Montag , 5. Dezember 2022
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Verkehrsunfallbilanz
Neue Verkehrsunfallbilanz: Heute ist der Konsum von Rauschgift der häufigste Grund dafür, dass Autofahrer ihren Führerschein los sind. (Foto: AdobeStock)

Rauschgift löst den Alkohol ab

Alkohol war gestern, heute ist der Konsum von Rauschgift der häufigste Grund dafür, dass Autofahrer ihren Führerschein los sind. Im Jahr 2020 erwischte die Polizei rund 69 Prozent mehr Kraftfahrer unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln und vereinzelt auch Medikamenten als im Vorjahr.

Lüneburg. Zwar gab es auch bei den ertappten alkoholisierten Verkehrsteilnehmern eine Zunahme von 5,8 Prozent, doch der massive Anstieg beim Griff zu Marihuana oder Haschisch, aber auch zu synthetischen Drogen, stellt nach Jahrzehnten einen Umbruch dar. Denn erstmals gibt es in absoluten Zahlen mehr Kraftfahrer unter Rauschgift- als unter Alkoholeinfluss. Unter Drogen wurden 369 Kraftfahrer erwischt (Vorjahr: 219), betrunken waren 365 (20 mehr als in 2020).

"Mich überrascht das nicht", sagt Hauptkommissar Andreas Dobslaw, der am Mittwoch die Verkehrsunfallbilanz der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen für das Jahr 2020 erläuterte. Gerade jüngere Menschen würden verstärkt zu Drogen statt zu Alkohol greifen.

Polizei schult intensiver, um Drogenkonsumenten zu erkennen

Angesichts dieser gesellschaftlichen Entwicklung gebe es in Sachen Rauschgift im Straßenverkehr ein großes Dunkelfeld, "und das hellen wir jetzt auf". Dazu werden Polizisten seit einigen Jahren immer intensiver geschult, um Drogenkonsumenten zu erkennen.

Als Resultat würden die Fallzahlen steigen. Die teils drastischen Konsequenzen würden sich die Betroffenen oftmals gar nicht vor Augen führen: "Das ist eine Straftat, dazu ist der Führerschein weg." Und für die Justiz seien Drogen am Steuer kein Kavaliersdelikt.

Smartphones als Grund für Unfälle

Neben der gezielten Ausbildung der Beamten wurde auch wie angekündigt der Kontrolldruck im vergangenen Jahr verstärkt. Dabei wurde auch gezielt auf abgelenkte Verkehrsteilnehmer geachtet. Zwei Gründe, die die Unfallgefahr hier massiv verstärken: Wenn sich Autofahrer mit ihrem Smartphone oder dem Touchscreen ihres Fahrzeuges beschäftigen. "Wenn man sich da vertippt hat sich und korrigieren muss, ist man viele Meter quasi im Blindflug unterwegs", schildert Dobslaw.

Auch Schminken als Unfallgefahr erkannt

Der Verkehrsgerichtstag in Goslar habe schon vor zwei Jahren gefordert, mit einer bundesweiten Studie endlich eine entsprechende Datenerhebung über die Haupt-Ablenkungsursachen in Auftag zu geben, damit die präventive Arbeit auf die Ergebnisse ausgerichtet werden kann, so der Verkehrsexperte der Lüneburger Polizei. Passiert sei aber bislang noch nicht viel.

Andere Länder seien da weiter, mit teils überraschenden Ergebnissen: So seien überdurchschnittlich viele Autofahrerinnen abgelenkt gewesen, weil sie sich während der Fahrt schminkten.

Von Thomas Mitzlaff

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