Donnerstag , 9. Dezember 2021
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Am 4. Februar erhielt die 84-jährige Christa Krüger die erste Spritze im Lüneburger Impfzentrum. Mittlerweile haben alle Bürger in der Altersgruppe ab 80 Jahre einen Impftermin erhalten. (Foto: Landkreis)

Bis zu 1000 Spritzen täglich

Lüneburg. Der Einzelhandel kann nach Terminanmeldung wieder Kunden bedienen, seit Donnerstag dürfen sich in Lüneburg wieder mehr Menschen treffen und die Maskenpflicht ist angesichts des niedrigen Inzidenzwertes aufgehoben. Und die Bürger haben viele Fragen, wie es denn nun weitergeht mit Impfen und Rückkehr in den Alltag. Die Landeszeitung hat Fragen der Leser gesammelt und sie Lüneburgs oberstem Krisenmanager, Landrat Jens Böther, gestellt.

Herr Böther, die erste Woche mit Lockerungen ist bald vorbei – welche Eindrücke haben sie in den vergangenen Tagen gesammelt?

Jens Böther: Vor einem Jahr hatten wir den ersten bestätigten Corona-Fall, inzwischen gibt es mehr als 2000 bestätigte Infektionen und 42 Menschen sind verstorben. Jeder Fall ist einer zu viel. Aber wir haben auch mittlerweile mehr als 18.000 Bürger geimpft, am Mittwoch zum Beispiel waren es mehr als 920. Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich, dass die allermeisten Menschen weiter eine Maske tragen. Angesichts dieses vernünftigen Umgangs mit der Situation bin ich zuversichtlich, dass wir mit den vorsichtigen Lockerungen auf einem guten Weg sind. Die Menschen sehnen sich nach persönlichen Kontakten, auch deshalb ist dieser Schritt jetzt richtig.

Die Altersgruppe ab 80 Jahren wurde und wird derzeit geimpft, wann kommen die Menschen ab 70 Jahren an die Reihe und wie können sie einen Impftermin vereinbaren? Und droht dann wieder so ein Chaos bei der Terminvergabe online oder über die Hotline?

Das Land will die Altersgruppe ab 70 Jahren in den nächsten Tagen anschreiben. Wenn das nicht klappt, stehen wir mit den Kommunen Gewehr bei Fuß. Ich bin mir sicher, dass das Land aus dieser ersten Phase der Terminvergabe einiges gelernt hat, das hat wirklich nicht gut funktioniert. Wir rechnen damit, dass wir spätestens Anfang April über die zentrale Terminvergabe des Landes auch Termine für die Altersgruppe ab 70 anbieten können.

In diese zweite Impfgruppe gehören ja neben Menschen ab 70 Jahren auch jüngere Menschen, beispielsweise mit einer Risikoerkrankung. Ein Leser hat zum Beispiel eine entsprechende Bescheinigung von seinem Kardiologen. Wann kann er einen Termin im Impfzentrum vereinbaren?

Die gute Nachricht vorweg: Personen mit Vorerkrankungen, die zur Prioritätsgruppe 2 gehören, sind bald an der Reihe. Das Land ist jetzt gefordert, diese zweite Stufe der Terminvergabe freizuschalten. Wir hoffen, dass dies jetzt sehr zügig passiert. Für Einzelpersonen gibt es keinen anderen Weg als über das Onlineportal oder die Hotline des Landes. Unser Corona-Impfzentrum ist parallel dazu derzeit dabei, sich mit jetzt zur Impfung berechtigten Berufsgruppen in Verbindung zu setzen, um den vorhandenen Impfstoff zügig einzusetzen.

Eine Leserin fragt, warum zunächst nur Lehrkräfte an Grund- und Förderschulen geimpft werden. Wann sind die Lehrkräfte an den weiterführenden Schulen an der Reihe?

