Montag , 5. Dezember 2022
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Die Unterkünfte der Saisonarbeiter auf dem Spargelhof Strampe in Neetze. Die Abstands- und Hygieneregeln werden auf Deutsch, Polnisch und Rumänisch erläutert. (Foto: krt)

Schutz für Spargel-Saisonarbeiter

Mehr als 100 Saisonarbeiter sind vor wenigen Tagen auf Deutschlands größtem Spargelhof im Landkreis Diepholz positiv auf das Coronavirus getestet worden. Was unternehmen die Lüneburger Landwirte, um ihre Erntehelfer zu schützen? Die LZ erklärt es am Beispiel des Spargelhofs Strampe in Neetze.

Lüneburg/Neetze. Dagmar Strampe hat eine Vermutung: "Die werden sich ja, ähnlich wie bei Tönnies letztes Jahr, in den Kühlhäusern angesteckt haben", sagt die Betriebsinhaberin des Spargelhofs Strampe in Neetze mit Blick auf das Infektionsgeschehen in Diepholz. "Wichtig ist es jetzt, dass wir als Landwirte besser kommunizieren als die Fleischverarbeitungsbetriebe nach dem Ausbruch bei Tönnies im vergangenen Jahr."

Anreise mit System

Gemeinsam mit ihrem Mann Peter Strampe-Münster habe sie seit Beginn der Pandemie große Anstrengungen unternommen, um die Arbeit und den Aufenthalt der Saisonkräfte so sicher wie möglich zu gestalten. Anreise, Testungen, Unterkunft, sogar die Auszahlung der Löhne erfolge zum Schutz der Mitarbeiter in einem klar strukturierten System. Tausende Euro seien investiert worden, auch um dem selbstgesteckten hohen Anspruch gerecht zu werden. Allein die Testungen würden in ihrem Betrieb mit rund 1200 Euro pro Woche zu Buche schlagen.

Auf ihrem Hof beschäftigen Strampes bis zu 160 Mitarbeiter, gut die Hälfte davon sind osteuropäische Saisonkräfte. "Die sind allein zwei Tage unterwegs, um hier herzukommen", gibt Peter Strampe-Münster zu bedenken, "die können wir nicht einfach zurückschicken, wenn die hier positiv getestet werden sollten." Deshalb erfolgt die Anreise der Erntehelfer gestaffelt. In Gruppen zu acht Personen treffen sie einmal wöchentlich auf dem Hof ein. Alle müssen noch in der Heimat einen negativen PCR-Test vorweisen.

Erster Test gleich bei der Ankunft

Auf dem Hof in Neetze werden sie, noch bevor sie die Autos verlassen, erneut auf eine Infektion überprüft. Strampe-Münster: "Sollte dabei eine Coronainfektion festgestellt werden, muss die ganze Gruppe in eine 14-tägige Arbeitsquarantäne." Das heißt: Sie dürfen die Unterkunft nur für die Arbeit, den Hof dagegen gar nicht verlassen.

Um die Gruppen voneinander trennen zu können, haben Strampes zusätzliche Wohncontainer und Wohnraum in der Nachbarschaft gemietet. Bei den wöchentlichen Testungen unterstützt ein hofeigener Sanitäter, aber auch die Mitarbeiter sind geschult, um die Tests durchzuführen. Um auch während des Betriebs maximale Sicherheit gewährleisten zu können, wurden Testung, Lohnauszahlung und sonstige Dokumenation gebündelt und finden nun drei Mal wöchentlich für je ein Drittel der Mitarbeiter statt.

Glück braucht es auch

In die Hände spielt Strampes aktuell das Wetter. Da der Frühling noch auf sich warten lässt und der Spargel so noch ein paar Tage bis zur Erntereife braucht, konnte auch die Anreise der Erntehelfer entzerrt werden: "Wenn wir jetzt schon Hitze hätten, hätten alle Erntehelfer auf einmal anreisen müssen – das wäre schwierig geworden", sagt Dagmar Strampe. Bis jetzt habe das Hygienekonzept des Hofes das Schlimmste verhindert: "Das sind erwachsene Menschen, von denen auch etwas Eigenverantwortung gefordert werden darf", findet Peter Strampe-Münster.

Zwar sei es im Laufe des vergangenen Jahres zu einzelnen Infektionen unter den Mitarbeitern gekommen, die getroffenen Maßnahmen aber hätten ihre Wirksamkeit bewiesen. Man könne und wolle die Mitarbeiter und Saisonkräfte auf dem Hof auch nicht einsperren.

Von Kevin R. Thomas

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