Freitag , 2. Dezember 2022
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Orientierungsspaziergang
Viviane Schmidt (l.) machte mit Melanie Hasse einen „Orientierungsspaziergang“. (Foto: t&w)

Ungewöhnliches Angebot für Ratsuchende

Weil persönliche Treffen meist nicht möglich sind, werden vielerorts andere Kommunikationsformen erprobt. Die Bildungsberatung Lüneburg hat eine ungewöhnliche Idee gehabt: Sie verbindet die Beratung mit einem Spaziergang im Kurpark. „Bewegung an der frischen Luft ist ja immer gut“, schildert Mitarbeiterin Melanie Hasse ihre Überlegung. „Und beim Laufen kann man manchmal anders auf die Dinge blicken.

Lüneburg. Einrichtungen, die sich auf die Beratung von Menschen spezialisiert haben, müssen in diesen Zeiten erfinderisch sein. Weil persönliche Treffen meist nicht möglich sind, werden vielerorts andere Kommunikationsformen erprobt: Beratung per Telefon, per Chat oder Videocall – das alles gibt es inzwischen auch bei der Bildungsberatung Lüneburg. „Die Menschen finden das praktisch“, sagt Mitarbeiterin Melanie Hasse, „unsere Videolösung etwa wird vermehrt angefragt.“

So ganz zufrieden war sie mit den alternativen Kontaktmöglichkeiten trotzdem nicht: „Schließlich haben nicht alle Ratsuchenden die technischen Voraussetzungen. Und auch bei sprachlichen Problemen kann es schwierig werden.“ Also entwickelte Hasse eine ganz neue, eigentlich alte Idee: Warum nicht die Beratung mit einem Spaziergang verbinden? Geboren war der Orientierungsspaziergang.

Bewegung an der frischen Luft ist immer gut

Die Bildungsberatung versteht sich als neutrale Beratungsstelle, die Menschen bei der beruflichen Neuorientierung, etwa nach dem Studienabschluss oder bei einem angestrebten Jobwechsel, unterstützen will. Seit 2014 ist die Einrichtung, die vom Land Niedersachsen finanziert wird, an der Kalandstraße mit einem Büro ansässig. Seit Dezember kommt nun eine Art „Außenstelle“ im Lüneburger Kurpark hinzu. „Bewegung an der frischen Luft ist ja immer gut“, schildert Hasse ihre Überlegung. „Und beim Laufen kann man manchmal anders auf die Dinge blicken.

Zuerst habe sie die Ilmenau für Spaziergänge mit Ratsuchenden im Blick gehabt, aber die breiten Wege im Kurpark seien doch besser geeignet, um nebeneinander Gespräche zu führen, weiß Hasse inzwischen: „Auf einem einstündigen Spaziergang schafft man die große Runde locker zweimal.“ Mittlerweile machen mehr als 20 Prozent der Ratsuchenden von dem ungewöhnlichen Angebot Gebrauch. „Interessanterweise sind es zum Großteil Männer“, verrät Hasse.

Viele Tipps und Anregungen

Eine der wenigen Frauen, die den Orientierungsspaziergang ausprobiert haben, ist Viviane Schmidt. Nach dem Bachelorabschluss absolviert die 23-Jährige ein Freiwilliges Soziales Jahr und überlegt nun, wie es danach beruflich weitergehen soll. „Die Idee mit dem Orientierungsspaziergang fand ich sofort toll“, sagt sie, „die Kombination aus Bewegung und Gespräch kommt mir persönlich sehr entgegen.“

Zwar seien mit der Kurparkrunde nicht alle Fragen automatisch geklärt, „aber ich habe viele Tipps und Anregungen bekommen, was ich weiter tun kann. Das hilft mir in dem Entscheidungsprozess.“ Auch die Beratungsstelle möchte das Angebot nach den ersten positiven Erfahrungen unbedingt aufrechterhalten. „Man ist tatsächlich im Gespräch sehr fokussiert. Hunde oder andere Spaziergänger stören überhaupt nicht“, sagt Hasse. Das einzige, was ihr gelegentlich etwas Sorge bereite, sei das Wetter: „Im Zweifel habe ich immer einen Schirm dabei.“

Haben Sie auch ein Beispiel, das Mut macht? Dann schreiben Sie eine E-Mail an Koordinatoren@landeszeitung.de

Von Ute Klingberg-Strunk

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