Dienstag , 6. Dezember 2022
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Homeoffice mit Kindern, die beim Homeschooling Unterstützung benötigen - das kann auf Dauer eine belastende Situation sein. Die Stadt Lüneburg will Familien deshalb unterstützen. Foto: Adobe Stock)
Homeoffice mit Kindern, die beim Homeschooling Unterstützung benötigen - das kann auf Dauer eine belastende Situation sein. Die Stadt Lüneburg will Familien deshalb unterstützen. Foto: Adobe Stock)

Soforthilfepaket für Kinder, Jugendliche und Familien auf

Corona setzt nicht nur Unternehmen zu, auch den Familien verlangt die Pandemie eine Menge ab. Und längst noch nicht alle Folgen sind absehbar. Die Stadt Lüneburg möchte gegensteuern und Maßnahmen finanzieren, die Familien zugute kommen. Auch Vereine können davon profitieren. Das Volumen des Hilfspaketes hängt nun aber vom Landkreis ab.

Lüneburg. In den Kitas gab es lange nur Notbetreuung, die viele Eltern für ihre Kinder nicht in Anspruch nehmen konnten. Die Schulen waren über Monate dicht, aktuell wechseln sich Präsenzunterricht und Homeschooling ab. Sport im Verein ist bis heute nur sehr eingeschränkt möglich. Möglichkeiten für gemeinsame Ausflüge oder eine aktive Freizeitgestaltung sind nach wie vor arg limitiert. Hinzu kommen häufig noch Existenzängste der Eltern, weil die eigene Selbstständigkeit den Lebensunterhalt nicht mehr sicherstellt oder der Arbeitgeber womöglich angesichts finanzieller Einbußen Personal abbaut. Die andauernde Corona-Pandemie hat auch den Familien mächtig zugesetzt. Um gegenzusteuern möchte die Stadt Lüneburg ein Soforthilfepaket für Kinder, Jugendliche und Familien auflegen. Bis zu 500.000 Euro sollen dafür zur Verfügung gestellt, außerdem drei zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden.

Mehr Fälle der Kindeswohlgefährdung

Wenn die gewohnte Tagesstruktur fehlt, weil es über Wochen oder Monate nicht in die Kita geht oder der Schulunterricht nur sehr abgespeckt stattfindet, wenn man die eigenen Freunde nicht treffen darf und auch andere soziale Kontakte auf ein Minimum reduziert werden müssen, macht sich das bei Kindern und Jugendlichen in der Regel noch deutlich stärker bemerkbar als bei Erwachsenen. Und selbst in den besten Familien soll es unter solchen Bedingungen vorkommen, dass die dauerhafte räumliche Enge schon mal zu erhöhtem Stress führt. Das überfordert viele. Die Folgen dieser Entwicklung sind unter anderem über die Schulen auch bei den verantwortlichen Stellen im Rathaus angekommen, Sozialdezernentin Pia Steinrücke spricht von mehr Fällen der Kindeswohlgefährdung, mehr Schulabbrechern, mehr Bewegungsmangel, mehr Isolation und mehr psychischen Problemen. Auch geht sie davon aus, dass mehr Eltern von Kindern, die im Zeitraum von Juni bis September sechs Jahre alt werden, als sonst üblich von der Möglichkeit Gebrauch machen, Ihre Kinder erst ein Jahr später zur Schule zu schicken.

Paket basiert auf drei Bausteinen

Um da gegenzusteuern, seien viele gefordert: Neben Schulen und Kitas auch die Jugendhilfe und die Vereine. Die Stadt will mit Geld Anreize für Gegenmaßnahmen schaffen, um "den Kindern das verlorene Jahr zurückzugeben", wie die Sozialdezernentin es nennt. Das Soforthilfepaket basiere auf drei Bausteinen, erläutert Steinrücke.

Der erste Baustein bildet Geld, das die Stadt für Vereine, Verbände, Initiativen, Religionsgemeinschaften oder Ähnliches zur Verfügung stellt, die zusätzliche Ferienangebote auf die Beine stellen oder Räume im Freien schaffen, wo sich Kinder und/oder Jugendliche treffen könne. Auch Aktionstage in Schulen und Kitas, Nachhilfe durch Studenten in den Stadtteilhäusern sowie Beratungsangebote für Eltern und Familien sollen gefördert werden. Die entsprechenden Richtlinien seien in Vorbereitung.

Der zweite Baustein: das sozialpädagogische Personal an Schulen soll aufgestockt werden. Aufgabenschwerpunkte seien unter anderem die Prävention von Schulabbrüchen und Elternarbeit.

Stadt will zusätzliches Personal einstellen

Den dritten Baustein des Programms bilden drei zusätzliche Kräfte, die zunächst für drei Jahre befristet eingestellt werden sollen. Eine Kraft soll sich um die Koordination des gesamten Soforthilfepaketes kümmern und Ferienangebote bündeln, die beiden anderen sollen Netzwerkarbeit betreiben, zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Schulen und Berufseinstiegsinstitutionen verstärken.

Wie viel Geld im Fördertopf liegen wird, hängt auch vom Landkreis ab: "Wir erhoffen uns eine Drittelfinanzierung: ein Drittel vom Bund, ein Drittel vom Kreis, ein Drittel von uns", sagt Steinrücke. Während der Bund schon ein entsprechendes Förderpaket angekündigt habe, stünden die Gespräche mit dem Kreis erst noch an. Bei der Stadt selbst stehe noch Geld im Etat zur Verfügung, weil im Bereich der Über-Mittag-Betreuung und bei den Zuwendungen für freie Träger nicht alles, was eingeplant war, abgerufen wurde. Auf ein Gesamtvolumen von 300.000 bis 500.000 Euro taxiert die Dezernentin das Paket, die zusätzlichen Stellen aus dem dritten Baustein kämen noch oben drauf.

Im Schulausschuss des Rates wird die Verwaltung das Paket am kommenden Mittwoch, 4. Mai, im Detail vorstellen. Danach geht es noch durch den Jugendhilfe- und den Verwaltungsausschuss, ehe der Rat es am 20. Mai absegnen soll. Ab 1. Juni könnte das Paket dann in Kraft treten.

Von Alexander Hempelmann

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