein. Es ist nicht irgendeine Immobilie – sondern ein Schmuckstück, in dem fast 300 Jahre lang eine Apotheke beheimatet war – und an deren Ecke in ein paar Metern Höhe ein Einhorn angebracht ist.

Schwedische Kaffeekultur in der Hansestadt

Wenn alles läuft wie geplant, soll im Juli frischer Kaffee-Duft durch die Arkaden und um das Einhorn wehen: Espresso House heißt der neue Mieter. Er will schwedische Kaffeekultur nach Lüneburg bringen. Nikolas Niebuhr hat viel vor in dem historischen Gebäude. „Ich freue mich auf den Umbau“, sagt der 47-jährige Geschäftsführer von Espresso House Deutschland. „Das Innendesign für das Café kommt von einem schwedischen Architekten: Mit warmen Farben, hochwertigen und natürlichen Materialien wird eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre in dem historischen Gebäude geschaffen. Das neue Espresso House in Lüneburg wird rund 270 Quadratmeter auf zwei Etagen umfassen und bietet insgesamt knapp 120 Sitzplätze im Café und zusätzlich rund 50 Plätze im Außenbereich“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.

Neue Mitarbeiter werden in der hauseigenen Akademie vorher zum Barista ausgebildet. Das scheint bei dem Angebot auch nötig zu sein: „Wir sind der einzige Anbieter in Deutschland, bei dem es ausschließlich Spezialitätenkaffee gibt.“ Und bei dem „nur Bohnen mit einem hohem Platz im Ranking der Besten“ ins Mahlwerk kommen. Dazu soll es schwedische Spezialitäten geben – von Kanelbulle, Kornbrøds bis Focaccias, zum Teil in der eigenen Espresso House Bäckerei in Schweden hergestellt.

Dass das Unternehmen bei der Suche nach einem geeigneten Standort Lüneburg auf der Karte hatte, hat mit Nikolas Niebuhr zu tun. Er wohnt seit zehn Jahren hier. „Ich habe mir schon lange gewünscht, in Lüneburg irgendwann einmal ein Geschäft zu eröffnen.“
Dieser Wunsch soll im Sommer in Erfüllung gehen. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt aber nicht nur von der künftigen Entwicklung der Corona-Pandemie ab. „Das schöne Gebäude steht unter Denkmalschutz. Ob alle von uns geplanten Baumaßnahmen, die wir mit dem Eigentümer Günter Porth eng absprechen, rechtzeitig genehmigt werden können, ist noch unklar“, betont Niebuhr.

Über die Höhe der Miete sagt er zwar nichts, aber die Zeit der Spitzenpreise ist ohnehin vorüber. Klar ist für ihn nur: „Wenn die scharfen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie auch im Juli noch gelten, werden wir im Sommer nicht eröffnen.“ Dann würde er das vierte Quartal anpeilen. Klar ist für Niebuhr auch: „Diese Immobilie am Eingang zur Innenstadt von Lüneburg ist perfekt.“

Ein wichtiges Zeichen in Zeiten der Pandemie

Günter Porth ist froh über die Einigung mit Espresso House. „Wir haben hart daran gearbeitet, einen passenden Mieter zu finden“, sagt der Lüneburger Immobilien-Unternehmer. Es ist für ihn auch ein „wichtiges Zeichen für Optimismus, ein wichtiges Signal“ mitten in dieser Corona-Krise, die die Lüneburger Geschäftswelt durchgerüttelt hat und weiter durchrütteln wird. Niebuhr stimmt dem zu. „Ja, es ist ein wichtiges Zeichen. Vor allem, wenn man sieht, welche Geschäfte schon gegangen sind und welche wohl noch gehen werden.“

Von Werner Kolbe

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