Das Personal von Kitas, Grund- und Förderschulen ist in der Prioritätengruppe 2, alle anderen Schulen gehören der dritten Stufe an. Wir gehen davon aus, dass es für diese Stufe frühestens im Mai Termine gibt; es sei denn, es wird vermehrt Impfstoff geliefert.

Eine Leserin darf angesichts ihrer Schwangerschaft nicht geimpft werden und fragt nun, ob ihr Mann in der Prioritätenliste nach vorne rutscht?

Ja, Schwangere dürfen zwei enge Kontaktpersonen bestimmen, die dann in die Prioritätengruppe 2 eingeordnet werden. Sie müssen einen Termin im Impfzentrum über das Portal des Landes buchen, für diese Gruppe sollen ja in Kürze Termine angeboten werden.

Am Ende des Tages werden im Impfzentrum ja noch einige Dosen übrig sein. Warum gibt es keine Liste mit Bürgern, die in einem solchen Fall in kürzester Zeit ins Impfzentrum kommen können?

Dazu kann ich die klare Aussage machen: Wir haben noch nie Impfstoff wegwerfen müssen. Das Impfzentrum hat solche Listen, und wir haben dann zum Feierabend immer die Möglichkeit, Mitarbeiter aus berechtigten Berufsgruppen, wie zum Beispiel dem Rettungsdienst, kurzfristig noch zu impfen.

Seit dieser Woche darf sich ja jeder Lüneburger regelmäßig kostenlos auf Corona testen lassen. Haben sie die Befürchtung, dass dadurch die Zahl der positiven Fälle steigen wird, weil man auch Erkrankte ohne schwere Symptome ausfindig macht, der Inzidenzwert deshalb steigt und es wieder mehr Einschränkungen im Alltag gibt?

Ich glaube nicht, dass die Fallzahl in großem Umfang steigen wird, denn ich rechne nicht mit einer großen Dunkelziffer. Unser Gesundheitsamt fordert ja seit geraumer Zeit Bürger mit Symptomen auf, sich auch testen zu lassen. Natürlich können einzelne weitere Fälle entdeckt werden. Aber ich gehe nicht von einer Größenordnung aus, die den Inzidenzwert dramatisch steigen lassen wird.

Stichwort Sport: Bei uns dürfen sich wieder zehn Personen aus drei Haushalten treffen, warum sind es beim Sport weiter nur fünf aus zwei Haushalten?

Das ist tatsächlich eine berechtigte Frage. Letztlich haben wir als Landkreis mit der Erweiterung der privaten Kontakte eine Möglichkeit genutzt, die uns die Landesverordnung gibt. Als Landkreis haben wir diesen Spielraum im Sportbereich bisher nicht, da gibt es vom Land eine klare Vorgabe. Da soll sich die Lage insgesamt noch etwas stabilisieren, bevor man lockert.

Warum dürfen Fahrschulen mit Abstand keinen theoretischen Unterricht geben, praktischen schon – obwohl dort Fahrlehrer und -schüler ja nebeneinander im Auto sitzen?

Theoretischen Unterricht kann man zum Beispiel auch über Videokonferenzen vermitteln. Natürlich gibt es natürlich immer Bereiche, die für sich gesehen nicht ganz widerspruchsfrei zu sein scheinen. Letztlich geht es um Kontaktminimierung, wo immer das möglich ist. Das ist immer eine Abwägungsfrage. Genehmigt man das eine, muss man beim anderen entsprechend vorsichtiger sein.

Wo werden wir Ostern stehen?

Ich kann natürlich auch nicht in die Glaskugel sehen. Aber angesichts der Entwicklung in den vergangenen Wochen haben wir eine gute Ausgangslage für die Feiertage. Ich hoffe, dass die Situation so stabil bleibt wie sie jetzt ist und wir im April noch deutlich mehr Impfstoff bekommen, um die Lage weiter zu festigen.

Von Thomas Mitzlaff

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