Dienstag , 6. Dezember 2022
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Gisela und Günter Thiemicke
60 Jahre gemeinsames Eheleben für Gisela und Günter Thiemicke aus Adendorf. (Foto: ilg)

Später kirchlicher Segen

Adendorf. Wie so viele andere musste auch Gisela Thiemicke zum Ende des 2. Weltkrieges aus ihrem Geburtsort Stettin in Pommern, heute Polen, fliehen. So landete sie mit Eltern und Großeltern in Reinstorf im Landkreis Lüneburg. Als gelernte Fleischereifachverkäuferin arbeitete sie später in der Hansestadt bei einer Fleischerei. Sie erinnert sich heute noch genau: Es war am 20. September 1959, als sie zu einer Geburtstagsfeier eingeladen war. „Da stand er plötzlich vor mir, und wir waren auf einmal ganz allein“, sagt sie und lächelt. Jetzt können sie am Sonntag, 28. März, auf 60 Jahre gemeinsamen Ehelebens zurückblicken, den Tag ihrer diamantenen Hochzeit.

Nach dem ersten Kennenlernen kam man sich schnell näher, schon nach einem halben Jahr, am 13. März 1960, fand die offizielle Verlobung statt. Ein Jahr später wurde standesamtlich geheiratet. Da war der älteste Sohn Michael schon unterwegs. Die kirchliche Hochzeit sollte in absehbarer Zeit folgen. Doch es kam anders.

Zunächst konnte das junge Ehepaar bei den Eltern des Bräutigams in Lüneburg unterkommen, fand aber bald eine eigene Wohnung. Günter Thiemicke arbeitete damals in verschiedenen Branchen, um so für die junge Familie aufzukommen, unter anderem war er in den 60er-Jahren auch Beleuchter am Lüneburger Theater.

Nach dem ältesten Sohn Michael kamen Thomas, dann als einzige Tochter Andrea und als Jüngster Stephan zur Welt. Irgendwie hat es Gisela Thiemicke trotz der immer größer werdenden Familie geschafft, nicht nur halbtags als Fleischereifachverkäuferin zu arbeiten, sondern auch in der Gaststätte des Schwiegervaters in Lüneburg auszuhelfen, die sich neben einem Kino befand. Beides existiert heute nicht mehr.

Es wurde tüchtig gefeiert

Bei einem Besuch in der Gaststätte, in der sich häufiger auch die Busfahrer der Stadt trafen, gaben diese Günter Thiemicke den Tipp, sich doch als Fahrer zu bewerben. Gesagt, getan – so wurde er Busfahrer für die nächsten 30 Jahre. Die letzten 20 Jahre ihres Berufslebens arbeitete Ehefrau Gisela allerdings nicht mehr an der Fleischtheke, sondern als Kassiererin in der Sandpassage bei Tschorn.

Etwas fehlte noch zum Eheglück der Thiemickes, denn eigentlich sollte auf die standesamtliche die kirchliche Trauung damals zeitnah folgen. Doch die Jahre gingen dahin, irgendwie kam immer wieder etwas dazwischen. Aber mit der goldenen Hochzeit vor zehn Jahren war die Gelegenheit gekommen. Nun bekamen Gisela und Günter Thiemicke auch endlich den kirchlichen Segen – und es wurde tüchtig gefeiert.

Während ihrer langen Ehe lebten die Thiemickes 23 Jahre in einem Reihenhaus in Bardowick, danach – ebenfalls 23 Jahre – in einem Bungalow in Vögelsen. Vor drei Jahren bezogen die Eheleute eine geräumige Wohnung im Hochparterre in Adendorf mit schönem Ausblick auf eine weite, grüne Landschaft. Lange konnten sie sich nicht an ihrem neuen Heim unbesorgt erfreuen, denn Günter Thiemicke erkrankte schwer und musste operiert werden. An den Nachwirkungen leidet er heute noch. Dennoch scheint er seine Lebenslust und den Humor nicht verloren zu haben. So hofft Ehefrau Gisela: „Vielleicht sind uns hier auch noch 23 Jahre vergönnt.“

Von Irene Lange

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