Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Die Vorstandsmitglieder des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (v.l.) Hubertus Meyer (Lüneburg), Thorsten Riggert (Uelzen) und Adolf Tebel (re., Lüchow-Dannenberg) nahmen Heide-Kartoffelkönigin Nadine Gaafke und Niedersachsens Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke in Ihre Mitte. Foto: mr

Landwirte suchen neue Formen des Dialogs

Berlin. Bauernproteste auch abseits etablierter Verbandsstrukturen, Auseinandersetzungen um Düngemittelverordnung, Lebensmittelpreise und Tierwohlauflagen – in der Landwirtschaft ist viel in Bewegung. „Umso wichtiger ist für uns der Austausch und der Schulterschluss im ländlichen Raum“, betonte Thorsten Riggert, Vorsitzender des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, am Dienstagabend beim inzwischen traditionellen Netzwerkabend für die Region auf der Grünen Woche.

Mehr als 200 Vertreter aus dem Berufsstand sowie seiner Partner aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung waren in diesem Jahr in die Niedersachsen-Lounge gekommen - so viele wie noch nie. Riggert und seine Mitstreiter hätten an dem Abend gerne den Dialog mit Vertretern des Lebensmittel-Handels geführt. „Doch Aldi, Rewe und Co. trauen sich da offensichtlich nicht nach draußen“, bedauerte der Gastgeber.

Junge Menschen setzen sich ein

Dafür konnten die nordostniedersächsischen Landwirte ihren Landvolk-Präsidenten Albert Schulte to Brinke für das obligatorische Impulsreferat zum Start in den Abend gewinnen. Schulte to Brinke lobte gleich zum Auftakt die „ungewöhnliche Bewegung auf den Straßen“. Diesen Schwung der vergangenen Monate gelte es nunmehr weiter in die Politik und die Verbände zu tragen: „Junge Menschen setzen sich ein. Das brauchen wir.“

Der Präsident des Landesbauernverbandes hob hervor, dass Wertschätzung für die Branche ein wichtiges Thema sei. Landwirtschaft sei ein innovativer Betriebszweig, daher verweigere man sich Neuerungen keineswegs. Schulte to Brinke mahnte jedoch, dass es durch einseitige Auflagen nicht zu einer Wettbewerbsverzerrung kommen dürfe. Bei der Tierhaltung etwa würde so getan, „als sei hier 50 Jahre nichts passiert“, kritisierte er und unterstrich, dass es „nie eine bessere Tierhaltung als heute gab“, die international keinen Vergleich scheuen müsse.

Tage des offenen Hofes

Der Landvolk-Präsident appellierte an seine Kollegen, stärker in die Offensive zu gehen und den Dialog zu suchen. „Wir müssen Landwirtschaft zeigen, wie sie ist.“ Aktionen wie die „Tage des offenen Hofes“ sollte der Berufsstand noch intensiver und regelmäßiger nutzen. „Macht daraus keine Kirmes, sondern es lieber eine Nummer kleiner“, riet er. „Wir sollten zeigen, was und wie wir es machen.“

Riggert entließ die Gäste danach kämpferisch in den Netzwerkabend: „Ich hatte den Eindruck, wir lagen jahrelang im Staub. Jetzt kämpfen wir um unseren tollen Beruf. Und dabei muss man einmal mehr aufstehen als hinfallen.“

Von Marc Rath