Sonntag , 4. Dezember 2022
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Auf seiner Laufstrecke über Vierhöfen, Westergellersen und Luhmühlen schaltet Sven Hachmann am liebsten ab. (Foto: kab)

Die Liebe macht gemütlicher

Nur die Liebe zählt - deshalb hat sich Sven Hachmann vor gut sechs Jahren von seinem allzu großen Ehrgeiz verabschiedet. Neuerdings dreht er gern wieder regelmäßig Runden in seiner neuen Heimat Salzhausen. Doch bei seinem letzten Volkslauf übernahm er eine ganz andere Rolle.

Salzhausen. Muskelshirt, markante Glatze und immer ein Lächeln im Gesicht – so kennen viele Sven Hachmann, damals noch Schlomski, von den Läufen des Salah-Cups. Fünf Jahre in Folge hat er die Volkslauf-Serie mitgemacht. Anfang 2015 war prompt Schluss, nachdem ihm seine große Liebe über den Weg gelaufen ist. „Damit bin ich schlagartig gemütlicher geworden“, gesteht er schmunzelnd. Doch nun hat er den Jahreswechsel als Ansporn genommen, kommt inzwischen wieder auf drei Einheiten pro Woche. Die LZ hat ihn begleitet.

Sven Hachmann ist durch und durch Lüneburger, in der Hansestadt aufgewachsen und beruflich als Maler bekannt wie ein bunter Hund. Nach mehr als 20 Jahren hat er einen Tapetenwechsel gewagt, arbeitet jetzt für die Gesundheitsholding.

Wiederaufleben bei der Revival-Party

Heimisch geworden aber ist der 46-Jährige vor fünf Jahren mit seiner Frau Astrid in Salzhausen. Ihre Liebe war nach 19 Jahren Funkstille neu entflammt. Bei einer Revival-Party in der Bardowicker Diskothek „Magic“ hatten sie sich zufällig wiedergetroffen. 2016 wurde geheiratet.

Nun läuft er von Salzhausen aus, streift aber den Landkreis Lüneburg auf seiner Lieblingsrunde über Vierhöfen, Luhmühlen und Westergellersen. 16,4 teils bergige Kilometer. Los geht’s bei der Dörpschün. Über die Straßen Am Lindenberg, Am Bruchgarten und Schützenstraße laufen wir direkt in die Natur.

Nur eine Tasse Kaffee im Magen

Am Sonntagmorgen ist hier nichts los. Stille und Idylle pur. „Meine Lieblingszeit, dann ist die Luft so schön klar.“ Lediglich einen Kaffee hat Sven Hachmann im Magen, gefrühstückt wird nach getaner Arbeit – und dann umso ausgedehnter.

Wenn er wenig Zeit hat, kürzt er bereits nach etwa zweieinhalb Kilometern rechts in Richtung Luhmühlen ab. Sein persönlicher Firmenlauf, wie er an der Abzweigung erzählt. „Die Runde hat auch etwas mehr als sechs Kilometer.“ Auf dem ADAC-Gelände in Embsen hat Sven Hachmann keinen Firmenlauf verpasst, genießt jedes Mal die Atmosphäre.

Schönstes Lauferlebnis auf dem roten Teppich

Wir laufen weiter auf das Gut Schnede zu. Hier, zwischen Angelteichen und weidenden Pferden, blicken wir auf gemeinsame Jahre Salah-Cup zurück. Vor allem auf 2014, sein stärkstes Laufjahr. „Da war ich richtig fit und so schlank, dass ich schon gefragt wurde, ob ich krank bin.“ Damals spulte er ordentlich Kilometer ab, machte den Wilschenbruch unsicher. „Als Single hast du ja Zeit.“

Das Training zeigte Wirkung: In der stark besetzten M 40 lief er in der Gesamtwertung des Salah-Cups 2014 auf den zweiten Podestplatz. Die Halbmarathons der Laufserie nutzte er zugleich als Marathontraining, feierte im selben Jahr Premiere in Hamburg in 3:56 Stunden. Sein schönstes Lauferlebnis. „Wenn du den roten Teppich am Ende siehst, das Gefühl ist einmalig, das sollte jeder Läufer erlebt haben.“ Einmal traute er sich noch, mit identischer Endzeit.

Kaum zum Laufen kommt Sven Hachmann, wenn er Bereitschaftsdienst beim Bestatter hat. Ein Nebenjob, den er vor Kurzem begonnen hat. „Ich hatte dort einen Auftrag als Maler, fand das interessant und habe nachgefragt.“ Nun ist er es, der verstorbene Menschen von Zuhause abholt. Berührungsängste hat er nicht. „Das gehört zum Leben dazu, wir sorgen für ein würdevolles Ende.“ Aber auch für Seelsorge vor Ort. „Das ist nicht leicht, manchmal brauche ich danach erstmal einen Ouzo.“

Volksläufe nur noch als Streckenposten

Sven Hachmann hilft gerne, ließ sich im letzten Jahr für seine 100. Blutspende vom DRK feiern und hat als Streckenposten vor zwei Jahren beim Wald- und Wiesenlauf in Salzhausen wieder Wettkampfluft geschnuppert. „Da hab ich von meinem Tapeziertisch aus Getränke ausgeschenkt.“ Und mit Musik vom Dach seines VW Iltis, Baujahr 1986, für Stimmung gesorgt. „Da blieben einige interessiert am Jeep stehen, statt weiterzulaufen.“

Eigentlich will auch er sich nicht mehr jagen lassen, schon gar nicht an den Anstiegen zwischen Vierhöfen und Westergellersen. Doch ein Blick auf die Uhr lässt ihn das Tempo eisern halten – aus gutem Grund: Beim Interview im Laufschritt verbessern wir seine schnellste Runde auf der Hausstrecke um fünf Minuten.

Von Kathrin Bensemann

Start ist an der Dörpschün in Salzhausen. Weiter geht es über Gut Schnede, Vierhöfen, Westergellersen und Luhmühlen zurück. Die Strecke ist auch zum Skaten und Radfahren gut geeignet. (Grafik: LZ)

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