Samstag , 25. September 2021
85 Kilogramm vermeidbare Lebensmittelabfälle wirft jeder Deutsche im Schnitt im Jahr in den Müll. (Foto: Adobe Stock)

Damit weniger Essen im Müll landet

Lüneburg/Berlin. Essen schmeißt man nicht weg, zumindest nicht, solange es genießbar ist. Diesen ethischen Grundsatz haben Generationen von Kindern in der Erziehung mit auf den Weg bekommen. Dennoch landet noch immer reichlich Essen im Müll. Weil zu viel gekauft wird. Weil das Mindesthaltbarkeitsdatum fälschlicherweise als Ultimatum gesehen wird, bis wann man Lebensmittel verzehren darf. Wie lässt sich das vermeiden? Das ist im Kern Thema eines Projektes, an dem die Uni Lüneburg beteiligt ist und das nun auf die Zielgerade einbiegt.

Mit dem Bildungs- und Forschungsprojekt „FoodLabHome“ haben Wissenschaftlerinnen der Leuphana und der Technischen Uni Berlin vor zweieinhalb Jahren damit begonnen, Schüler für die Reduzierung von Lebensmittelabfällen zu sensibilisieren. Die Idee: Mit forschendem Lernen sollten die Schüler die Haushalte ihrer Familien quasi zum Labor werden lassen und herausfinden, welche Lebensmittelabfälle dort anfallen, was das für das Klima bedeutet und wie man sie vermeiden kann.

Tracker zur Erfassung der Abfälle

Am 24. und 25. Februar findet eine virtuelle Abschlusskonferenz des Projekts statt. Dann wird auch ein eigens entwickelter Tracker vorgestellt, mit dem Lebensmittelabfälle erfasst und anschaulich in Treibhausgasemissionen umgerechnet werden können, heißt es von der Leuphana.

Seit Herbst 2018 hatten Schüler der 9. bis 12. Klasse an allgemein- und berufsbildenden Schulen die Gründe für Lebensmittelabfälle in Privathaushalten untersucht und Reduktionsstrategien entwickelt. Mit dabei war unter anderem die Lüneburger Christianischule. Im Zentrum standen dabei Aufkommen, Zusammensetzung, Klimarelevanz und Ursachen von Lebensmittelabfällen. Eine lohnende Untersuchung, denn immerhin entstehen in Deutschland jedes Jahr bis zu 85 Kilogramm vermeidbare Lebensmittelabfälle pro Person. In der Bundesrepublik gehen so jährlich rund 10 Millionen Tonnen genießbare Lebensmittel verloren. Das entspricht einem vermeidbaren Treibhausgasausstoß von fast 22 Millionen Tonnen.

Beitrag zum Klimaschutz

Prof. Dr. Simone Abels, Leiterin des Projekts und Professorin für Didaktik der Naturwissenschaften an der Leuphana, ist von den Ergebnissen beeindruckt: „Die Schüler sind selbst zu Forschenden geworden und ihre Haushalte zum Labor. Nebenbei erhalten sie einen ersten Einblick in das wissenschaftliche Arbeiten und leisten einen nicht unwesentlichen Beitrag zum Klimaschutz.“ Ihre Kollegin Florence Ziesemer von der TU Berlin ergänzt: „Der bewusstseinsstärkende Effekt des ‚Forschenden Lernens‘ war enorm. Ganze Familien haben sich plötzlich mit dem Thema nachhaltige Ernährung und Klimaschutz auseinandergesetzt.“

Die mit dem Projekt gesammelten Erfahrungen werden jetzt Lehrkräften und Bildungsmultiplikatoren zur Verfügung gestellt. Online-Lern-Module und ein Handbuch mit Lehrmaterialien sind für alle interessierten Lehrer und Pädagogen auf www.foodlabhome.net frei zugänglich. lz

Die virtuelle Abschlusskonferenz am Mittwoch und Donnerstag, 24. und 25. Februar, ist kostenfrei und offen für alle. Anmeldung per E-Mail an foodlabhome@leuphana.de.

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