Freitag , 2. Dezember 2022
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Solarpark
Sie fürchten um die naturlandschaftliche Harmonie, wenn das 30 Hektar große Solar-Projekt in Fladen realisiert wird, das Ehepaar Gise und Peter Hesse sowie Mirija Mullikas. (Foto: phs)

Dunkle Wolken über Solarpark-Projekt

Der 3,5 Hektar große Solarpark an der B 209 bei Oerzen soll "Konkurrenz" bekommen. Ein Berliner Unternehmen plant in Fladen in der Gemeinde Boitze einen deutlich größeren Solarpark – 30 Hektar groß. Doch gegen diese Pläne gibt es Protest. Anwohner fürchten die Zerstörung der dörflichen Struktur und kündigen jetzt schon rechtliche Schritte an, sollte der Rat grünes Licht für den Bau der Anlage geben.

Boitze/Fladen. Ländlich-idyllisch ist es in Fladen, einem kleinen Ortsteil von Boitze. Versteckt in der weiten Feldflur, kaum zu entdecken für Fremde, liegt der kleinste Ort der Gemeinde Boitze – und der Samtgemeinde Dahlenburg. Wer hier wohnt, liebt die Abgeschiedenheit, die Ruhe und die Natur. Doch das ländliche Idyll scheint bedroht: Denn auf einer Ackerfläche am Ortsrand plant das Berliner Unternehmen Securenergy Solutions AG nach eigenen Angaben eine rund 30 Hektar großen Solarpark.

Der Fladener Peter Hess ist entsetzt. "Wir haben von diesem gigantischen Vorhaben erst aus der Landeszeitung erfahren", kritisiert er und Mirija Mullikas ergänzt: So eine Industrieanlage passt nicht in unsere Landschaft!" An nur einem Wochenende haben sie deshalb bereits 80 Unterschriften von Bürgern gesammelt, um ihren Unmut und ihren Protest gegen das Projekt zum Ausdruck zu bringen. Die Unterschriftenliste haben sie Boitzes Bürgermeister Udo Staacke (FWG) überreicht.

Dorfgemeinschaft sei gestört und bedroht

"Durch die Errichtung einer so großen industriellen Photovoltaikfläche zum Nutzen eines Einzelnen würde die naturlandschaftliche Harmonie, aber auch das friedliche Leben in der Dorfgemeinschaft unmittelbar gestört und bedroht", schreiben die Gegner in ihrem Anschreiben an den Bürgermeister. Und sie kündigen an, mit allen rechtlichen Mitteln "zum Schutz unserer Werte und der natürlichen ländlichen Umgebung unseres Dorfes" gegen entsprechende Planungen vorgehen zu wollen, sollte die Samtgemeinde Dahlenburg den Flächennutzungsplan anpassen und die Gemeinde Boitze einen Bebauungsplan aufstellen, um so den Bau der Anlage zu ermöglichen.

Doch wie ist das Berliner Unternehmen überhaupt auf die Ackerfläche in Boitze aufmerksam geworden?

Eigentümer sprach Berliner Unternemen an

"Wir wurden vom Eigentümer der Fläche angesprochen, berichtet auf LZ-Anfrage Yvonne Strzys, Prokuristin und Projektleiterin des Solarpark-Projektes in der Gemeinde Boitze. Im November habe sie das Vorhaben Bürgermeister Udo Staacke vorgestellt, im Dezember dann fand eine erste Projektvorstellung statt.

Ursprünglich sei sogar ein 33 Hektar großer Solarpark geplant gewesen, doch man habe diese Fläche bereits auf 30 Hektar verkleinert. "Um Abstand zum Ort und Platz für eine Sichtschutzhecke zu gewinnen", erklärt die Projektleiterin, die weitere Zahlen nennt: 10 000 Vier-Personen-Haushalte könnten ihren Worten zufolge bei Realisierung des Projektes mit Strom aus dem Solarpark versorgt werden, "die Co₂-Einsparung pro Jahr beträgt dann 30 000 Tonnen."

Eine optimistische Prognose

Dass das Projekt auf Widerstand bei Bürgern in der Gemeinde Boitze stößt, hat man auch in Berlin mitbekommen. Trotzdem hofft Yvonne Strzys, das Projekt realisieren zu können. "Es ist ein schönes Vorhaben", sagt sie – "und natürlich wollen wir auch die Bürger beteiligen."

Dass das bislang nicht passiert sei, sei der Pandemie geschuldet. Deshalb könne man auch nichts zum zeitlichen Ablauf der Planungen sagen: "Wenn wir in zwei Jahren durch wären, wäre das super", wagt die Prokuristin eine optimistische Prognose.

Auf die Corona-Problematik weisen auch die Kritiker in ihrem Schreiben an die Gemeinde hin: "Wegen der Corona-Pandemie kann eine öffentliche Anhörung der Bürger erst dann stattfinden, wenn mögliche Infektionen bei bei der Veranstaltung absolut sicher ausgeschlossen werden können", und weiter: "Bis zum Vorliegen einer solchen Sachlage muss die Behandlung des Antrags ruhen."

Bürger-Info vor der Abstimmung

Wie sieht Udo Staacke die Chancen des Großprojekts? Der Boitzer Bürgermeister hält sich auf LZ-Anfrage bedeckt: "Bevor ich darüber im Rat abstimmen lasse, will ich erst einmal eine Bürger-Info machen. Das habe ich dem Unternehmen auch so mitgeteilt", sagt Staacke – wohlwissend, das Präsenz-Veranstaltungen unter Corona-Bedingungen mehr als schwierig sind.

Nichtsdestotrotz wirbt Yvonne Strzys weiter für "ihr" Projekt, erklärt, dass bei Realisierung des Solarparks auch die Anwohner profitieren würden – durch einen entsprechenden "Grünstromvertrag". Die Securenergy Solutions AG will den Solarpark, sofern er denn realisiert wird, selbst bauen und betreiben. Strom, der in Fladen produziert wird, soll dann an der Strom-Börse gehandelt werden. "Dafür haben wir Partner", sagt Yvonne Strzys.

Sprachlos, traurig und wütend

In Fladen aber hofft man weiterhin, dass soweit erst gar nicht kommen wird, der Acker auch künftig Ackerfläche bleibt und nicht für die Stromerzeugung genutzt wird. Nicht nur für Mirija Mullikas, ist der unberührte dörfliche Charakter ihres Heimatdorfes mehr als nur ein Lebensgefühl, dass es zu erhalten gelte: "Wenn ich mir vorstelle, dass auf mehr 30 Hektar Solarpanele stehen sollen, macht mich das sprachlos, traurig und wütend zugleich", sagt sie mit Tränen in den Augen, während sich ein gerade gutes Dutzend Kraniche just auf dem Feld niederlassen, dass bald schon ein Solarpark beherbergen soll.

Von Klaus Reschke

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