Montag , 5. Dezember 2022
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Gesa Schütte
Außenstellen-Leiterin Gesa Schütte kennt die Region gut, arbeitete von 2008 bis zum vergangenen Jahr bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. (Foto; t&w)

A-39-Bau in den Händen von Gesa Schütte

Gesa Schütte hat sich viel vorgenommen: „Ich möchte die A39 zu Ende planen und bauen“, sagt die studierte Bauingenieurin. Sie leitet die Außenstelle Lüneburg der neu gegründeten Autobahn GmbH des Bundes, die zum 1. Januar an den Start gegangen ist. Ihren Sitz hat die Außenstelle am Wilschenbrucher Weg.

Lüneburg. Zum 1. Januar ist die Außenstelle Lüneburg der neu gegründeten Autobahn GmbH des Bundes an den Start gegangen. Die derzeit 16 Mitarbeiter haben unter anderem die Planung der umstrittenen Autobahn 39 Lüneburg-Wolfsburg von der bisher zuständigen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr übernommen. Bis zum Jahresende soll die Außenstelle auf 25 Frauen und Männer anwachsen.

An deren Spitze steht mit Gesa Schütte eine Frau, die in Lüneburg bestens bekannt und vernetzt ist. Seit 2008 war die verheiratete Mutter von zwei Kindern für die Landesbehörde im Einsatz, zuletzt als Leiterin des Fachbereiches Bauen. Und die studierte Bauingenieurin hat sich viel vorgenommen. „Ich möchte die A39 zu Ende planen und bauen. Dabei ist es mein Ziel, mögliche Klagen von Privatleuten möglichst gegen Null zu drücken.“

Planer wollen Gespräch mit den Betroffenen suchen

Dass Umweltverbände wie BUND und Nabu gegen das Milliarden-Projekt klagen werden, „ist bei solchen Vorhaben ganz normal“, sagt die 47-Jährige. Daran werde auch sie nichts ändern können. Das Gespräch suchen will Schütte deshalb vor allem mit betroffenen Bürgern entlang der Strecke, ihre Sorgen und Ängste ernst nehmen, mögliche Belastungen so weit wie möglich minimieren. Erste Treffen hat es bereits gegeben – unter anderem in Moorfeld. „Ich bin überzeugt, dass wir zum Beispiel für die große Mehrheit der Anwohner an der Ostumgehung am Ende einen besseren Lärmschutz haben werden als jetzt“, sagt Schütte.

Und auch bei dem rund 400 Meter langen Lärmschutzdeckel im Bereich des Stadtteils Moorfeld sucht die Autobahn-Planerin den Dialog mit den Bürgern, will gemeinsam mit ihnen den Deckel gestalten. „Wir hoffen damit im Sommer starten zu können, doch das hängt auch von der weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie ab“, sagt Schütte.

Bis Ende des Jahres wollen sie und die Mitarbeiter der Außenstelle das Planfeststellungsverfahren für den ersten, 7,7 Kilometer langen Bauabschnitt der A39 zwischen Lüneburg Nord und östlich Lüneburg abschließen. Der Baubeginn ist für 2024 geplant.

Außenstelle am Wilschenbrucher Weg

Ihren Sitz hat die Außenstelle am Wilschenbrucher Weg. Dort, wo früher Studenten über ihren Semesterarbeiten schwitzten, weht jetzt einer frischer Wind durch die Räume. Und das nicht nur wegen der teils grellen Farben: grauer Teppichboden für die Leitplanken, weiße Leuchten für die Mittel- und Seitenstreifen, schwarze Sessel im Konferenzraum und dunkelgraue Türrahmen für den Asphalt, orangefarbene Stehlampen für die Schutzjacken der Autobahn-Mitarbeiter und blaue Kommunikationsecken, die für die Autobahnschilder stehen. Dazu noch ein Strandkorb, der die Verbundenheit mit der Niederlassung Nord symbolisiert. „Wir wollen uns zu einer eigenen Marke entwickeln, verstehen uns als Dienstleister für die Bürger und Nutzer“, erklärt Schütte – „auch für diejenigen, die den Bau ablehnen“. Aus Erfahrung weiß die 47-Jährige: „Auch mit Kritikern kann man konstruktiv diskutieren und gute Lösungen entwickeln. Genau das wollen wir tun.“

Leitbilder und Anspruch finden sich auch in einer Holzskulptur an Eingang der Außenstelle wieder. Geschaffen hat sie der Egestorfer Kettensägen-Künstler Michael Knüdel. „Ein Einweihungsgeschenk von Kolleginnen und Kollegen an mich“, erzählt Schütte. Das Holz stammt aus dem Garten eines Autobahnbauers, für die Skizze hat eine Kollegin zu Stift und Papier gegriffen. Zu sehen sind neben dem Logo der Autobahn GmbH eine Eule, „die für Weisheit, Klugheit und Umsicht steht“, Fisch und Heidschnucke, „die unsere Verbundenheit mit Menschen und Natur in der Region symbolisieren“, und auf der Rückseite eine Blaue Vogel-Azurjungfer. „Im fünften Abschnitt befindet sich eines der sehr seltenen Vorkommen im Norden, denn eigentlich stammt diese Libellenart nicht von hier“, erklärt die Außenstellen-Leiterin. „Dieses Vorkommen zu schützen, ist uns ein besonderes Anliegen.“ Auch, weil sich Schütte der Region verbunden fühlt, in ihr verwurzelt ist – ebenso wie ihr Chef Klaus Franke. Der Direktor der Niederlassung Nord der Autobahn GmbH lebt seit Jahrzehnten in Bütlingen und arbeitet in Hamburg.

Von Malte Lühr

GmbH in Zahlen

Planen für den Norden

Die Außenstelle Lüneburg der Autobahn GmbH ist eine von vier der Niederlassung Nord mit Sitz in Hamburg. Bundesweit gibt es zehn Niederlassungen mit 41 Außenstellen.

Der Niederlassung Nord mit ihren rund 700 Mitarbeitern obliegt das Planen, Bauen und Instandhalten der Autobahnen in Norddeutschland über Ländergrenzen hinweg. Zuständig ist die Niederlassung für 756 Kilometer Streckennetz, 1400 Brücken und zehn Autobahnmeistereien.

Bundesweit betreuen fast 15.000 Mitarbeiter der Autobahn GmbH ein Streckennetz von rund 13.000 Kilometern, gemanagt werden derzeit mehr als 6300 laufende Projekte.

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