Mittwoch , 22. September 2021
Mit Hunden, einer Drohne, einem Hubschrauber und sogar einem Jet wird nahe der Ortschaft Heber die vermisste elfjährige Lilli Marie gesucht, nachdem ihre Mutter und ihr kleiner Bruder getötet wurden. Dann findet die Polizei noch eine Kinderleiche. (Foto: phs)
Mit Hunden, einer Drohne, einem Hubschrauber und sogar einem Jet wird nahe der Ortschaft Heber die vermisste elfjährige Lilli Marie gesucht, nachdem ihre Mutter und ihr kleiner Bruder getötet wurden. Dann findet die Polizei noch eine Kinderleiche. (Foto: phs)

Bispingen: Haftbefehl wegen Mordes

In einem Waldstück nahe Heber ist am Dienstag eine Kinderleiche entdeckt worden. Möglicherweise handelt es sich um die vermisste Tochter einer 35 Jahre alten Frau, die bereits am Sonntag zusammen mit ihrem vier Jahre alten Sohn in Bispingen getötet worden war.

Bispingen. Nach den beiden Leichenfunden am Sonntag in einem Wohnhaus in Bispingen ist am Dienstag in der Region eine Kinderleiche entdeckt worden. Ob es sich dabei um die vermisste elfjährige Tochter der getöteten 35-jährigen Frau beziehungsweise die Schwester des getöteten vierjährigen Jungen handelt, ist noch nicht bekannt. Dies werde aktuell untersucht, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft Lüneburg.

Dagegen lässt sich der Fundort der Leiche grob eingrenzen. Er befindet sich nahe Heber an einem Waldweg, der von der Bundesstraße 3 zwischen der Autobahnauffahrt Schneverdingen und dem Scharrler Kreisel in Richtung Süden abgeht. Der Fundort war von Polizei und Mitarbeitern der Straßenmeisterei Soltau weiträumig abgesperrt worden, der Verkehr wurde umgeleitet. Die Presse durfte sich bis auf etwa 400 Meter in Begleitung eines Polizeibeamten der Einmündung des Waldwegs nähern.

Vermisst wird die Elfjährige seit Sonntagvormittag. Zuvor waren in einem Einfamilienhaus in Bispingen im Heidekreis zwei Leichen gefunden worden: die 35-jährige Mutter und ihr vier Jahre alter Sohn. Beide wiesen nach Angaben der Staatsanwaltschaft Spuren äußerer Gewaltanwendung auf. Im rund 20 Kilometer entfernten Schneverdingen wurde am Nachmittag der Lebensgefährte der getöteten Frau als dringend tatverdächtig festgenommen. Gegen den 34-Jährigen erging ein Haftbefehl wegen zweifachen Mordes, er sitzt in Untersuchungshaft. Der Mann äußerte sich bislang nicht.

Noch am Sonntag seien die beiden gefundenen Leichen obduziert worden, erläuterte am Dienstag Olaf Rothardt, Pressesprecher der Polizeiinspektion Soltau. Die polizeiliche Suche nach Beweismitteln und nach dem Mädchen erstreckte sich am Sonntag zunächst auf das Grundstück und wurde dann auf das Gelände ringsum und auf ein Waldstück ausgeweitet. Dabei wurden ein Hubschrauber und Hunde eingesetzt.

Am Montag befragten Bereitschaftspolizisten 150 Haushalte in Bispingen nach Beobachtungen zu den Todesfällen. Außerdem wurde die Suche nach dem Mädchen fortgesetzt, dabei auch eine Drohne, ein Hubschrauber und ein Tornado-Jet der Bundeswehr mit Wärmebildkamera eingesetzt. Deren Auswertung hat laut Rothardt sieben signifikante Punkte ergeben, die Polizeibeamte noch in der Nacht zu Dienstag aufsuchten. Sie konnten aber wegen der Dunkelheit nichts entdecken. Am Dienstag wurde die Suche wiederholt und dabei die Kinderleiche gefunden.

Mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen machen Staatsanwaltschaft und Polizei auch keine weiteren Angaben zu Tatgeschehen, Todesursachen und Motiven für die Ereignisse am Sonntag. Bislang steht nur so viel fest: Der 34-jährige Tatverdächtige, der Lebensgefährte der Getöteten, der noch am Sonntag in Schneverdingen festgenommen wurde, macht weiterhin keine Angaben. Inzwischen liegt ein Haftbefehl wegen zweifachen Mordes vor.

Von Thomas Lenthe

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