Sonntag , 4. Dezember 2022
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Unter dem Motto „Breetze blüht auf“ will Landwirt Rainer Hagemann an der Ellringer Straße einen Lebensraum für Bienen, Hummeln und andere Insekten schaffen. (Foto: t&w)

Bunte Aussichten in Breetze

Statt gelber Ähren sollen am südlichen Ortsrand von Breetze bunte Blumen wachsen. Unter dem Motto „Breetze blüht auf“ plant Rainer Hagemann dort einen Lebensraum für Bienen, Hummeln und andere Insekten. Mit einer Blühprämie ist für diese Initiative nicht zu rechnen – darum hat sich der Landwirt etwas einfallen lassen.

Breetze. Eigentlich wollte Rainer Hagemann auf seinem Acker am südlichen Ortsrand von Breetze in diesem Jahr Roggen anbauen. Das ist sein Geschäft, seine Lebensgrundlage, seine Profession. Doch nun kommt alles anders: Statt gelber Ähren sollen im Sommer bunte Blumen auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Schlag wachsen. Unter dem Motto „Breetze blüht auf“ will der Landwirt an der Ellringer Straße einen Lebensraum für Bienen, Hummeln und andere Insekten schaffen.

Keine Prämie für zusätzliche Blühfläche

Anders als für die übrigen Blühstreifen, die Hagemann Jahr für Jahr auf zehn Hektar Land sät, gibt es für diese zusätzliche Initiative keine Prämie von der EU. Der 60-Jährige hofft stattdessen auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Mit Spenden will er die Kosten für das Projekt decken und vielleicht sogar einen Teil seiner Einnahmeverluste auffangen.

Sommerwicke, Borretsch, Koriander, Fenchel, Kümmel, Margeriten – sie haben ihren Preis. Hagemann schätzt, dass allein das Saatgut mit 10 Cent pro Quadratmeter zu Buche schlägt. Bis zu 20.000 Quadratmeter groß aber soll die Blühfläche eines Tages werden. Ob er das Geld je wiedersieht, ist derzeit noch ungewiss. Da kann Hagemann nur hoffen, schließlich beruhe sein privater Einsatz auch auf einer Haltung: „Als Landwirt ist man ja immer für die Natur“, sagt er. „Wenn man in diesem Beruf nicht für die Natur ist, ist man ein Rowdy.“ Positiver Nebeneffekt: „Die Insekten reduzieren die Schädlinge im Ackerbau.“

Eine Imkerin half bei der Vorbereitung

Die Idee zu dem Projekt kam Hagemann im letzten Herbst. Bei Recherchen im Netz war er auf mehrere Beispiele sogenannter „Bürger-Blühstreifen“ gestoßen. „Da war ich so fasziniert und begeistert, dass ich dachte: So etwas müssen wir hier auch lostreten“, berichtet der Breetzer. Gedacht, gesagt, getan: Zusammen mit einer Imkerin machte er sich an die Planung: Welche Pflanzen bereichern die Insektenwelt? Wo und zu welchem Zeitpunkt soll gegrubbert und gedrillt werden?

Die subventionierten Blühstreifen hat er, wie gesetzlich vorgeschrieben, bereits im April angelegt, den Acker an der Ellringer Straße aber will er erst Mitte oder Ende Mai in eine Blumenwiese verwandeln.

Nachbarn reagieren positiv

„Damit strecken wir den Blühzeitraum, sodass die Insekten auch dann noch Nahrung finden, wenn die Tracht der Blüten bei den anderen Pflanzen zurückgeht“, erklärt Hagemann, der die restlichen Wochen bis zum Startschuss nutzt, um in und um Breetze kräftig die Werbetrommel für sein Projekt zu rühren: „Die Leute reagieren total positiv und unterstützen mich mit Rat und Tat“, freut sich der Landwirt.

Mit Hinweisschildern will er auf die Bedürfnisse der Insekten und landwirtschaftliche Verantwortung hinweisen. „Ich möchte auf diese Weise auch mit den Bürgern wieder ins Gespräch kommen“, sagt Hagemann – über Preisdruck und Klimawandel, Spritzmittel und Naturschutz, Zukunftsängste und Perspektiven.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich telefonisch unter (05852) 3084 an Hagemann wenden oder aber eine Mail an rainerhagemann@gmail.com schicken.

Von Anna Petersen

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