Montag , 5. Dezember 2022
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Vertrocknete Böden
Vertrocknete Böden und Flussläufe sind auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. (Foto: AdobeStock)

Weltwasserbericht: Umdenken ist notwendig

Weltweit wird Trinkwasser immer knapper. Der Wasserverbrauch hat sich seit 1920 versechsfacht. Die Vereinten Nationen schlagen mehrere Maßnahmen vor, um noch gegensteuern zu können. Auch Wälder und Feuchtgebiete sehen die Experten der UN in Gefahr.

Der umstrittene Pumpversuch der Coca-Cola-Tochter Apollinaris Brands läuft, das Wasser vom Bohrloch am Brockwinkler Weg fließt weiter in den Bachlauf des „Kranken Hinrich“. Die LZ wird den Pumpversuch mit Berichten rund um das Thema Wasser begleiten.

Lüneburg. Verglichen mit vielen anderen Regionen der Welt sind Stadt und Landkreis Lüneburg "blaue Oasen". Die Trinkwasserversorgung wird auch bei mehreren Dürrejahren hintereinander noch lange ausreichen. Weltweit sieht es dagegen immer schlechter aus. Der Wasserverbrauch hat sich seit 1920 versechsfacht. Und er nimmt Jahr für Jahr um ein Prozent weiter zu – infolge von Bevölkerungswachstum, wirtschaftlicher Entwicklung und sich änderndem Konsum. Das geht aus dem Weltwasserbericht der Vereinten Nationen hervor.

Jeder Jahr zum Weltwassertag am 22. März legen die UN einen neuen Bericht vor. Eine Verbesserung der Lage ist schon lange nicht mehr dokumentiert. Derzeit haben weltweit 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Und 4,2 Milliarden Menschen – also mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung – hat keine sicheren Sanitäranlagen. Und die Lage wird sich weiter zuspitzen. Denn bis zu 90 Prozent aller Abwässer weltweit werden unbehandelt abgelassen und belasten Umwelt und Trinkwasservorräte. Der Klimawandel verschärft die Situation weiter: Steigende Temperaturen sorgen für höhere Verdunstungsraten. Und für einen Anstieg der Meeresspiegel. Dadurch versalzen weitere Grundwasser-Vorkommen in Küstennähe oder in Einzugsgebieten von Flussdeltas.

Auch Wälder und Feuchtgebiete in Gefahr

Der Klimawandel führt zudem zu mehr Extremereignissen wie Starkregen bislang unbekannten Ausmaßes, Gewittern und Sturmfluten – und damit zu mehr Wasserverschmutzungen aufgrund von Überschwemmungen. Höhere Wassertemperaturen bedeuten auch weniger gelöster Sauerstoff. Zusammen ergibt das eine verminderte die Fähigkeit zur Selbstreinigung von Süßgewässern und eine weiter sinkende Wasserqualität.

Auch Wälder und Feuchtgebiete sehen die Experten der UN in Gefahr. Der Verlust von Ökosystemen werde nicht nur zu Artensterben führen, sondern "auch Folgen für die Bereitstellung von wasserbezogenen Ökosystemleistungen – wie Wasserreinigung, Kohlenstoffbindung und -speicherung sowie natürlichem Hochwasserschutz – und für die Verfügbarkeit von Wasser für Landwirtschaft, Fischerei und Freizeit haben.

So weit , so schlecht. Als wichtigste Gegenmaßnahmen sehen die Autoren mehr Maßnhamen gegen den Klimawandel. Oder, um genauer zu sein, Maßnahmen, um den Klimawandel wenigstens zu verlangsamen. Es müssten künftig zunehmend „unkonventionelle Wasserressourcen berücksichtigt werden". Eine vernünftige Wasserwiederverwendung oder -aufbereitung sei für zahlreiche Nutzungsformen eine zuverlässige Alternative zu konventionellen Wasserressourcen. Entsalzung stärke die Süßwasserversorgung, erfordere jedoch viel Energie.

Wasser und Klima betreffen alle Menschen weltweit

Vor zwei großen Herausforderungen steht die Wasserbewirtschaftung durch die Landwirtschaft: Erstens müssen bestehende Produktionsweisen angepasst werden, um mit dem häufigeren Auftreten von Wasserknappheit und Wasserüberfluss (Hochwasserschutz und Entwässerung) zurechtzukommen. Und zweitens muss Klimaschutz die Landwirtschaft „dekarbonisieren“, durch Senkung von Treibhausgas-Emissionen und Steigerung der Verfügbarkeit von Wasser.

Wasser und Klima betreffen alle Menschen weltweit. Die Vereinten Nationen fordern daher auch mehr Geld für Maßnahmen gegen Klimawandel und Wassermangel. Wichtig war, ist und bleibt aber der schonende Umgang mit der Ressource Wasser. Eine Anpassung der Wassernutzung an den Klimawandel und nachhaltiges Wassermanagement zum Klimaschutz müssten integriert angegangen werden.

Von Werner Kolbe

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