Montag , 5. Dezember 2022
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Gedenkstätte Bergen-Belsen
Am 15. April, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen, eröffnet das Museum Lüneburg um 18 Uhr digital die Sonderausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“, die dann vor Ort bis 15. August zu sehen ist. (Foto: Gedenkstätte Bergen-Belsen/Werner Musterer)

Sonderausstellung “Kinder im KZ Bergen-Belsen”

Am 15. April, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen, eröffnet das Museum Lüneburg digital die Sonderausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“, die dann vor Ort bis 15. August zu sehen ist.

Lüneburg. Im KZ Bergen-Belsen befanden sich unter den rund 120.000 inhaftierten Menschen aus fast allen europäischen Ländern auch etwa 3500 Kinder unter 15 Jahren. Der jüngste Häftling, der im April 1945 von britischen Truppen befreit wurde, war nur einen Tag alt.

Die Sonderausstellung „Kinder im KZ Bergen-Belsen“ erzählt die Geschichte dieser Kinder. Anhand von Einzelschicksalen werden die spezifischen Lebensbedingungen und Verhaltensformen von Kindern in diesem Lager dargestellt. Die Themen reichen dabei von Familie und Spielen über Appell und Gewalt bis hin zu Angst, Hunger, Krankheit und Sterben. Auch wenig bekannte Aspekte wie die Geburten im Konzentrationslager werden vorgestellt. Die Hilfsmaßnahmen, die nach der Befreiung für überlebende Kinder ergriffen wurden sowie Biografien von Kinderüberlebenden bilden weitere Kapitel. Ein Ausstellungsteil ist den etwa 600 Kindern gewidmet, die im KZ Bergen-Belsen um ihr Leben gebracht wurden.

Die Ausstellung ist multiperspektivisch angelegt und basiert auf einem breiten Spektrum von Bild- und Textquellen, das von Häftlingstagebüchern, Zeichnungen und Fotos bis zu Erinnerungsberichten und wenige Tage nach der Befreiung entstandenen Ton- und Filmaufnahmen reicht. Einen wesentlichen Bestandteil der Ausstellung bilden bislang unveröffentlichte Ausschnitte aus Videointerviews mit Kinderüberlebenden des KZ Bergen-Belsen, die einen Einblick in die spezifischen Formen ihrer Wahrnehmung und Reaktion auf die Lebensbedingungen im Konzentrationslager geben.

Die Teilnahme ist kostenfrei

Museumsleiterin Prof. Dr. Heike Düselder ist es ein besonderes Anliegen, die Ausstellung in Lüneburg zu zeigen: „Ich bin erleichtert, dass wir die Ausstellung, die aufgrund von Corona um ein Jahr verschoben werden musste, nun endlich eröffnen können. Denn es liegt mir persönlich sehr am Herzen, diese berührende Ausstellung, die die Geschichte der jüngsten Opfer der NS-Verbrechen dokumentiert, für unsere Museumsgäste zugänglich zu machen.“

Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Begleitprogramm, pädagogische Materialien für den schulischen Unterricht und ein Begleitheft in deutscher und englischer Sprache.

Die Ausstellung wird am Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen, dem 15. April, um 18 Uhr digital eröffnet. Die Teilnahme ist kostenfrei, Interessierte können sich über die Website des Museums anmelden. Der Eintritt für den Ausstellungsbesuch ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren frei, für Erwachsene beträgt er 3 Euro.

Weitere Informationen zur Ausstellung sind unter www.kinder-in-bergen-belsen.de abrufbar, Informationen zum Museum sowie eine Ticketreservierung für den Ausstellungsbesuch gibt es unter www.museumlueneburg.de oder telefonisch (0 41 31 720 65 80). lz

Begleitprogramm

Donnerstag, 15. April 2021 um 18.00 Uhr

Ausstellungseröffnung mit einem Zeitzeugengespräch mit Celino Bleiweiss (digital)

Grußworte
Prof. Dr. Heike Düselder (Museum Lüneburg)
Ulrich Mädge (Hansestadt Lüneburg)

Thematische Einführung
Diana Gring (Stiftung niedersächsische Gedenkstätten)

Zeitzeugengespräch
Diana Gring im Gespräch mit dem Child Survivor Celino Bleiweiss

Celino Bleiweiss, geboren 1937 in einer jüdischen Familie in Polen, wurde nach der Ermordung seiner Eltern mit einer falschen Identität in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Heute pendelt er zwischen Deutschland und Israel. Ein Gespräch über das Leben und Überleben, über Kinderjahre im Lager und den Begriff der Heimat...

