Montag , 5. Dezember 2022
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Isabel Varell Portait
Isabell Varell erinnert sich gern an ihre Lüneburg-Zeit. Mit ihrer damaligen Schauspielerkollegin Roswitha Schreiner hat sie bis heute Kontakt. (Foto: Max Heydenreich)

Rote Rosen: Isabel Varell in Lüneburg verliebt

Isabel Varell zählte zu den prominentesten Schauspielerinnen, die für die ARD in der Serie Rote Rosen vor der Kamera standen. Sie spielte die Hauptrolle in der 5. Staffel. Dabei erhielt sie von ihrer Kollegin Brigitte Antonius gleich zu Beginn ihrer Zeit in Lüneburg einen recht unverhohlenen Tipp

Lüneburg. Es war wohl eine der dramatischsten Szenen bei den Roten Rosen: In Staffel 5 erleidet Weinhändler Peter Weller (Simon Licht) einen tödlichen Herzinfarkt – vor den Augen seiner Frau Andrea. Die wiederum hat gerade erst erfahren hat, dass ihr Mann jahrelang ein Doppelleben führte. Für war die Rolle der Andrea Weller 2009 ein großer Glücksfall. Die heute 59-Jährige war ursprünglich eher im Gesangs- und Comedyfach zu Hause. An ihre Zeit bei den Rosen denkt sie gerne zurück. Die Rheinländerin, die heute in Köln lebt, ist bekennender Salzstadt-Fan: „Ich bin total verliebt in Lüneburg!“

Natürlich lässt der neue Mann für Andrea Weller nicht lange auf sich warten: Martin Ahrens (Stephan Baumecker), Anwalt und ein alter Schulfreund von Thomas Jansen (Gerry Hungbauer), steht ihr beruflich wie privat zur Seite. Bis zur romantischen Hochzeit der beiden in einer alten Wassermühle sind jedoch, wie bei den Rosen üblich, einige Hürden zu überwinden.

Tragisches Ende der Beziehung mit Drafi Deutscher

Auch musste in ihrem Leben zahlreiche Hürden nehmen. Die frühe Trennung ihrer Eltern und die strenge Erziehung durch die Mutter haben sie geprägt. Ebenso ihre Beziehung mit Drafi Deutscher, die magisch begann und tragisch endete – alles andere als ein Spaziergang. Umso erstaunlicher, wie fröhlich und entspannt die Darstellerin heute wirkt. „Ich glaube, das ist eine Entscheidung, die man in sich fällen muss, dass man die Dinge positiv sieht.“ Sich mit der Vergangenheit zu versöhnen, spiele dabei eine große Rolle, glaubt die Sängerin und Schauspielerin.

Einige Hochs und Tiefs der vergangenen Jahrzehnte hat sie in ihrem Buch festgehalten, das 2016 erschien. „Mittlere Reife“ heißt die Autobiographie, in der sie der Telenovela ein ganzes Kapitel gewidmet hat: „Rote Rosen – mein aufregendes Jahr in Lüneburg“. Nicht nur für eingefleischte Rosen-Fans gibt es hier interessante Einblicke in die Arbeit vor der Kamera. Von den Aufregungen beim Casting und der überraschenden Zusage, über Fernsehküsse und freizügige Szenen in der Badewanne bis hin zu eben jenem Herzinfarkttod des Serien-Ehemanns. Da sind heitere Momente dabei, aber auch ernste und sehr private. Bei der Todesszene habe sie sich völlig verausgabt und den Tod ihrer Mutter noch einmal durchlebt. „Mir hat vier Tage lang der Körper wehgetan“, erzählt sie heute.

Ihre Tränen waren echt

Auch im weiteren Verlauf der Staffel holte ihre Vergangenheit sie wieder ein. Als Brigitte Janner, die sie als äußerst warmherzige Kollegin empfand, ihr in der Rolle ihrer Serienmutter mit unglaublicher Härte und Eiseskälte begegnete, seien ihre Tränen echt gewesen, erinnert sie sich.

Von der Arbeit am Set hat nur Gutes zu berichten, auch wenn sie keinen Hehl daraus macht, dass es eine sehr anstrengende Zeit war. Die Kollegen, teils hochkarätige Bühnen- und Filmschauspieler, seien ihr stets auf Augenhöhe begegnet. Guten Kontakt hat sie nach wie vor zu Roswitha Schreiner, die damals ihre beste Freundin Maike spielte. Und auf die große alte Dame Brigitte Antonius lässt sie bis heute nichts kommen, auch wenn diese ihr zu Beginn der Dreharbeiten als Erstes gesagt habe, sie solle vier Kilo abnehmen.

Als 2009 der Ruf nach Lüneburg kam, war die Liebe zwischen und Pit Weyrich noch ganz frisch. Der Regisseur sah das pragmatisch und zog mit ihr in die kleine möblierte Dachgeschosswohnung an der Bäckerstraße. Das Arbeitspensum für die Hauptfiguren habe so manche Beziehung auf die Probe gestellt, erinnert sich die Schauspielerin. Doch die beiden haben das offenbar gut hingekriegt: 2015 gab sich das Paar das Jawort.

Seit drei Jahren moderiert sie „Live nach neun“

Was sie bei den Rosen gelernt habe, das könne man auf keiner Schauspielschule der Welt lernen, sagt die 59-Jährige heute. „Wenn Du ein Jahr diese Story gespielt hast, die in fünf Kinofilme passt, dann erschreckt Dich nichts mehr.“ Isabel Varell ist weiterhin als Sängerin und Schauspielerin erfolgreich. In der ARD-Serie „In aller Freundschaft“ hatte sie zuletzt von 2018 bis 2020 eine durchgehende Fernsehrolle. Als quirlige Linda Schneider führte sie die Krankhaus-Cafeteria mit viel Herz und Humor.

Seit Mai 2018 moderiert das Multitalent „Live nach neun“. Das Servicemagazin wird in Köln produziert und werktags um 9.05 Uhr im Ersten gesendet. Live und mit gestandenen Journalismus-Profis zu arbeiten, war wieder eine völlig neue Erfahrung für sie. Mittlerweile genießt sie es, wenn die rote Lampe angeht – so sehr, dass sie ihre Serienrolle bei „In aller Freundschaft“ dafür opferte. Dafür hat sie ihren Arbeitsplatz nun quasi vor der Haustüre. Doch Lüneburg bleibt ihre Lieblingsstadt. Ihr fester Vorsatz: „Wenn das Reisen irgendwann wieder problemlos möglich ist, dann werde ich einfach mal ein Wochenende dort verbringen.“

Von Ruth Heume

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