An der Stirnseite des Sportgeländes liegen Krippe (rotes Dach vorne) und der neue Kindergarten (dunklens Dach hinten) in Westergellersen. Beide Einrichtungen müssen wegen der hohen Nachfrage erweitert werden. Foto: t&w

Gellersen schafft Platz für Kinder

Reppenstedt/Westergellersen. Immer Anfang Mai liegen die neuen Zahlen vor. Dann weiß die Samtgemeinde Gellersen, wie viele Eltern ihre Kinder für den Besuch in einer Kita angemeldet haben. So auch dieses Jahr. Tendenz: Der Betreuungsbedarf steigt und das schneller als bisher. Eine Warteliste für Kindergartenplätze mit aktuell 36 Namen zeugt von der Entwicklung. „Wir müssen unseren Bedarfsplan deshalb anpassen“, sagt Bürgermeister Steffen Gärtner (CDU).

Bei Sichtung der Anmeldezahlen sei nämlich klar geworden, dass der Kommune kurz- und mittelfristig räumliche Engpässe drohen, berichtet er. In vier Krippen und sechs Kindergärten werden rund 600 Mädchen und Jungen betreut. „Es werden absehbar mehr, weil wir nach der Stadt Lüneburg das größte Zuzugsgebiet sind.“

Den steigenden Betreuungsbedarf macht Steffen Gärtner aber nicht nur daran fest. Eine Änderung des niedersächsischen Schulgesetzes zeige Wirkung. Hintergrund: Eltern, deren Kinder das sechste Lebensjahr in der Zeit vom 1. Juli bis zum 30. September vollenden, haben seit Kurzem die Möglichkeit, den Einschulungstermin um ein Jahr zu verschieben. Stichtag ist der 1. Mai.

30 Kinder werden zurückgestellt

„Diese flexible Option wird rege genutzt. Aktuell haben wir 30 Kinder, die zurückgestellt werden, und noch ein Jahr länger im Kindergarten bleiben.“ Nicht nur das. „Wir stellen fest, dass Eltern gerade jetzt während der Corona-Pandemie verstärkt von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, weil unklar ist, wie es nach den Sommerferien an den Grundschulen weitergeht.“ Und auch die Gebührenfreiheit beim Kindergartenbesuch mache sich bemerkbar, mehr Mädchen und Jungen werden angemeldet, ergänzt er.

Das Bauamt hat daher die Krippen und Kindergärten auf deren räumliche Potenziale abgeklopft, auf der Suche nach Kapazitäten. Ergebnis: Die Räume einer einstigen Großtagespflegestelle in einem Haus am Wiesenweg werden ab Herbst zur Zweigstelle des kommunalen Kindergartens Reppenstedt umgebaut. Planungen für Anbauten an Krippe und Kindergarten in Westergellersen wird die Samtgemeinde überdies aufnehmen. „Durch den Umbau in Reppenstedt schaffen wir Platz für eine zusätzliche Gruppe mit 20 Kindern“, erklärt der Verwaltungschef. Die Kosten für Umbau und Miete des auf ein Jahr zeitlich befristeten Vorhabens beziffert er mit etwa 60.000 Euro.

Doch nicht nur in Reppenstedt steigt der Bedarf stark. „Ein weiterer Schwerpunkt liegt in Westergellersen, selbst der gerade erst neu gebaute Kindergarten platzt schon wieder aus allen Nähten. Wir haben bereits vier Kinder auf der Warteliste“, berichtet er.

Der Ort sei ohnehin für Häuslebauer attraktiv. Darüber hinaus sei ein Phänomen zu beobachten, das in den anderen Mitgliedsgemeinden nicht in dem Maße auftrete. „Viele kinderreiche Familien ziehen nach Westergellersen“, sagt der Bürgermeister.

Platz schaffen für eine zweite Gruppe

Mit Folgen für die Infrastruktur, die mit dieser Entwicklung in Einklang gebracht werden muss. „Wir wollen in der Krippe Platz schaffen für eine zweite Gruppe.“ Das Konzept sieht vor, einen schon vorhandenen Raum in einen Gruppenraum umzuwandeln. Bislang nutzt die benachbarte Grundschule diesen für den Musikunterricht, der künftig im Schulgebäude stattfinden wird. Die Krippe erhält zudem einen Anbau mit Küche, WC, Ruhe- und Personalraum. „Ziel ist es, die Kosten dafür in einen wegen der Corona-Krise zu erwartenden Nachtragshaushalt Ende des Jahres einzustellen.“

Für den Kindergarten gebe es die Überlegung, den Neubau mit Räumen für eine zusätzliche Betreuungsgruppe zu erweitern. „Das würde Kapazität für 20 weitere Kinder bringen.“

Mittelfristig rückt dann Reppenstedt erneut in den Fokus. „Für das künftige Neubaugebiet am Schnellenberger Weg gibt es die Option, dort einen Kindergarten zu errichten. Aber wir warten erst einmal ab, wie sich das Baugebiet entwickelt.“ Und auch für den Kindergarten in Südergellersen gibt es einen Plan. „Die Wohnung oben im Gebäude wird frei. Diese gehört der Gemeinde und für die Samtgemeinde besteht die Möglichkeit, sich die Räume für den Kindergarten zu sichern.“

Von Stefan Bohlmann

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