Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Armin-Arnold Müller versucht es weiter bei der Impf-Hotline - und auch über das Onlineportal. (Foto: t&w)

Frust am Telefon

Für viele über 80-Jährige ist die Impf-Hotline der einzige Weg, Termine für die Corona-Impfungen zu bekommen. Doch ein Durchkommen ist oft Glückssache - und so hängen viele Senioren seit Tagen frustriert am Telefon. Gesundheitsministerium bleibt Antworten schuldig.

Lüneburg. Seit dem 28. Januar können sich über 80-Jährige aus dem Landkreis dort melden, ein Personenkreis, der eher selten den Weg übers Internet nimmt, sondern zum Telefon greift. "Am ersten Tag habe ich gar nicht erst versucht durchzukommen, da dachte ich mir schon, dass da viele auf der Lauer liegen", sagt Wolfgang Steinbring aus Adendorf. "Aber so ab dem 30. Januar habe ich es versucht. Dann gleich immer eine Stunde lang am Vormittag und eine Stunde am Nachmittag." Kein Durchkommen. Eine Bandansage habe es nicht gegeben, lediglich ein Besetzt-Zeichen. Frust macht sich breit. Bei ihm, bei vielen anderen Senioren und deren Familien, die oft mit eingespannt werden beim Versuch, einen Termin zu ergattern.

Familie zum Telefondienst mit eingespannt

Steinbring schildert: "Man wartet dann immer, dass mal nicht besetzt ist. Und dann kam einmal ein längeres Wähl-Zeichen, da habe ich mich schon gefreut. Dann sagte eine Stimme, `Wir freuen uns über Ihren Anruf´, aber das war auch nur eine Automatenstimme." Der 83-Jährige hat daraufhin die Familie mit eingespannt. Auch der Sohn, die Schwiegertochter und der Enkel hatten seitdem Telefondienst. "Tatsächlich ist einer von ihnen dann am Montag durchgekommen und konnte zumindest einen Platz auf der Warteliste erreichen." Einen Termin hat er noch nicht.

Auch bei Armin-Arnold Müller aus Embsen ist das Telefon zur Zeit das meist genutzte Gerät im Haus. Bislang ist er bei der Impf-Hotline noch nicht durchgekommen. "Es gibt ja auch keine Bandansage oder Warteschleife, irgendwann wird einfach aufgelegt oder aus der Leitung geworfen." Müller schätzt, dass er mittlerweile schon über 100 Mal die Hotline gewählt hat. Dabei ruft der 74-Jährige gar nicht für sich an. "Sondern für meine Schwiegermutter, die jetzt 101 ist. Wir fragen uns auch, wie sie am Ende geimpft wird, denn sie ist pflegebedürftig und kann nicht einfach ins Impfzentrum gefahren werden. Kommt da ein mobiles Team zu uns? Keiner gibt darüber Auskunft."

Wie wird es, wenn die 60-Jährigen dran sind?

Zudem stelle er sich die Frage, wenn dann mal die größere Personengruppe der 60- bis 80-Jährigen an der Reihe ist, zu der er auch zählt, wie viel Zeit er dann wohl am Hörer verbringen wird.

"Wir haben es übrigens auch online übers Impfportal versucht, aber auch hier hatten wir keinen Erfolg. Da gab es nur die Meldung, dass Termine noch nicht bereitstehen." Auch der Anruf beim Senioren- und Pflegestützpunkt konnte ihm nicht weiterhelfen. Der Senioren- und Pflegestützpunkt in Lüneburg wird in dem Schreiben an die über 80-Jährigen genannt. Mitarbeiter beraten und helfen, wo sie können, doch einen direkten Zugriff auf Termine oder die Hotline haben sie auch nicht.

Land bittet herzlich um Geduld

Das Problem der überlasteten Hotline ist dem Land bekannt, das auf seiner Website um Verständnis bittet: "Aufgrund der starken Nachfrage können in der Hotline nicht alle Anrufe sofort von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angenommen werden. Wir wissen, dass es in dieser Situation schwer fällt, bitten Sie aber dennoch herzlich um Geduld." Zudem könne es aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit von Impfstoffen leider sein, dass Impfzentren im Moment keine Termine anbieten können oder bereits keine Termine mehr zur Verfügung haben. Eine Warteliste im Internetportal solle in den nächsten Tagen freigeschaltet werden.

Hat es seit dem Start der Hotline Veränderungen und Verbesserungen gegeben? Wie viele Mitarbeiter sind derzeit bei der Hotline im Einsatz? Wie viel Geduld müssen die Senioren noch aufbringen? Eine Antwort vom Gesundheitsministerium nach Anfrage der LZ dazu steht noch aus.

Terminvergabe (bzw. Aufnahme in die Warteliste) kann unter der Hotline 0800 99 88 665 sowie online über https://www.impfportal-niedersachsen.de/ erfolgen.

Von Laura Treffenfeld

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