Freitag , 2. Dezember 2022
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Schienenausbau
Ausgebaut werden soll die Bestandsstrecke Hamburg-Hannover auch im Bereich des Lüneburger Bahnhofs. Die jetzt vorgestellten Pläne stoßen jedoch auf heftige Kritik. (Foto: t&w)

Neue Bahnstrecke direkt an Lüneburg vorbei?

Die deutsche Bahn hat neue Überlegungen für den Schienenausbau im Norden vorgestellt. Eine Variante verläuft unmittelbar an Lüneburgs westlicher Stadtgrenze, eine andere sieht Abriss und Umbau des Lüneburger Bahnhofs vor.

Lüneburg. Die Gläserne Werkstatt der Bahn zum Gleisausbau im Norden hat getagt – und Lüneburgs Oberbürgermeister und Landrat sind auf der Zinne. Schon vor einem Jahr gab es Spekulationen darüber, wo eine zweigleisige Umfahrung im Zuge des Ausbaus der Bahnstrecke Hamburg-Hannover westlich an Lüneburg vorbeiführen könnte. Seit Dienstagabend liegen die Überlegungen auf dem Tisch: Demnach würde der Gleisneubau ab Radbruch in einem Korridor zwischen Vögelsen und Ochtmissen, Reppenstedt und Lüneburg, östlich von Heiligenthal sowie zwischen Oerzen und Embsen verlaufen.

Zudem präsentierten die Planer die möglichen Folgen eines Ausbaus der Bestandsstrecke im Bereich des Lüneburger Bahnhofs. Demnach müssten das Bahnhofsgebäude abgerissen, weite Bereiche des Umfelds zurück- und in einem vierjährigen Kraftakt neu aufgebaut werden.

In einer ersten Reaktion sagte Lüneburgs Landrat Jens Böther Dienstag Abend: „Wenn die Planer darstellen wollten, was nicht geht, ist ihnen das gelungen. Ansonsten kann ich den Vorschlag beim besten Willen nicht ernst nehmen.“ Die beschriebene Strecke führe dicht vorbei an neu entstehenden Wohnvierteln, durch Naherholungsgebiete und den Grüngürtel westlich um Lüneburg herum. „Da ist doch kein Platz für eine Bahnstrecke“, so Böther. Deutlich würde: „Es geht nicht mehr um einen Bestandsausbau, sondern um eine Neubaustrecke.“

Abgezeichnet hatte sich dies zuletzt beim Online-Statusgespräch, zu dem der Projektbeirat Alpha E, der die Ausbaupläne begleitet, Ende November eingeladen hatte. Damals hatte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, den reinen Ausbau der Bestandsstrecke als „schwierig“ eingestuft – auch auf Basis des vom Beirat beauftragten Vieregg-Rössler-Gutachtens.

Dieses war vor zwei Wochen genauer unter die Lupe genommen, am Dienstag dann unter der Überschrift „Weiterentwicklungen“ unter anderem die beschriebene bestandsnahe Variante vorgestellt worden. Aus Sicht von Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge reine Zeitverschwendung. Er ist es nach eigenen Angaben leid, dass immer wieder Trassen auf Herz und Nieren geprüft würden, denen die Nicht-Machbarkeit schon früh anzusehen sei. „Wir haben die ursprünglichen Ideen, die Bestandsstrecke auszubauen, mit viel Aufwand als zu teuer und zu ineffektiv dargestellt.“ Nun würden die Vieregg-Rössler-Varianten abgeklopft, um festzustellen, dass diese nicht nur Milliarden kosten würden und unwirtschaftlich seien, sondern auch eine Verlegung des ZOB und des Bahnhofsgebäudes bedeuteten. „Von den Auswirkungen auf bahnhofsnahe Wohnviertel und Gewerbebetriebe ganz zu schweigen“, so Mädge. Für ihn ist es allerhöchste Zeit, sich realistischen Trassen zuzuwenden. Und schon früh hatte sich Lüneburgs Oberbürgermeister festgelegt, welche das sein könnte: eine Neubaustrecke für den Güterverkehr entlang der Autobahn 7.

Von Malte Lühr

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