Dienstag , 6. Dezember 2022
Anzeige
Lüne Bräu
Ein großer Augenblick: Das Bier nach eigener Rezeptur von Finn Schneider wird gebraut. Zunächst 2000 Liter sollen in Lüneburg und Umgebung angeboten werden (Foto: tm)

Ein Bier im Zeichen des Stints

Es begann mit einem klassischen Einkoch-Gefäß, wie es auch Oma in der Küche hat. Das stellt sich Finn Schneider in den elterlichen Garten und versucht einfach mal, ein Weizenbier zu brauen. "Das habe ich drei Wochen gären lassen und war dann überrascht, wie gut das schmeckt", schildert der 24-Jährige. Er wird zum leidenschaftlichen Hobby-Brauer, experimentiert vier Jahre herum. Und ab dem heutigen Sonnabend stehen seine ersten Flaschen des "Lüne Bräu" in den Regalen verschiedener Verbrauchermärkte.

Lüneburg. Hauptberuflich ist für den jungen Mann, der im Lüneburger Stadtteil Häcklingen wohnt, Präzisionsarbeit angesagt: Er arbeitet als Fluggerätemechaniker. "Aber in meiner Freizeit wollte ich schon immer etwas ausprobieren", schildert er. So griff er schon mal einige Zeit zum Schmiedeeisen, bis dann bei einem Kneipenbesuch mit einem Freund die Idee entstand: Warum kann man nicht ein Flaschenbier für Lüneburg brauen? Zunächst mischt Finn Schneider in der sehr aktiven Lüneburger Hobbybrauer-Szene mit, kreiert ein Champagner-Weizen-Doppelbock, gegoren mit Champagnerhefe. Dieses besondere Gebräu präsentiert er im Jahr 2019 bei der Deutschen Meisterschaft der Hobbybrauer in Stralsund und kommt bei 150 Teilnehmern unter die ersten 15.

Mit 5,6 Prozent ordentlich Wumms

Von da an steht für den Häcklinger fest: Er will ein Bier für Lüneburg entwickeln. Bald rankt der eigene Hopfen vom Balkon, die Ausstattung wird immer weiter ergänzt. Bei der Suche nach einem Rezept stößt Finn Schneider auf einen historischen Bierstil aus dem 16. Jahrhundert. "Dieses obergärige Bier wurde schon zur Zeit der Hanse weltweit verschifft und war damals das meistgetrunkene Bier", schildert er. Dem Grundrezept gibt er seinen eigenen Schliff, "das Ergebnis ist ein süffiges, vollmundiges Gebräu mit zarter Hopfenaromatik", schwärmt der 24-Jährige von seiner Kreation, die mit einem Alkoholgehalt von 5,6 Prozent einen ordentlichen Wumms hat.

Vor wenigen Wochen dann der große Augenblick: Finn Schneider kann an einem Tag im März für ein paar Stunden die Anlage der Bio-Brauerei Wildwuchs Brauwerk in Hamburg mieten, um die ersten 2000 Liter seiner Rezeptur herzustellen. Abgefüllt wird der Gerstensaft in genau 5850 Flaschen.

Der Rest ist Handarbeit: Ein Etikett entwickeln – Finn Schneider entscheidet sich für ein maritimes Design. Darauf zu sehen der Lüneburger Fisch, ein Stint. Und der Name des Bieres, Lüne Bräu. "Handcrafted since 2017" ist darauf zu lesen. Flasche für Flasche beklebt der 24-Jährige mit einem befreundeten Paar, anschließend muss noch das Haltbarkeitsdatum aufgedruckt werden.

Ein dunkles Bier für den Winter

Dann heißt es Klinken putzen. Supermärkte und Unverpackt-Läden sucht der Häcklinger auf, leistet Überzeugungsarbeit, hinterlegt seine Visitenkarte. "Say yes to locally brewed beer" steht auf seinen Flyern, immerhin müssen über 5000 Flaschen auf einem hart umkämpften Markt an den Kunden gebracht werden. Finn setzt auf den Lokalpatriotismus der Lüneburger und hofft, dass die Flaschen vielleicht auch im Sommer Touristen als Mitbringsel gefallen werden.

Und tatsächlich zeigen die ersten Geschäfte Interesse, am heutigen Sonnabend liefert der junge Bierbrauer seine ersten dunkelbraunen Flaschen aus. Der Anfang ist hart, der Zeitaufwand enorm, "aber das ist nun mal meine große Leidenschaft", sagt Finn Schneider.

Und es soll nicht bei dieser ersten Sorte bleiben. "Ich will weitere Stile kreieren, zum Beispiel ein dunkles Bier zum Winter", schmiedet der Fluggerätemechaniker weitere Pläne. Und er hat auch einen Traum: Irgendwann eine eigene kleine Brauerei zu besitzen. Für sein Lüne Bräu.

Von Thomas Mitzlaff

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.