Dienstag , 6. Dezember 2022
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Reste einer Feuerstelle begutachten hier Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring (l.) und der Archäologe Dr. Frank Andraschko. (Foto: t&w)

Der Geschichte im Boden auf der Spur

Ein Bagger rollt seit ein paar Tagen über des Areal des künftigen Neubaugebietes Am Wienebütteler Weg. Er zieht der Oberboden dort ab, wo künftig die Straßen verlaufen werden. Doch Spekulationen, es handle sich dabei um den Erschließungsstart, sind falsch.

Lüneburg. Im kommenden Herbst soll mit der Erschließung des Neubaugebietes Am Wienebütteler Weg begonnen werden. Doch bereits seit einigen Tagen kurvt ein Bagger übers Areal und trägt Boden ab. Es sieht fast so aus, als wenn hier mit Straßenbau begonnen wird, spekulierten Lüneburger Bürger. Dabei ist der Bagger mit im Einsatz, um ein Stück mögliche Geschichte zu sichern. Denn die Stadt hat archäologische Untersuchungen in Auftrag gegeben, um herauszufinden, ob es auf der Fläche des Neubaugebietes eventuell historische Siedlungen gegeben hat.

Sondengänger machten Voruntersuchungen

Stadtarchäologe Prof. Dr. Edgar Ring hat die Untersuchungen angestoßen: „Es gibt mehrere Hinweise, die darauf hindeuten, dass diese Stelle archäologisch interessant sein könnte. Wir haben die Fläche vorab mit Hilfe von Sondengängern untersucht lassen und hierbei erste Anhaltspunkte wie Metalle und Keramikscherben gefunden, die bis zu 2000 Jahre alt sind." Auch in der Umgebung sei man früher schon auf steinzeitliche Funde gestoßen.

"Um herauszufinden, ob es auf diesen Flächen tatsächlich alte Besiedlung gegeben hat, haben wir uns zur genaueren Untersuchungen entschlossen." Bei Baugebieten werde immer die Denkmalpflege eingebunden. Denn damit nicht eventuell Bodendenkmale zerstört werden, müssen im Vorfeld der Bebauung Untersuchungen erfolgen. Gesetzlich verankert ist: Der Auftraggeber muss auch zahlen.

"Die Stadt handelt vorbildlich"

Bekanntlich sind die Flächen im städtischen Besitz, entstehen sollen dort rund 340 Wohneinheiten. "Die Stadt handelt vorbildlich, weil hier rechtzeitig etwas passiert", lobt Dr. Frank Andraschko von AGIL, Reppenstedter Büro für angewandte Archäologie. Denn sollte es besondere Funde geben, müssen die natürlich gesichert werden, und das braucht Zeit. Für Bauherren kann das Verzögerungen bedeuten.

Ein Bagger mit einer Schaufel mit glatter Schneide hat entlang des künftigen Straßennetzes den dunklen Oberboden abgezogen. Einbezogen in die Untersuchungen und das von der Stadt vorgegebene Raster ist auch der nördliche Bereich des Areals. Denn dort sollen noch in diesem Jahr Tiefenbohrungen bis zu 200 Meter ins Erdreich für ein geplantes Erdwärmenetz erfolgen, erläutert Uta Hesebeck, Fachbereichsleiterin Straßen- und Ingenieurbau. Zwei Schichten unter dem abgezogenen Erdreich ist gewachsener Boden, der bis in die Steinzeit zurückgeht. Sollte es historische Siedlungen auf dem Areal geben, würden sich eventuell dort Funde ausmachen lassen, erläutert Dr. Andraschko.

Sollte es historische Siedlungen geben?

Zu Tage getreten ist bereits eine Feuerstelle beziehungsweise, was davon übrig ist. Es schaut aus wie verkohlte Holzstücke. Wäre auch Keramik dabei zu finden, ließe sich der Fund insgesamt datieren, verdeutlicht Andraschko. Der Befund werde nun händisch untersucht. Etwas weiter davon entfernt sind Steingut-Teile im Boden freigelegt. Dabei handelt es sich laut Ring um Mineralwasserflaschen, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.

Diese und vielleicht noch andere Fundstücke gehen an die städtische Denkmalpflege – sie sind Dokumente der Geschichte. Danach ist der Weg frei, dass am Wienebütteler Weg etwas Neues entsteht.

Von Antje Schäfer

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