Epilog
Prof. Dr. Achatz von Müller (Leuphana Universität Lüneburg)

Sonntag, 16. Mai 2021 um 18.30 Uhr
Kuratorengespräch mit Diana Gring (digital)
Die Historikerin Diana Gring stellt die historischen Hintergründe, die Konzeption und die Inhalte der Ausstellung vor. Sie gibt Einblicke in die Forschungs- und Entwicklungsgeschichte des Projektes und erläutert einzelne Themen, Biografen und Exponate.

Donnerstag, 17. Juni 2021 um 18.30 Uhr
„Jüdische Kindheit in Lüneburg“, Vortrag von Nicola Schlichting (digital)
Die britische Jewish Relief Unit richtete 1945 in Lüneburg ein Kinderheim für jüdische Kinder ein, die aus Konzentrationslagern befreit worden waren. Die Historikerin Nicola Schlichting (Gedenkstätte Bergen-Belsen) stellt dieses Heim vor und thematisiert den Umgang mit den Überlebenden durch die Hilfsorganisationen in der Nachkriegszeit.

Donnerstag, 15. Juli um 18.30 Uhr
„Wenn Menschen Völkermord überleben – Über die Narben der Gewalt und das Weiterleben mit dem Trauma“, Vortrag von Diana Gring (digital oder analog)
Einblicke in die Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden und anderen Opfern völkermörderischer Gewalt zeigen, wie zeitlos traumatische Erinnerung sein kann, wie sie in jedem Lebensabschnitt neue Herausforderungen mit sich bringt, aber auch, welche Bewältigungsstrategien und bewundernswerten Ressourcen Überlebende entwickeln.
Hinweis: Die Veranstaltung wird, abhängig von den zum Veranstaltungszeitpunkt geltenden Verordnungen, vor Ort oder digital stattfinden.

Sonntag, 15. August 2021 um 16.00 Uhr
„Mein blauer Vogel fliegt“, Finissage mit Filmvorführung (analog) und Gespräch Celino Bleiweiss (digital oder analog)
Eine Gruppe polnischer Jungen wird in ein Konzentrationslager eingeliefert und einem deutschen politischen Häftling unterstellt. Ein Kampf um das Überleben beginnt ... Der Spielfilm (DDR, 1975, 78min) beruht auf einer wahren Geschichte aus dem KZ Buchenwald. Regie führte Celino Bleiweiss, der als Kind das KZ Bergen-Belsen überlebte.
Hinweis: Die Veranstaltung wird, abhängig von den zum Veranstaltungszeitpunkt geltenden Verordnungen, vor Ort oder digital stattfinden

 

Seit vielen Jahren stellt die Geschichte der Kinder im KZ Bergen-Belsen einer der Forschungs- und Sammlungsschwerpunkte der Gedenkstätte Bergen-Belsen dar. Auf dieser Basis ist es nun möglich, die Situation, die Wahrnehmungen und Verhaltensweisen dieser Kinderhäftlinge detailliert darzustellen sowie ausgewählte Biografien über ihr Leben nach der KZ-Haft bis heute zu präsentieren. Eine zentrale Bedeutung kommt dabei den mehr als 120 lebensgeschichtlichen Interviews zu, die seit 1999 seitens der Gedenkstätte Bergen-Belsen mit Kinderüberlebenden des KZ Bergen-Belsen geführt worden sind. Zusätzlich konnten durch Recherchen in anderen Sammlungen und Archiven weitere wichtige Erkenntnisse und eindrucksvolle Bild- und Textzeugnisse gewonnen werden. [/box]