Freitag , 2. Dezember 2022
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Viele Landwirte im Landkreis dürfen aufatmen. Das Kabinett in Hannover hat die Ausweisung "roter Gebiete" noch einmal deutlich überarbeitet, und damit auch die Düngeregelungen. (Foto: phs)

Erfolg für die Landwirte

Viele Landwirte sahen wegen der Ausweisung Rote Gebiete bereits schwarz für ihre berufliche Zukunft. Doch nun hat das Kabinett in Hannover die Landesdüngeverordnung noch einmal überarbeitet und eine neue Gebietskulisse "Rote Gebiete" veröffentlicht – ein Erfolg mit Nachbesserungsbedarf , bewertet der Bauernverband die jetzt bekannt gewordenen Ergebnisse.

Lüneburg/Hannover. "Wir sind noch nicht am Ziel angelangt, aber es ist ein Teilerfolg!" Mit diesen Worten, in denen auch viel Erleichterung mitschwingt, bewertet Carsten Hövermann, Landwirt aus Kirchgellersen und Vorstandsmitglied des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, in einer ersten Stellungnahme den jüngsten Kabinettsbeschluss zur Landesdüngeverordnung. "Viele unserer Anregungen wurden von der Politik umgesetzt und führen jetzt zu einer deutlichen Verbesserung der 'Roten Gebiete'".

In den vergangenen Wochen und Monaten waren die Landwirte gegen die Novellierung der Düngeverordnung Sturm gelaufen. Grund für den Ärger waren nicht zuletzt die sogenannten "roten Gebiete", in denen aufgrund erhöhter Nitratgehalte im Grundwasser Restriktionen bei der Düngung gelten sollten – auch im Landkreis Lüneburg. Rund 60 Prozent der Ackerflächen wären laut Hövermann hiervon betroffen gewesen.

20 Prozent weniger Dünger auf die Felder

Wie berichtet hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) unter anderem in Breetze, Reinstorf und Wulfsrode im Landkreis Uelzen Nitratgehalte über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter gemessen. Auf dieser Grundlage wurden die so genannten roten Gebiete ausgewiesen, in denen die Stickstoffdüngung künftig nur noch 20 Prozent unter Bedarf erfolgen sollte. Davon betroffen wären alleine in der Region mehr als 1000 Landwirte. Die Folge: Ernte- und Ertragseinbußen für die betroffenen Betriebe.

Die Landwirte machten mobil, organisierten Demonstrationen und Mahnwachen und suchten zugleich das Gespräch mit Landtagsabgeordneten und den zuständigen Ministerien in Hannover. Zugleich hatte das Landvolk Niedersachsen ein Gutachten zusammen mit 23 Kreislandvolkverbänden in Auftrag gegeben, dabei das Messstellennetz, als auch das Bewertungsverfahren des NLWKN in den Blick genommen. Mit vernichtendem Urteil: Die roten Gebiete seien nicht repräsentativ für das Grundwasser, zudem seien technische Mängel an den Messstellen aufgefallen.

Grüne Messstellen werden mit in die Bewertung genommen

Diese Unstimmigkeiten und auch die Aktionen und Interventionen der Landwirte und ihrer Standesvertretung, dem Bauernverband, führten letztlich zu einer Neubewertung der Problematik: "Jetzt werden, wie von uns gefordert, grüne Messstellen mit in die Bewertung hereingenommen, statt wie vorher ganze Teilräume zum roten Gebiet zu machen und den grünen Messstellen keine Beachtung zu schenken", erläutert Hövermann. Und in einer Pressemitteilung des Bauernverbandes heißt es: "Wir haben immer gefordert, dass um rote Messstellen kleinräumige rote Gebiete ausgewiesen werden." Dieser Vorschlag sei man jetzt in Hannover gefolgt. "Ein grandioser Meilenstein auf dem Weg zu einem Verursacherprinzip", urteilt der Bauernverband.

Was genau damit gemeint ist, erklärt Hövermann auf LZ-Anfrage so: "Die Betriebe müssen jetzt ihren Düngeeinsatz dokumentieren, indem sie Düngemengen, die sie auf die Felder aufbringen, in eine Datenbank eintragen." Die trägt den Namen "ENNI". Die Abkürzung steht für Elektronische Nährstoffmeldungen Niedersachsen." Auch das trage zu mehr Transparenz bei, ist Carsten Hövermann überzeugt.

Nährstoffbericht des Landes zeigt viel Grün

Weiterhin aber halte man die Forderung aufrecht, "dass Stützmessstellen als zusätzliche Informationsquelle herangezogen werden müssen, um die jetzt verbliebenen roten Gebiete mit weiteren Daten noch genauer abzugrenzen". Das betreffe vor allem Betriebe, die weiterhin in roten Gebieten liegen und in größerer Entfernung zu roten Messstellen wirtschaften.

"Großräumig rote Gebiete auszuweisen, ist der falsche Weg!", macht Hövermann zum Abschluss noch einmal unmissverständlich deutlich und verweist auf den aktuellen Nährstoffbericht des Landes Niedersachsen.: Statt "Rot" für zu viel Stickstoff zeigt die Karte vor allem "Grün" und für die Landkreise Lüneburg, Dannenberg und Winsen/Luhe sogar "Dunkelgrün". "Das zeigt, dass sehr grundwasserschonend gedüngt wird", sagt der Kirchgellerser Landwirt.

Von Klaus Reschke

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