Donnerstag , 1. Dezember 2022
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Irene Skrobanek hat den Vorsitz des Guten Nachbarn an Holger Hennig übergeben. (Foto: be)
Irene Skrobanek hat den Vorsitz des Guten Nachbarn an Holger Hennig übergeben. (Foto: be)

So viel Hilfsbereitschaft wie nie zuvor

Menschen aus Stadt und Landkreis Lüneburg, die unverschuldet in Not geraten sind, bekommen seit mehr als 60 Jahren Hilfe beim Guten Nachbarn. Mit dem Spendenergebnis des zu Ende gegangenen Geschäftsjahrs 2020/21 hatte niemand gerechnet.

Lüneburg. Seit 1958 gibt es die Hilfsaktion Guter Nachbar. In all den Jahren trugen seitdem unzählige kleine und große Spenden dazu bei, unverschuldet in Not geratenen Menschen aus der Region unbürokratisch zu helfen. Oft schon kamen 100.000 Euro und mehr an Spenden zusammen. Das Ergebnis des zurückliegenden Geschäftsjahrs überraschte aber alle Verantwortlichen in den beteiligten Hilfsorganisationen: 218.367,63 Euro gingen zwischen Frühjahr 2020 und Frühjahr 2021 auf dem Konto des Guten Nachbarn ein.

"Wir freuen uns natürlich riesig über die Spendenbereitschaft der Menschen", sagt Irene Skrobanek. Im zurückliegenden Geschäftsjahr war die Mitarbeiterin des Kreisverbands Lüneburg im Deutschen Roten Kreuz die Vorsitzende des Guten Nachbarn. Mit Beginn des neuen Geschäftsjahrs hat sie ihren Posten an Holger Hennig, zuständig für die Kirchenkreissozialarbeit in der Region Lüneburg beim Lebensraum Diakonie, übergeben.

Spendenbutton wird häufiger genutzt

Mit 25.000 Euro war die Spende der Friedensstiftung Günter Manzke die größte Einzelspende im zurückliegenden Geschäftsjahr des Guter Nachbarn. Geld floss auch aus zahlreichen Aktionen und von vielen Unternehmen, den größten Anteil am Spendenaufkommen haben aber in jedem Jahr die zahllosen kleinen und größeren Einzelspenden. "Dabei haben wir festgestellt, dass die Zahl der Spenden im mittleren Bereich, etwa 100 bis 400 Euro, deutlich zugenommen hat", berichtet Holger Hennig.

"Und wir freuen uns auch darüber, dass die Zahl der Spenden, die über den Spendenbutton auf unserer Homepage eingegangen sind, deutlich gestiegen ist", sagt Hennig. In die künftige Arbeit des Guten Nachbarn fließt auch die Zustiftung in Höhe von 100.000 Euro für die Stiftung Guter Nachbar ein, die Ende des vergangenen Jahres einging: Das Kapital bleibt unangetastet, der jährliche Erlös hilft helfen.

Erst Beratung, dann finanzielle Unterstützung

An kleineren und größeren Hilfen zahlte der Gute Nachbar im zurückliegenden Geschäftsjahr 99.627,70 Euro aus. Wenn Hilfesuchende um Unterstützung baten, falls das Geld für die Baby-Erstausstattung oder Schulmaterial nicht reichte, wenn die Strom- oder Heizkostennachzahlung nicht zu stemmen war, oder auch, wenn die Waschmaschine ihren Betrieb eingestellt hatte – in diesen wie in zahllosen anderen Fällen half der Gute Nachbar aus. Ein Grundsatz dabei: Vor jeder finanziellen Hilfe steht eine individuelle Beratung durch die Mitarbeiter der beteiligten sozialen Einrichtungen.

Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie machten sich bemerkbar. Etwa, wenn Menschen um Unterstützung baten, weil das vergünstigte Mittagessen für ihre Schulkinder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket monatelang ausfiel, dadurch das Geld in der Haushaltskasse noch knapper wurde.

Solides Polster für die Zukunft

Holger Hennig: "Die große Welle an Hilfsbedürftigen ist allerdings noch ausgeblieben. Wir gehen davon aus, dass mehr Menschen zu uns kommen, falls sich die wirtschaftliche Lage in diesem Jahr verschlechtert, es zum Beispiel vermehrt Insolvenzen gibt." Irene Skrobanek meint, dass viele Menschen sich wegen der Corona-Beschränkungen nicht auf den Weg zu den Wohlfahrtsverbänden gemacht haben. "Es ist gut, dass wir ein solides Polster haben, um auf kommende Herausforderungen reagieren zu können."

Im zu Ende gegangenen Geschäftsjahr konnte der Gute Nachbar in 1706 Fällen Hilfebedürftige unterstützen (2019/2020: 1246). Hilfe gab es so insgesamt für 3616 Personen (2019/20: 2717), die sich an einen der fünf Verbände der freien Wohlfahrtspflege gewandt hatten. Dem Guten Nachbarn gehören an: Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Paritätischer, Deutsches Rotes Kreuz (Kreisverband und Ortsverein Lüneburg-Stadt), Diakonie und die Landeszeitung.

Von Ingo Petersen

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