Dienstag , 6. Dezember 2022
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Michael Flügge-Munstermann und Siegfried Wagner-Kemper
Michael Flügge-Munstermann (links) und Siegfried Wagner-Kemper (rechts). (Foto: Landkreis Lüneburg)

Bei Wildbienenhotels gibt es einiges zu beachten

Die einen nisten in der Erde, andere wiederum verkriechen sich lieber in Hölzern, Schneckenhäusern oder Fichtenzapfen: Wildbienen sind Spezialisten, weiß Michael Flügge-Munstermann. Zusammen mit drei Mitstreitern der Bundeswehrjägerkameradschaft baut der 66-Jährige Bienenhotels, in denen sich möglichst viele Arten wohlfühlen sollen. Und dabei gilt es einiges zu beachten.

Dahlenburg/Barskamp/Amelinghausen. Die Bundeswehrjägerkameradschaft steigt jetzt ins Hotelgewerbe ein, allerdings beherbergt der Zusammenschluss von Jägern und Naturschutzinteressierten lediglich einen exklusiven Kundenstamm: Wildbienen. „Wir nehmen den Arten, nicht zuletzt durch die moderne Landwirtschaft, immer mehr Möglichkeiten zur Nahrungssuche und zum Nestbau“, bedauert Michael Flügge-Munstermann. Darum hat der 66-Jährige in seinem letzten Jahr als Vorsitzender der Bundeswehrjägerkameradschaft ein Team zusammengestellt, das sich seit einigen Monaten mit Säge, Holz und Hammer dem Bau von Bienenhotels widmet.

Biene ist nicht gleich Biene

„Das ist mein letztes Baby“, sagt Flügge-Munstermann, der sich als Landschaftswart seit rund fünf Jahren intensiv mit dem Thema befasst. Er weiß: Biene ist nicht gleich Biene. „Wir haben allein über 590 verschiedene Wildbienenarten – und das sind alles Spezialisten.“ Die einen meiden Harz, die anderen verschließen damit ihre Nester. Die einen nisten in der Erde, andere wiederum verkriechen sich lieber in Hölzern, Schneckenhäusern oder Fichtenzapfen. Darum haben Flügge-Munstermann und sein Team viel Grips in die individuelle Hotelzimmergestaltung investiert. Was es dabei alles zu beachten gilt, wollen die vier Naturschützer und Hobby-Handwerker aber nicht für sich behalten: „Wir möchten auch ein Naturverständnis gerade bei den jüngeren Menschen wecken“, betont Flügge-Munstermann. Aus diesem Grund steht das erste von drei Bienenhotels seit einigen Wochen auf dem Pausenhof der Grundschule Barskamp.

Schüler richten Bienenhotel ein

„Die Schüler sind sofort ausgeschwärmt und haben Füllmaterial gesucht“, freut sich der Jäger und Landschaftswart. Brombeerstängel, Fichtenzapfen, vorgebohrtes Weiden- und Birkenholz – das alles, weiß Flügge-Munstermann, dient den Wildbienen als Versteck- und Nistmöglichkeit. Dabei wichtig zu beachten: „Sie lieben die Wärme.“ Darum empfiehlt der Vorsitzende, die Hotels gen Südosten auszurichten, vorzugsweise zwischen Früh- und Spätblühern, die die Insekten von Frühling bis Herbst mit Nahrung versorgen. Bei ihrer Suche scheuen die Wildbienen übrigens keine niedrigen Temperaturen. „Im Gegensatz zur Honigbiene fängt die Wildbiene schon bei sechs Grad an zu fliegen“, erklärt Flügge-Munstermann. „Das ist ganz wichtig für die Natur, weil da die ersten Pflanzen auch schon bestäubt werden müssen.“

Sandkiste für Erdbienen

Zu seiner Freude feilen die jungen Hotelbetreiber aus Barskamp auch bereits an einer Angebotserweiterung: Neben dem Hotel soll eine Art Sandkiste für Bienenarten entstehen, die in der Erde nisten. Eine Maßnahme, die auch Gartenbesitzer zu Hause umsetzen könnten, sagt der Experte. Aber Obacht: Wo vorher Rasen wuchs, rät Flügge-Munstermann dazu, auf mindestens einem Quadratmeter Fläche die obere Erdschicht abzutragen. „Sonst kommen die Bienen nicht tief genug, um ihre Eier abzulegen.“

Inzwischen haben auch zwei weitere Hotels der Bundeswehrjägerkameradschaft einen festen Standort gefunden: im öffentlichen Garten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Dahlenburg und im Mehrgenerationenpark an der Grundschule in Amelinghausen. Flügge-Munstermann hofft, dass dort bald alle „Zimmer“ belegt sind. Zu Hause in seinem Garten jedenfalls kann es der 66-Jährige bereits summen hören. „Da herrscht reger Betrieb“, berichtet er. „Und das ist einfach traumhaft.“

Von Anna Petersen

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