Sonntag , 4. Dezember 2022
Anzeige
Landesforsten
Die Bilder von den Arbeitsplatzmonitoren der Brandwächter. Lassen sich auf den Großbildschirm projizieren um unklare Warnmeldungen schneller und besser gemeinsam zu beurteilen. Einblicke hinter die Kulisse des Hightech-Systems, ein neuer Server sorgt für die nötige Rechenleitung des Waldbrand-Überwachungs-Systems. (Foto: Niedersächsische Landesforsten)

Neue Augen für die Waldbranderkennung

Der Trend der vergangenen Jahre ist deutlich: Feuerwehren melden immer früher im Jahr Einsätze bei Flächenbränden, weil es trocken ist. So musste die Feuerwehr Neetze schon jetzt einen Böschungsbrand löschen. Da passt es in die Zeit, dass die Niedersächsischen Landesforsten zurzeit die in die Jahre gekommenen Überwachungskameras für die Waldbrandfrüherkennung durch neue und leistungsfähigere Modelle ersetzen.

Lüneburg. Die Augen der Waldbrandfrüherkennung im nordöstlichen Niedersachsen erhalten eine Kur. Das System wird derzeit modernisiert. Die Niedersächsischen Landesforsten ersetzen die in die Jahre gekommenen Überwachungskameras durch neue und leistungsfähigere Modelle. Dadurch wird die Waldbrandvorsorge in den besonders gefährdeten Risikogebieten für die Zukunft sichergestellt. Das überwachte Gebiet erstreckt sich auf die sechs Landkreise Lüneburg, Heidekreis, Uelzen, Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Celle.

„In der Zentrale in Lüneburg sorgen ein neuer Server und neue Rechner an den fünf Arbeitsplätzen für schnellere Auswertungsmöglichkeiten der übertragenen Bilder. Eine neue Großbildwand gibt unseren Brandwächtern die Möglichkeit, unklare Warnmeldungen schneller und besser gemeinsam zu beurteilen“, berichtet Helmut Beuke, Leiter der Projektstelle Waldbrandprävention, die zurzeit laufenden Modernisierungsschritte.

20 Sensoren an 17 Standorten

Die 20 optischen Sensoren des Systems, verteilt auf 17 Standorte, sind in der Lage, eine flächendeckende Überwachung sicherzustellen. Dabei erkennen sie besser als das menschliche Auge selbst in 20 Kilometer Entfernung noch Entstehungsbrände. Ab Warnstufe 3 ist die Lüneburger Zentrale mit speziell geschulten Forstwirten besetzt und überwacht eine 440.000 Hektar große Waldfläche. Die beobachtete Gesamtfläche liegt sogar bei fast einer Million Hektar.

Wie wichtig die Modernisierung des 2011 in Betrieb genommenen Systems ist, zeigt die Trockenheit der vergangenen Jahre. Immer früher im Jahr melden Feuerwehren Einsätze bei Wald-, Flächen- und Böschungsbrände. So auch am Montagnachmittag: Die Feuerwehr Neetze rückte zu einem Böschungsbrand an der Bahnstrecke zwischen Neetze und Boltersen aus. Eine rund 100 Quadratmeter große Fläche brannte. Die Einsatzkräfte konnten die Flammen schnell löschen.

Feuerwehrflugzeug ist schon einsatzbereit

Lüneburgs Kreisbrandmeister Torsten Hensel berichtet, dass der Feuerwehrflieger zur Wald- und Flächenbranderkennung aus der Luft offiziell ab März startklar sei, aber schon jetzt einsatzbereit für Überwachungsflüge im Hangar auf dem Lüneburger Flugplatz stehe. Aus gutem Grund. So habe das Feuerwehrflugzeug im vergangenen Jahr vor dem offiziellen Anfliegen im April schon zehn Einsätze gehabt.

Auf die Veränderungen beim Wetter mit früher beginnender und länger anhaltender Trockenheit reagieren die Feuerwehren. In der Ausbildung und bei der Beschaffung von Geräten, die sich besonders gut für die Bekämpfung von Wald- und Flächenbränden eignen wie etwa Löschrucksäcke und 30 Meter lange durchgängige Löschschläuche ohne Kupplungen für Einsätze im Wald.

Neue Löschfahrzeuge für Waldbrände

„Außerdem hat das Land eine Erprobungsphase für spezielle Waldbrand-Löschfahrzeuge begonnen, aus denen zum Beispiel während der Fahrt gelöscht werden kann“, berichtet der Kreisbrandmeister. Die Tests laufen zunächst in den Kreisen Heidekreis, Celle und Diepholz. „Danach werden sie den Wehren angeboten.“

Die Modelle Unimog und Renault seien jedoch wegen ihrer Spezialausrüstung sehr teuer: rund 400.000 Euro je Fahrzeug. „Das können sich viele Kommunen nicht leisten. Zumal die strukturschwächsten von ihnen oft Wälder in ihren Gebieten haben“, erläutert Hensel. Daher sei ein Förderprogramm beim Land in Arbeit, damit Gemeinden, die diese Fahrzeuge benötigen, sie tatsächlich auch beschaffen können.

Wetterexperte: Kaum Niederschlag zu erwarten

Keine schlechte Idee. Zumindest, wenn man den Vorhersagen und Erläuterungen zum Thema Dürre des LZ-Wetterexperten Reinhard Zakrzewski folgt. Denn für die nahe Zukunft zeigen ihm zufolge die Wettermodelle kaum Niederschlag für die Region an.

„Uns bleibt der Hochdruck in nächster Zeit erst einmal erhalten und daher sind keine größeren Niederschlagsmengen zu erwarten“, sagt er.

Vor dem Hintergrund der extremen Trockenheit seit 2018 verschärfe sich die Lage. „Tiefere Bodenschichten werden nicht angefeuchtet.“ Das sei auch über die Wintermonate nicht passiert. „Im Landkreis Lüneburg schließt die Wasserbilanz mit einem leichten Minus.“ Damit habe es letztmalig einen für die Grundwasserneubildung nötigen Überschuss beim Niederschlag 2017 gegeben, erläutert Zakrzewski.

Trockenheit geht weiter

Und aus den langfristigen Jahreszeitenvorhersagen lasse sich momentan herauslesen, dass die Trockenheit möglicherweise weitergehe. Stand jetzt: im Frühjahr und wohl auch im Sommer, meint der Experte. Aufgrund dieses Ausblicks kommen die neuen Augen für die Waldbrandfrüherkennung gerade recht.

Von Stefan Bohlmann

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.