Dienstag , 6. Dezember 2022
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Über Biber-Nachwuchs freuen sich die Mitarbeiter im Biosphaerium in Bleckede. Doch der örtliche Biberbetreuer dämpft die Freude. (Foto: Biosphaerium)

Biber-Nachwuchs in Bleckede

Biber-Nachwuchs in Bleckede. Einige Jahre später als erwartet hat das Pärchen im Biosphaerium Elbtalaue zwei Junge bekommen. Ob die jemals aber ausgewildert werden und ein artgerechtes Leben führen können, bezweifelt der Biberbetreuer.

Bleckede. Die Freude über die Geburt ist groß im Biosphaerium Elbtalaue. Das Bleckeder Biberpaar hat Nachwuchs. Zwei Junge haben das Licht der Welt erblickt. Das erste Mal seit der Ankunft ihrer Eltern an der Elbe 2016, als das Informationszentrum für das Biosphärenreservat die beiden Nager aus dem Tierpark Olderdissen in Bielefeld übernommen hatte. Das berichtet das Biosphaerium in einer Pressemitteilung.

Typische Verhaltensweisen von Zootieren

Doch was im Biosphaerium für Begeisterung sorgt, macht den Biberbetreuer des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) im Kreis Lüneburg, Dieter Schmidt aus Bleckede, nachdenklich. Aus seiner Sicht ist die Geburt kein Grund zur Freude, weil die Nager in diesem Freigehege nicht artgerecht gehalten werden können. Vielmehr zeigten die Biber typische Verhaltensweisen von Zootieren, sagt er.

Gleichwohl freut sich das Team des Biosphaeriums auf das Heranwachsen der Biberkinder, das auch die Besucher des Informationszentrums beobachten können. Biber zeigen ein sehr ausgeprägtes Familien- und Sozialleben. So war Tierpfleger Sven Schulze beim Anblick des Bibers überrascht und hoch erfreut, als er den Nachwuchs kürzlich entdeckte. Musste er bislang immer das Biberpärchen versorgen, so ist es nun eine ganze Familie, die die volle Aufmerksamkeit des Tierpflegers erhält.

Pärchen aus Bleckede späte Eltern

Das Bleckeder Biberpärchen hat erstmals im Alter von sieben Jahren mit zwei Jungtieren Nachwuchs bekommen. „Späte Eltern“ würde man sagen, denn etwa mit drei Jahren werden die Tiere geschlechtsreif.

Die Jungtiere verbleiben die erste Zeit mit einem Elterntier im geschützten Biberbau, berichtet das Biosphaerium. „Dort und im Außengelände des Reviers wird sich die Familie zwei Jahre lang gemeinsam aufhalten.“

Jungtiere bleiben zwei Jahre bei den Eltern

Im Frühjahr 2023 würden die dann fast zweijährigen Jungtiere aus dem Revier vertrieben, indem die Elterntiere über einen längeren Zeitraum aufdringlich und unleidig werden: Der halbstarke Nachwuchs werde vom Fressplatz verscheucht, gelegentlich gezwickt und Scheinangriffen ausgesetzt. Damit werde dann ihr Abschied eingeläutet.

Und das Biosphaerium hat eine Vorstellung, wie es dann weitergehen kann: „Die Jungtiere würden nach zwei Jahren an eine andere zoologische Einrichtung gegeben oder ausgewildert werden.“ Dieter Schmidt hingegen hält eine Auswilderung für schwierig, unter anderem, weil die Jungtiere im Gehege wichtige artgerechte Fähigkeiten nicht ausüben könnten: zum Beispiel das Fällen von Bäumen, das Bauen von Staudämmen, das Abnagen von Rinde im seichten Wasser, den Kanalbau und intensive lange Nahrungssuche. Dadurch verbrauchten sie kaum Energie. „Durch Fütterung mit kalorienhaltiger Nahrung werden die Tiere fett und bequem. Und dadurch wird die Möglichkeit einer Auswilderung fragwürdig.“

Von Stefan Bohlmann

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