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Rolf Böttger
Rolf Böttger war ein großer Werber für eine attraktive Innenstadt. Jetzt ist er gestorben. (Foto: A/be)

Das Kaufhaus Lüneburg beflügelt

Lüneburg. Rolf Böttger wollte Kunden verführen. Lüneburg schien ihm für diesen Lockruf die schönste Stadt der Welt. Als Chef des Modehauses Hedemann und von Händler-Organisationen beflügelte er das Kaufhaus Lüneburg mit frischen Ideen. Er wertschätzte die Schönheit und historische Größe seiner Stadt und hielt sie mit großartigen Veranstaltungen wach, einem Mix aus Moderne und Geschichte. Rolf Böttger ist jetzt im Alter von 76 Jahren gestorben.

„Rolli“, wie ihn Freunde riefen, war zweimal Chef der Werbe- und Parkgemeinschaft, dem Vorgänger des Lüneburger Citymanagement (LCM), und viele Jahre Vorsitzender im Aufsichtsrat der Marketing GmbH. Anfang der 2000er-Jahre wurde er mit dem neuen Geschäftsführer Dr. Jan-Peter Halves und dem Veranstaltungsmanager Gerhard Kreutz zu einem Dream-Team für die Hansestadt. Böttger war es wie dem Oberbürgermeister Ulrich Mädge wichtig, dass die zehn teils konkurrierenden Gesellschafter unter dem Dach der Marketing GmbH in Sachen Stadtwerbung an einem Strang ziehen.

Früher Handball-Crack, zuletzt leidenschaftlicher Golfer

Ob die legendären Stadtfeste mit Lüneburgs Partnerstädten oder die Stint-Aktion, Lüneburg hat dem Berufsoptimisten Rolf Böttger viele gute Einfälle mit zu verdanken. Die wunderbarsten Ideen mit dem Team der Marketing GmbH aber waren ohne Frage die Salzsau-Parade, bei der weit mehr als hundert kreativ gestaltete Wildschwein-Plastiken die Straßen bevölkerten und bundesweit Schlagzeilen machten, und vor allem die Sülfmeistertage. Die Idee wurde 2002 beim Landeswettbewerb „Ab in die Mitte“ mit viel Preisgeld prämiert. Die Salzsau geht zurück auf die Legende vom Ursprung des sagenhaften Reichtums der Stadt im Mittelalter. Auch die Sülfmeistertage, Lüneburgs schönstes Fest, erinnern an die Salzherrlichkeit.

Böttger, früher Handball-Crack, zuletzt leidenschaftlicher Golfer, sprühte, wenn es um sein Lüneburg und die Einkaufsmeile ging, ob bei der Revitalisierung von „Giebel im Licht“, beim „langen Donnerstag“ oder verkaufsoffenen Sonntagen. Aber er konnte als Stimme des Handels an einer Wendemarke der Stadt auch beharren und unbequem für die Politik werden. Das war so in den 90er-Jahren, als es darum ging, die Innenstadt von einer autofreundlichen in eine fußgängerfreundliche zu verwandeln. Viele Händler fürchteten um ihre Existenz, protestierten mit der Aktion „Licht aus“, verdunkelten ihre Schaufenster. Das Echo war Negativwerbung. Böttger war zwar auch Mahner, der immer wieder ausreichend Parkplätze um die City einforderte, aber er ließ den Dialogfaden nie reißen. Lüneburg hat heute rund um die Innenstadt Parkhäuser. Im Nachhinein sagte der Kaufmann, als die Scharmützel längst Geschichte waren: Die autofreie Innenstadt sei das Beste gewesen, was Lüneburg passieren konnte.

Mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet

Das Modehaus Hedemann der Eltern an der Grapengießerstraße, in das er 1973 einstieg, gehörte mehr als 100 Jahre in die Reihe der großen Lüneburger inhabergeführten Geschäfte, die für eine Einkaufsstadt den Unterschied machen in einer Filialistenwelt. Genauso lange hat er sich um die Pflege des Handels gekümmert. Im Rentenalter schloss Rolf Böttger mit seiner Frau Andrea Ende 2011 die Tür des Modehauses für immer.

Er war, würde man heute sagen, ein Netzwerker und Lobbyist im besten Sinne, aber vor allem ein Lüneburg-Liebhaber. Für sein Engagement wurde er unter anderem mit der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik ausgezeichnet. Lüneburg erlebt gerade wieder im Lockdown einen Handel im Turbowandel, es wäre die ideale Zeit für einen Rolf Böttger, dessen Wegmarken in Lüneburg sichtbar bleiben.

Hans-Herbert Jenckel

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