Montag , 5. Dezember 2022
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Pumpanlage AGL
Mit der neuen Pumpanlage wird über drei sogenannte archimedische Schnecken das Abwasser über acht Meter angehoben. (Foto: tonwert21.de)

Hier klärt sich was

9,5 Millionen Euro investiert die AGL in eine neue Pump- und Rechenanlage für ihre Großkläranlage an der Bockelmannstraße. Dort wird das Abwasser von 150.000 Einwohnern der Stadt und benachbarten Kommunen im Landkreis Lüneburg gereinigt.

Lüneburg. Es ist das größte Bauprojekt seit 1998 auf dem Gelände des Lüneburger Klärwerks an der Bockelmannstraße. Rund 9,5 Millionen Euro hat die Abwasser, Grün & Lüneburger Service GmbH (AGL) in eine neue Pump- und Rechenanlage inklusive des Neubaus von sogenannten Zulaufsammlern investiert. Die Anlage ist inzwischen in Betrieb gegangen, es laufen nur noch Restarbeiten.

Neun Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr beziehungsweise 24.000 pro Tag werden in der Großkläranlage gereinigt, und zwar Abwasser aus Lüneburg, Adendorf sowie den Samtgemeinden Scharnebeck, Ilmenau, Bardowick, Gellersen und Teilen der Ostheide. Rund 150.000 Einwohner sind angeschlossen. Die alte Rechenanlage war rund 20 Jahre alt, das Gebäude zum Teil von 1958. Da die Anlage inzwischen große Schäden aufwies, entschied sich die AGL für einen Neubau, erläutert Torsten Bolick, Bereichsleiter Kläranlagen. Und das an einem neuen Standort, im westlichen Teil des Betriebsgelände, weil sich die komplette Kläranlage im Laufe der Jahre verlagert hat. "Damit haben wir nun die alten Flächen frei, sodass wir diese künftig für andere Zwecke nutzen können", sagt AGL-Geschäftsführer Lars Strehse.

Rohre werden durch den Untergrund gepresst

Für die neue Pumpen- und Rechenanlage mussten neue Zulaufsammler von Schmutzwasser aus der Innenstadt verlegt werden. Die Rohre mit einem Durchmesser von 1,30 Meter wurden durch den Untergrund gepresst. "Weitere Leitungen mussten zur Aufnahme des Abwassers aus dem Sammler Adendorf/Bardowick und dem Sammler Erbstorfer Landstraße hergestellt werden", schildert Bolick. Insgesamt hätten diese Arbeiten ein Drittel der Baukosten ausgemacht.

Von den Zulaufkanälen fließt das Abwasser in einen unterirdischen Schacht. Mit der neuen Pumpanlage wird über drei sogenannte archimedische Schnecken das Abwasser auf acht Meter angehoben beziehungsweise hochgeschraubt. Dieses Förderprinzip habe sich durch einen energieeffizienten und verschleißarmen Betrieb bewährt, verdeutlicht Bolick. Das Abwasser fließt dann in die einzelnen Reinigungsstufen.

Reinigungsleistung deutlich erhöht

Direkt von den den archimedischen Schnecken geht das Abwasser aber erst einmal in die neue Rechenanlage. Dort werden alle Schwimm- und Schwebstoffe mit einem Durchmesser von drei Millimeter oder größer aus dem Abwasser entfernt. Das können Partikel zum Beispiel von Feuchttüchern oder Damenhygieneartikeln sein, die eigenlich nicht über die Toilette entsorgt werden sollten. "Es hat aber auch schon Anfragen von Bürgern gegeben, ob wir eventuell einen Ehering rausgefischen könnten, der aus Versehen in die Spülung gelangte", berichtet Bolick. Die alte Anlage konnte lediglich Partikel ab sechs Millimeter Größe abrechen. "Mit der neuen ist somit die Reinigungsleistung in der ersten Reinigungsstufe wesentlich erhöht", sagt Strehse. 250 bis 300 Tonnen Rechengut kommen jährlich zusammen, die dann zur Entsorgung zur GfA gehen. Wenn das Abwasser alle Reinigungsstufen durchlaufen hat, wird es in die Ilmenau geleitet.

Im Zeichen des Klimaschutzes setzt die AGL beim Beheizen und zur Klimatisierung des Gebäudes auf einen Luft-Erdwärmetauscher, der knapp gesagt die Temperatur des Erdreichs zur Luftvorwärmung oder Luftkühlung nutzt.

Von Antje Schäfer

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