Freitag , 2. Dezember 2022
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Sie haben beim Zukunftstag ihre Jobs bei der Firma Jungheinrich erklärt: Katharina Borodin, Industriekauffrau und Nils Detje, Mechatroniker, beide im 2. Ausbildungsjahr. (Foto: Jungheinrich)

Azubis schmeißen digitalen Zukunftstag

Wegen Corona lief der Zukunftstag 2021 komplett über Videochat ab – doch die Azubis der teilnehmenden Betriebe haben sich einiges überlegt, damit es den zuschauenden Schülerinnen und Schülern nicht langweilig wird. Wir haben bei vier Unternehmen reingeluschert.

Lüneburg. In einen Beruf reinschnuppern, ohne den Geruch der Werkstatt in die Nase zu bekommen? Jemandem über die Schulter gucken, ohne vor Ort zu sein? Davon haben sich viele Betriebe im Landkreis nicht entmutigen lassen – und am Donnerstag den jährlichen Zukunftstag diesmal digital auf die Beine gestellt. Vor allem die Azubis haben dabei die Präsentation ihrer Arbeit in die Hand genommen.

Mit dabei war auch die Firma Marwitz, die Berufskleidung vermietet und wäscht. 8.45 Uhr folgen drei Dutzend Schülerinnen und Schüler virtuell Marius Klein, der gerade an sechs riesigen Industriewaschmaschinen vorbei geht. Marius Klein ist bei Marwitz Azubi im ersten Lehrjahr für den Beruf Textilreiniger. "Hier könnt ihr einmal sehen, in welchen Dimensionen wir so waschen", sagt er in die Kamera. Wer ihm da alles zusieht, kann er nicht sehen.

Schüler können sehen, aber nicht gesehen werden

Aus Datenschutzgründen haben alle Schüler ihre Kamera und das Mirko an ihren Geräten ausgestellt. Doch sie haben über die Chat-Funktion die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder ihre Antworten auf gestellte Fragen reinzuschreiben. Marius Klein ist mittlerweile durch das große Wäschelager gegangen – im Livestream waren blaue Arbeitshosen, weiße Hemden und orangefarbene Westen zu erkennen. Zu Beginn der Tour gab es einen kurzen Film darüber, was das Unternehmen eigentlich macht.

Denn es wird dort nicht nur gewaschen, sondern die Berufskleidung auch in einer hauseigenen Näherei bei Bedarf ausgebessert und natürlich zu den Kunden ausgefahren – zum Beispiel Kochschürzen für die Mitarbeiter in Restaurants. Vor auffälligen blauen Tonnen macht der Auszubildende Halt. Er erklärt, dass dort unterschiedliche Waschmittel drin sind – wieder in ganz anderen Mengen als zu Hause. Und auch mit anderen Aufgaben: Smart Enzym etwa ist ein Blutlöser und kommt bei Klamotten von Schlachter zum Einsatz.

4500 Schülerinnen und Schüler sind beim Zukunftstag über die IHK dabei

Marwitz ist eines von 60 Unternehmen, die beim Zukunftstag über die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg teilgenommen und Schülern einen Eindruck von den Ausbildungsberufen gegeben haben. In jeweils dreiviertelstündigen Zeitslots konnte über den Tag verteilt in bis zu fünf Unternehmen hineingeschnuppert werden.

Laut IHK-Sprecherin Nele Uhl hatten rund 4500 Schülerinnen und Schüler das Angebot genutzt. "Wir sind alle ganz froh, wie positiv der Tag gelaufen ist." Was aus der Not der Pandemie geboren war, habe am Ende vielen die Möglichkeit gegeben, mehrere Firmen kennenzulernen. Analog wäre das schwierig gewesen, allein schon wegen der Anfahrt.

Live-Quiz über Teesorten bei der Firma OTG

Dank der Azubis waren viele Präsentationen so interaktiv wie möglich gestaltet. "Was für Teesorten kennt ihr denn so?", fragen zum Beispiel die moderierenden Auszubildenden bei der Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG). An den Bildschirmen wird fleißig abgestimmt. Eine Schülerin möchte wissen, ob es im Büro immer gut riecht. Die Zuschauer erfahren, in dem Bereich der Firma, in dem der Tee verköstigt wird, riecht es tatsächlich gut nach Tee.

Bei den digitalen Touren werden meist auch die angebotenen Ausbildungsberufe vorgestellt. Manche Azubis erzählen von der Stimmung unter den Kollegen, und was ihre Aufgaben im ersten Lehrjahr sind. Die Mechatronik-Azubis können dabei noch mit ihren Projekten punkten. Bei der Firma Röders Tec zeigen die Lehrlinge das Modell eines Pizzaofens, der Metall erkennt und so zum Beispiel ein vergessenes Messer sofort rausschmeißen kann.

Bei Jungheinrich fliegen die Metallspäne

Besonders eindrücklich wird es bei Jungheinrich. Hier sehen knapp 180 Schüler nicht nur das Azubi-Projekt "Flipperautomat", sondern auch dabei zu, wie besondere Gabelstapler produziert werden. Auch die Bohr- und Fräsmaschinen werden angeworfen und beim Sprühen der Metallspäne könnte man glatt vergessen, nicht tatsächlich vor Ort zu sein. Das Fazit der Azubis Katharina Borodin (Industriekauffrau) und Nils Detje (Mechatroniker): "Wir haben uns sehr gefreut, auf digitalem Wege viele junge Menschen erreicht haben zu können. Es hat uns viel Spaß gemacht, und wir hoffen, dass wir Interesse an Jungheinrich wecken konnten“.

Auch wenn die Azubis viele Fragen geklärt haben, etwa "Welchen Abschluss brauche ich für die Ausbildung?" oder "Wie sieht der Arbeitsalltag aus?" ist ein Thema kaum angesprochen worden: Wie viel Knete gibt es am Ende? Vielleicht ein Thema fürs Bewerbungsgespräch.

Von Laura Treffenfeld

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