Montag , 5. Dezember 2022
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Amelinghausen
Amelinghausen soll weiter wachsen, doch nun gibt es offenbar Probleme. (Foto: be)

Wird Amelinghausen ausgebremst?

Wie groß soll Amelinghausen werden? Samtgemeinde und Landkreis sind da offenbar unterschiedlicher Meinung. Hintergrund sind Entwürfe für das sogenannte Regionale Raumordnungsprogramm. Dieses weist unter anderem Orte aus, auf die sich Siedlungswachstum konzentrieren soll. Weil nun aber CDU und Grüne im Samtgemeinderat Amelinghausen darin Entwicklungsmöglichkeiten für die Gemeinden im ländlichen Raum vermissen, fordern die Fraktionen umgehend ein Siedlungs- und Entwicklungskonzept in Auftrag zu geben.

Amelinghausen. Der westlichste Zipfel des Landkreises Lüneburg erfreut sich offenbar zunehmender Beliebtheit. Soweit die gute Nachricht. „Wir setzen alles daran, uns hier in der Fläche attraktiv aufzustellen und den Bevölkerungsdruck aus der Stadt aufzunehmen“, berichtet Amelinghausens Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch. Die Bemühungen von Politik und Verwaltung tragen offenbar auch Früchte, immer wieder erreichen das Rathaus Baulandanfragen junger Familien. Das freut Kalisch, jedoch: „Es muss auch Entwicklungsmöglichkeiten geben, um die Menschen hier aufzunehmen.“ Und da liegt offenbar der Hase im Pfeffer: Aus der Politik werden nun Befürchtungen laut, dass der Landkreis Lüneburg das angestrebte Wachstum ausbremsen könnte.

CDU und Grüne vermissen Entwicklungsmöglichkeiten im ländlichen Raum

Denn aktuell wird das sogenannte Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) überarbeitet. Darin werden die übergeordneten öffentlichen Nutzungsansprüche und Entwicklungsziele für den Raum auf regionaler Ebene festgelegt – und zwar mit zehn Jahren Gültigkeit. Das RROP macht zum Beispiel Aussagen dazu, in welchen Bereichen Natur, Landschaft und Erholung Vorrang haben, benennt regional bedeutsame Gewerbegebiete, wichtige verkehrliche Verbindungsstrecken und weist Orte aus, auf die sich Siedlungswachstum konzentrieren soll. Weil nun aber CDU und Grüne in den aktuellen Entwürfen Entwicklungsmöglichkeiten für die Gemeinden im ländlichen Raum vermissen, fordern die Fraktionen, umgehend ein Entwicklungs- und Siedlungskonzept für die Samtgemeinde Amelinghausen in Auftrag zu geben.

„Um auf das RROP im Sinne der Samtgemeinde Amelinghausen Einfluss nehmen zu können, ist es zunächst notwendig, dass hier vor Ort eine Vorstellung davon entwickelt und abgestimmt wird, was in den einzelnen Orten der Samtgemeinde an Entwicklung möglich ist und welche Entwicklungen auch gewollt sind“, begründen Felix Petersen (CDU) und Eckhard Winkelmann (Grüne) ihren Vorstoß.

Verwaltung will Gemeinden mehr Planungsspielraum offenhalten

In der Tat erkennt auch Claudia Kalisch in den aktuellen Entwürfen des RROP einen Bremsschuh für das Wachstum in und um Amelinghausen: „Ich finde das Ziel, eine Versiegelung der Flächen einzudämmen, absolut richtig, aber ein Wachstum mit Augenmaß muss trotzdem möglich sein, um den Bevölkerungsdruck aus der Stadt aufnehmen zu können“, sagt die Rathauschefin. Sie befürchtet hinsichtlich des aktuellen Diskussionsstandes, dass genau das aber nicht möglich ist. „Unserer weiteren Entwicklung, wie zum Beispiel durch die geplante Reaktivierung der Bahnanbindung, wird so keine Rechnung getragen.“

Wo der Landkreis welche Prioritäten setzen will, kann er nicht einfach so frei entscheiden – zwar gibt es Spielräume, doch die Politik muss sich zum Beispiel auch an die Vorgaben des Landesraumordnungsprogramms (LROP) halten. Ebenso haben die Gemeinden, Verbände, Behörden und Fachleute dabei ein Wörtchen mitzureden.

Auch die Samtgemeinde Amelinghausen begleitet diesen Prozess. Aus Sicht von Bauamtsleiter Christoph Palesch lassen die bisherigen Ergebnisse hinsichtlich der Siedlungsentwicklung jedoch zu wünschen übrig. Ihm zufolge schlägt der Landkreis vor, die Neuausweisung von Bauland in der Samtgemeinde Amelinghausen für die nächsten zehn Jahre auf 170.000 Quadratmeter zu limitieren.

Palesch hält das für zu wenig: „Mit diesem Kontingent kann der Zuzugsdruck hier in der Samtgemeinde voraussichtlich nicht gestillt werden.“ Die Verwaltung will den Mitgliedsgemeinden mehr Planungsspielraum offenhalten. Für Amelinghausen etwa würde der Bauamtsleiter gern alle zwei bis drei Jahre Überlegungen zu einem mittelgroßen Baugebiet anstellen dürfen, „sofern der Zuzugsdruck und der Bedarf da sind“, so Palesch.

Antrag soll im nächsten Bauausschuss diskutiert werden

Die Idee, mit einem Entwicklungs- und Siedlungskonzept Einfluss auf das RROP zu nehmen, hält Samtgemeindebürgermeisterin Claudia Kalisch für sinnvoll. „Das könnte unsere Argumentation in dem Prozess untermauern“, glaubt sie. Aus Sicht von CDU und Grünen drängt die Zeit: „Da die Diskussion um das RROP auf Kreisebene bereits vorangeschritten ist, ist es notwendig, dieses Konzept für die Samtgemeinde Amelinghausen bis zum Jahresende vorliegen zu haben“, heißt es in ihrem Antrag. Fraglich sei aber noch, ob der Landkreis so ein Gutachten überhaupt akzeptieren würde, sagt Kalisch. Und: Woher die Mittel kommen sollen. Hierzu will die Verwaltungschefin bis zu der nächsten Bauausschusssitzung im Juni Informationen liefern.

Von Anna Petersen

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