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Elias, Finn, Saskia und Liam füttern Hühner auf dem Gelände des Kleingartenvereins Ilmenau. (Foto: phs)

Kleingärten gefragter denn je

Lüneburg. Leerstand gibt es in Lüneburg im Grunde seit Jahren allenfalls vereinzelt. Wenn Parzellen tatsächlich mal längere Zeit keinen neuen Pächter finden, dann meist, weil sie einen Haken haben: arg verwildert, keine Laube, ungünstige Lage in unmittelbarer Nähe zur vielbefahrenen Straße. Doch das sind stets Ausnahmen. Der Kleingarten, für manche der Inbegriff deutscher Kleinbürgerlichkeit, ist für viele ein kleines, ganz privates Idyll. Ein Spieleparadies für Familien mit Kinder, eine Oase der Ruhe als Rückzugsort vom Alltagsstress für Berufstätige, ein eigenes Areal zur freien kreativen Entfaltung für Hobbygärtner. Und die Corona-Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Nachfrage nach den kleinen Parzellen sogar noch gestiegen ist.

16 Kleingartenvereine gibt es in Lüneburg mit zusammen mehr als 2000 Gärten. Längst dienen die Parzellen nicht mehr ausschließlich der Versorgung mit Obst und Gemüse. Klar, ein bisschen eigener Anbau sollte es schon sein, doch Pools und Trampoline werden von Jahr zu Jahr zahlreicher in den Kolonien. Und gerade in Zeiten, in denen an Reisen kaum zu denken ist, mehren sich die Anfragen nach einem freien Garten in den Vereinen – landesweit.

Lüneburg liegt im Landestrend

„Das steigt überall rasant“, sagte der Lüneburger Joachim Roemer, Vorsitzender des Landesverbandes der Gartenfreunde in Niedersachsen. „Das gute Wetter führt dazu, dass es noch einmal einen Schub gibt.“ Wartelisten gebe es allerdings selten, man wolle die Menschen nicht immer wieder vertrösten und enttäuschen. Nicht nur in Lüneburg gebe es aktuell kaum freie Parzellen, berichtet Roemer. Das sei in anderen Städten ähnlich.

Heinz Krech kann die hohe Nachfrage bestätigen. Er ist Vorsitzender des Vereins Ilmenau, zu dem 114 Gärten zählen. „Ich könnte noch an 50 weitere Bewerber vermieten“, sagt er. Deren Hoffnung ruhen auf dem Alter der anderen. Denn meist sind es Altersgründe, weswegen Gartenfreunde ihre Grundstücke aufgeben. So habe sich allein in den vergangenen drei Jahren in seiner Kolonie die Zahl der Kinder von 20 auf 40 verdoppelt.

Junge Familien mit Kindern stark interessiert

Ein Trend, der auch anderswo zu beobachten ist. Zunehmend junge Familien mit Kindern wissen einen eigenen Kleingarten zu schätzen. Hier können die Kleinen in einem natürlichen Umfeld gefahrlos spielen und lernen nebenbei auch schon, wie Zucchini und Möhren wachsen oder welche Pflege Blumen benötigen. Zudem sind die Parzellen preiswerter als beispielsweise ein Campingplatz. In Lüneburg kostet ein Grundstück mit 400 Quadratmetern gerade mal 60 Euro pro Jahr – plus Vereinsbeitrag und Versicherung. Im Gegenzug muss man den Garten in Schuss halten und ein paar Mal im Jahr gemeinschaftlich bei der Pflege jener Flächen der Kolonie mit anpacken, die allen gehören.

Auch das Image der Anlagen habe sich gewandelt: „Früher hatte man die Vorstände im Unterhemd mit dem Zollstock in der Hand vor seinem Auge“, erinnert Roemer. Längst passé. Auch die Vorgaben, dass zum Beispiel zwingend ein Drittel der Parzelle bewirtschaftet werden muss, werden nicht mehr ganz so streng gehandhabt wie vielleicht noch Ende des 20. Jahrhunderts.

Gartenarbeit beruhigt

Seit fast einem Jahr hat auch Chantal Otto ein eigenes Stückchen Land. Mit ihrem siebenjährigen Sohn buddelt und gräbt die 31-Jährige nun im Kleingarten. „Ich hatte Glück, eine Bekannte war schon hier, und nach ein paar Monaten hat es geklappt“, erzählt die Pflegefachkraft. Sie sieht die viele Arbeit als Hobby und Abwechslung zu ihrem anstrengenden Beruf. „Es beruhigt ja auch.“

Unternehmensberater Jean Hinz plant, im Frühjahr viel Zeit mit seiner Frau und den drei Mädchen (drei und fünfjährige Zwillinge) in der Natur zu verbringen. „Ich habe mir grad einen WLAN-Hotspot einrichten lassen und freue mich schon auf die schönen Tage“, sagt der Familienvater. rnd/dpa/ahe

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