Montag , 5. Dezember 2022
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Jugendzentrum
Die Jugend meldet sich zu Wort: (v. l.) Ahmed Mohammadi, Amer Hussein, Rohan Rahmani, Firas Dahal, Antonia Lange, Lara-Sophie Kullin, Yahya Rezaie & Jolene Spreu mit Sohn. (Foto: t&w)

Jugendliche lehnen Konzept der Stadt ab

Nach knapp drei Jahren hat die Stadtverwaltung im März einen Vorschlag für ein neues Konzept zur Jugendarbeit vorgestellt. Darin soll das Jugendzentrum Stadtmitte weichen und die Jugendarbeit dezentral organisiert werden. Bei den betroffenen Jugendlichen trifft der Vorschlag auf wenig Gegenliebe.

Lüneburg. Im Jugendhilfeausschuss des Rates hatte die Stadt ihr Baustein-Konzept für die Jugend vorgestellt. Wofür sie aus der Politik überwiegend Lob erhielt, stößt bei Betroffenen selbst auf Kritik. Jugendliche, die sich bislang regelmäßig im Jugendzentrum an der Katzenstraße treffen, können sich mit den vorgestellten Angeboten so gar nicht anfreunden.

Sozialdezernentin erntet Widespruch der Betroffenen

Workshops im Salon Hansen, offene Angebote im CVJM-Café an der Finkstraße, die Mitnutzung des Mosaique und der Räumlichkeiten des Stadtjugendrings an der Wandfärberstraße sind Bestandteile des Konzeptes, das Sozialdezernentin Pia Steinrücke erläutert hatte. Ein Jugendzentrum in seiner bisherigen Form in der Innenstadt dagegen sieht die Planung der Stadt nicht mehr vor. „Jugendliche wollen heute nicht mehr unbedingt nur einen offenen Treffpunkt, sondern auch Projekte und Aktionen“, hatte sie gesagt. Jolene Spreu (19) und die anderen Stammgäste des Jugendzentrums Stadtmitte sehen das anders.

Jolene kommt seit vier Jahren regelmäßig ins „Juze“ an der Katzenstraße. Dass sie und ihre Freunde sich hier bald nicht mehr treffen können, ist für sie kaum vorstellbar. Sie haben den LZ-Artikel genau gelesen. Vor allem die genannten Alternativen stoßen bei ihnen auf Verwunderung: „Das Mosaique ist einfach kein Jugendzentrum. Natürlich ist es ein Ort für engagierte Lüneburger, aber kein offener Jugendtreff. Ich kenne niemanden, der dahingeht“, sagt Jolene. Lara-Sophie (19) und ihre Freundin Antonia (17) pflichten ihr bei. Das Juze sei für sie eine feste Bezugsgröße, „viel mehr als ein Ort, an dem nur gekickert wird“.

"Die ersten Schritte selbstbestimmten Handelns"

Auch die anderen Jugendlichen, darunter mehrere 2015 aus Afghanistan geflüchtete Heranwachsende und junge Erwachsene, haben ihr Problem mit der Finke als alternativem Treffpunkt. Ein christlich geprägter Treff spricht eben noch einmal eine andere Zielgruppe an als ein klassisches Jugendzentrum.

Ahmed Mohammadi (22) ist Bäcker in Lüneburg. Für ihn bedeutete das Jugendzentrum Stadtmitte auch die ersten Schritte selbstbestimmten Handelns. Im vergangenen Jahr hat er zusammen mit anderen Jugendlichen einen weihnachtlichen Back-Workshop für Kinder veranstaltet: „Das hat mir einfach großen Spaß gemacht. Und ich würde es wirklich schade finden, wenn das hier nicht mehr möglich ist.“ Für Rohan Rahmani stehen ganz praktische Gründe im Vordergrund: „Hier kann ich einfach herkommen und meine Hausaufgaben an den Computern machen. Ich weiß nicht, wo wir das sonst machen können. In die Finke passt das nicht“, findet der 18-Jährige.

Laura-Sophie Knullin stimmt zu. Ihr sozialer Hintergrund ist ein gänzlich anderer, verbunden mit der Einrichtung und mit den anderen Gästen fühlt sie sich trotzdem: „Was sollen wir denn dann machen, wenn das Jugendzentrum zu macht? Für uns ist das hier wie ein Zuhause. Wir haben hier so viel gemeinsam gemacht: Projekte, Besuche, das ist dann alles weg, und da sind nur noch Erinnerungen“, empört sie sich.

Stadtjugendring fordert ebenfalls offenen Treff

Auch der Stadtjugendring, offizielle Interessenvertretung der Jugend in Lüneburg, ist mit dem Konzept der Stadtverwaltung nicht ganz glücklich. Zwar begrüßt er ausdrücklich, dass es künftig mehrere Treffpunkte geben soll, gleichzeitig aber sieht er noch einen „dringenden Bedarf, einen geeigneten neuen Ort für das Jugendzentrum Stadtmitte zu finden“, denn das leiste seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Integration. Diese Arbeit, heißt es in einer Pressemitteilung, dürfe „nicht in ein Modell des dezentralisierten Hauses der Jugend hinein gequetscht werden“. Deshalb könne beim Konzept das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Zudem sieht Georg Gunkel-Schwaderer, Beisitzer im Vorstand, dass es „zwingend notwendig ist, Kindern und Jugendlichen bei der weiteren Planung des Konzeptes eine federführende Rolle einzuräumen“.

Von Kevin R. Thomas

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