Montag , 5. Dezember 2022
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Dorfladen Walmsburg
Kathrin Voß (Mitte) mit ihren Töchtern Carlotta und Pauline in ihrem neu eröffneten Dorfschnack. Tochter Frenzy fehlt auf dem Foto. (Foto: t&w)

Ein freundlicher Schnack im "Dorfschnack"

140 Quadratmeter groß ist der Dorfschnack in Walmsburg: Vor wenigen Tagen wurde der kleine Lebensmittelladen mit angeschlossenem Café von der Familie Voß eröffnet, die sich damit einen Traum erfüllte. Und auch die Walmsburger sind glücklich, denn nach Jahrzehnten haben sie endlich wieder einen Nahversorger im Ort.

Walmsburg. Es ist Donnerstagmorgen, kurz vor elf Uhr: Christian Faustmann betritt den kleinen Lebensmittelladen in Walmsburg und kommt aus dem Staunen gar nicht mehr raus: Eigentlich wollte sich der Lüneburger nur schnell etwas gegen den „kleinen Hunger“ im „Dorfschnack“ holen. So heißt der Dorfladen in der Kateminer Straße, der erst vor wenigen Tagen eröffnet wurde. Faustmann ist begeistert: „Tolle Atmosphäre“, lobt der Lüneburger, lässt den Blick ausgiebig durch den Verkaufsraum schweifen und verspricht: „Hier schaue ich jetzt öfter vorbei...“

Einen Dorfladen zu eröffnen, ist immer auch mit einem unternehmerischen Risiko verbunden. In Zeiten von Corona erst recht. Doch Kathrin Voß und ihre Familie scheuen weder die finanzielle Herausforderung noch die Arbeit – im Gegenteil: „Meine Frau hat sich mit dem ‚Dorfschnack‘ einen lang gehegten Traum erfüllt“, berichtet Ehemann Dirk Schamlott-Voß (57). Und der Erfolg gibt Familie Voß Recht: Obwohl sich zurzeit aufgrund der Beschränkungen nur eine gewisse Anzahl Kunden zeitgleich im „Dorfschnack“ aufhalten darf, haben Kathrin Voß und ihre Töchter Carlotta (21) und Pauline (24) gut zu tun.

Über Jahrzehnte gab es keine Einkaufsmöglichkeit mehr in Walmsburg. Der letzte Lebensmittelladen schloss Ende der 1970er-Jahre. Die alten Verkaufsräume wurden zu Wohnräumen umgebaut. Da wundert es nicht, dass auch Ortsvorsteher Wilhelm Kastens und die örtliche Politik froh ist über das neue Angebot in der 500 Einwohner zählenden Gemeinde: „In diesen bewegten Zeiten ein großer Gewinn für Walmsburg und Umgebung“, schreibt etwa die CDU auf ihrer Facebookseite und gratuliert der Familie Voß zur Neueröffnung.

Familie hat 2015 mit der Verwirklichung begonnen

Eine weitere schöne Begebenheit: Die Walmsburger können nun in den gleichen Räumen ihren täglichen Einkauf tätigen wie vor Jahrzehnten ihre Eltern und Großeltern. Denn die Familie Voß hat das Gebäude gekauft und 2015 damit begonnen, in Eigenleistung den Traum vom eigenen Dorfladen zu verwirklichen. Ehemann Dirk Schamlott-Voß ist freiberuflicher Vermessungsingenieur, seine Frau gelernte Erzieherin. „Was den Laden betrifft, sind wir Quereinsteiger“, berichtet Dirk Schamlott-Voß schmunzelnd. Doch mit viel Engagement und Kreativität haben sie ihren Traum vom eigenen Geschäft mit angeschlossenem Café erfüllt – nur, dass die gemütliche Sitzecke zurzeit aufgrund der Corona-Bestimmungen nicht genutzt werden darf.

Bis zum eigenen Dorfladen war es viel Arbeit. Was alles in Angriff genommen werden musste, berichtet Schamlott-Voß: „Wir mussten praktisch das gesamte Haus entkernen, den Dachstuhl erneuern, die Elektrik, die Heizung, die Frisch- und Abwasserleitungen. Und natürlich: Den Verkaufsraum herrichten. Und das haben die Voß‘s gut hinbekommen, von der selbst gebauten Verkaufstheke bis hin zu den Verkaufsregalen, die in ihrem ersten Leben in einem Schreibwarengeschäft in der Lüneburger Innenstadt standen. 140 Quadratmeter groß ist die Verkaufsfläche des „Dorfschnack“, bei gutem Wetter gibt es zudem eine Außenbestuhlung für das angeschlossene kleine Café.

Kathrin Voß legt Wert darauf, dass die Produkte aus der Region kommen: „Fleisch und Wurstwaren beziehen wir von der Landschlachterei aus Neetze, Kartoffeln von einem Landwirt aus dem Ort, Gemüse vom Hof Lemgrabe“, listet sie auf, die Backwaren kommen von der Bäckerei Harms. Und auch dazu gibt es eine Geschichte – denn die Bäckerei, die ihren Stammsitz inzwischen in Lüneburg hat, stammte ursprünglich aus Katemin. „Wir hatten damals über der Bäckerei gewohnt“, erinnert sich Dirk Schamlott-Voß. Jetzt hat man die alte Verbindung wieder aufleben lassen, was für ihn bedeutet: Jeden Morgen früh aufstehen, damit er um 5.15 Uhr die frischen Backwaren in der Harms-Filiale in Bleckede abholen kann. Aber das macht der 57-Jährige gerne. Für seine Frau – und für die Kunden, die nun wieder in Walmsburg ihren Einkauf erledigen können.

Von Klaus Reschke

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