Montag , 5. Dezember 2022
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Anfang April will Peter Strampe-Münster den ersten Spargel stechen. (Foto: phs)

Spargelernte: Keine Angst vor Engpässen

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt warnt vor einem erneuten Engpass bei den Erntehelfern. Spargelbauer Peter Strampe-Münster kann das nicht nachvollziehen: Sein Hygienekonzept steht, kommende Woche sollen die ersten Erntehelfer aus Rumänien anreisen.

Neetze. Noch ruht der Spargel unter einer dicken Schneedecke: 70 Hektar weißes Gold unter weißer Pracht. Doch es dauert nur noch wenige Wochen, bis auf den Feldern von Peter Strampe-Münster die Erntesaison beginnt. „Wir hoffen, dass wir Anfang April den ersten Spargel stechen können“, sagt der Landwirt aus Neetze. Dafür braucht er warme Tage im März und vor allem Unterstützung. Bis zu 120 Erntehelfer beschäftigt Strampe-Münster jedes Jahr zwischen Ende Februar und Ende August: Spargel stechen, Beeren pflücken, Pflanzarbeiten, das alles schaffen er und seine festangestellten Mitarbeiter nicht allein.

Gewerkschaft schlägt Alarm

Doch kurz bevor es losgehen soll, schlägt die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Alarm: Die Industriegewerkschaft warnt vor einem erneuten Engpass bei den Erntehelfern. Grund hierfür sei die Weigerung der Branchenverbände, den überwiegend aus Osteuropa kommenden Saisonarbeitskräften „faire und auf die neuen Corona-Gefahren ausgerichtete Arbeitsbedingungen“ zuzugestehen. Laut IG BAU-Chef Harald Schaum dreht sich dabei alles um einen Konfliktpunkt: Sollen Saisonkräfte über fünf Monate sozialversicherungsfrei arbeiten dürfen oder nicht?

Die Helfer seien dann wie schon im letzten Jahr maximal 115 Tage statt der sonst geltenden 70 Tage auf den Feldern im Einsatz, ohne dafür in Deutschland Sozialabgaben leisten zu müssen, aber auch ohne Kranken- und Rentenversicherung. Ein Versuch, mit längeren Aufenthaltsfristen insgesamt weniger Kräfte einreisen lassen zu müssen.

Krankenversicherung sei längst Usus

Peter Strampe-Münster ist verärgert über die Äußerungen der Gewerkschaft – nicht nur, weil ihm die Fristverlängerung Geld und bürokratischen Aufwand sparen würde, sondern vor allem, weil eine Krankenversicherung für die Helfer aus dem Ausland in seiner Branche längst Usus sei. „Das ist wirklich eine Frechheit. Die Leute werden alle bei den Bauern angestellt und ich kenne keinen Landwirt, der irgendwelche Spielchen mit Werksverträgen spielt.“

In dieselbe Kerbe schlägt der Vorsitzende der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer, Fred Eickhorst. Er erkennt in dem Schreiben der Gewerkschaft einen direkten Angriff auf seine rund 500 Vereinsmitglieder. „Natürlich hatten wir im letzten Jahr ein paar Negativmeldungen in der Presse, aber im Großen und Ganzen sind wir doch besser durch die Krise gekommen als viele andere Branchen“, betont Eickhorst. Er lobt das Corona-Management der Landwirte: „Ich will nicht bestreiten, dass es auch bei uns schwarze Schafe gibt, aber grundsätzlich sind wir sehr gut vorbereitet.“ Die Branchenvereinigung habe zuletzt alle Betriebsleiter dazu aufgerufen, sich im Umgang mit Schnelltests schulen zu lassen. So könnten die Erntehelfer zusätzlich zu dem Corona-Test im Ausreiseland auch direkt bei ihrer Ankunft noch im Bus oder Auto getestet werden.

Quarantäne-Pflicht schreckt ab

Diesen Plan verfolgt auch Strampe-Münster. In den ersten zehn Tagen würden seine überwiegend aus Rumänien stammenden Saisonkräfte in festen Gruppen leben und arbeiten. Damit habe er im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht. Für den Fall eines positiven Coronatest-Ergebnisses hält er eine separierte Wohnung innerhalb seiner Container-Anlage vor, wo Erkrankte von einem Hausarzt betreut werden könnten.

Massive Personal-Engpässe sehen weder Strampe-Münster noch sein Vorstandskollege Eickhorst auf sich zukommen: Zwar würde die Quarantäne-Pflicht nach der Rückreise einige Saisonkräfte, die sonst vielleicht lediglich für zwei Wochen bei der Ernte in Deutschland geholfen hätten, abschrecken, berichtet Eickhorst. „Ich glaube aber, dass wieder mehr polnische Helfer nach Deutschland kommen wollen, weil dort wohl auch viele Betriebe aufgrund der Pandemie insolvent gehen.“

Strampe-Münster jedenfalls blickt „vorsichtig optimistisch“ auf die bevorstehende Erntesaison, nicht zuletzt, weil ihm der Schnee gerade recht kommt. Der Kältereiz in den Wintermonaten wirkt sich positiv auf das Wachstum der Spargelpflanzen aus. „Und durch den Schnee geht der Frost nicht zu tief in den Boden – er bildet eine Art Schutzschicht“, erklärt der Landwirt. Wenn dann die Temperaturen im März über die Neun-Grad-Marke kletterten, stehe dem Spargelgenuss Anfang April nichts mehr im Wege.

Von Anna Petersen

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