Seit Mittwochmittag hebt die rot-weiße Cessna des Feuerwehrflugdienstes am Standort Lüneburg wieder zu Überwachungsflügen ab. (Foto: t&w)
Seit Mittwochmittag hebt die rot-weiße Cessna des Feuerwehrflugdienstes am Standort Lüneburg wieder zu Überwachungsflügen ab. (Foto: t&w)

Alarmstufe rot in Wäldern und auf Feldern

Alarmstufe rot in Lüneburgs Wäldern: Boden und Unterholz sind knüppeltrocken, ein Funke reicht, und der Wald steht in Flammen. Die Waldbrand-Überwachungszentrale in Lüneburg ist längst besetzt, seit Mittwoch steigt auch die rot-weiße Cessna des Feuerwehrflugdienstes wieder auf.


Lesen, was Lüneburg bewegt

Sie sind schon registriert oder haben LZ+ bereits abonniert?
Sie sind neu hier?

Sie haben ein Print- oder ePaper-Abo?

Alarmstufe rot in Lüneburgs Wäldern: Boden und Unterholz sind knüppeltrocken, ein Funke reicht, und der Wald steht in Flammen. Die Waldbrand-Überwachungszentrale in Lüneburg ist längst besetzt, seit Mittwoch steigt auch die rot-weiße Cessna des Feuerwehrflugdienstes wieder auf.

Lüneburg. Die Temperaturen sind in den vergangenen Tagen stetig gestiegen – und mit ihnen die Waldbrandgefahr. Ein Funke reicht, und der Wald steht in Flammen. In weiten Teilen der Landkreise Lüneburg, Dannenberg und Uelzen gilt mit fünf die höchste Waldbrandwarnstufe, am Donnerstag wird auch der Graslandfeuerindex auf fünf hochgestuft.

Schon seit Anfang Juni ist die Waldbrand-Überwachungszentrale in Lüneburg wieder durchgehend von 10 bis 19 Uhr besetzt, am Mittwochmittag stiegen das erste Mal in diesem Jahr die rot-weißen Cessnas des Feuerwehrflugdienstes an den Standorten Lüneburg und Hildesheim zu Überwachungsflügen auf.

Großes Wasserdefizit in den Waldböden

Helmut Beuke leitet bei den Niedersächsischen Landesforsten die Projektstelle Waldbrandprävention. Zwar hat auch er in seiner langjährigen Dienstzeit noch nie einen so kalten und feuchten Mail erlebt wie in diesem Jahr, doch: "Der Mai hat die Lage nur gedämpft, aber nicht grundlegend verbessert." Nach wie vor gebe es ein großes Wasserdefizit in den Waldböden. "Die ersten 50 Zentimeter sind noch ausreichend feucht, deshalb ist das Grün in den Wäldern auch so üppig", erklärt Beuke. Darunter sei es knochentrocken. "Mitte Juni sind wir, was die Trockenheit angeht, schon wieder auf dem Niveau der Vorjahre."

Beuke erinnert auch daran, "dass wir im Mai wetterbedingt eine Pause gemacht haben, doch schon am 20. März mit der Überwachungszentrale in Lüneburg in die Waldbrandsaison gestartet sind". Und das mit neuer Technik. Nach zehn Jahren im Einsatz sind Sensoren, Rechner und Server ausgetauscht worden, auch kommt eine neue "lernfähige" Software zum Einsatz. Besetzt ist die Waldbrandüberwachungszentrale ab Wandbrandwarnstufe drei mit drei speziell geschulten Forstwirten, die eine 440.000 Hektar große Waldfläche in den Landkreisen Lüneburg, Heidekreis, Uelzen, Gifhorn, Lüchow-Dannenberg und Celle überwachen. Um unklare Warnmeldungen schneller und besser gemeinsam beurteilen zu können, haben die Brandwächter neuerdings die Möglichkeit, die Bilder auf ihren Arbeitsmonitoren auf einen Großbildschirm mit den Maßen 2,5 mal 1,5 Meter zu projizieren.

Flieger hebt zu vier 260 Kilometer langen Runden am Tag ab

Ergänzend zur Arbeit in der Überwachungszentrale starten bei hoher Waldbrandgefahr die zwei Flieger der Landesfeuerwehr. Den Stützpunkt in Lüneburg leitet Kreisbrandmeister Torsten Hensel: "Ich bin froh, dass wir unser Flugzeug wieder in der Luft haben, die Wiesen und Wälder überwachen und im Notfall unsere Kameraden am Boden unterstützen können." Besetzt sind die Maschinen vom Typ Cessna 206 mit einer dreiköpfigen Besatzung: Neben dem Piloten sind noch ein Beobachter der Feuerwehr und ein Mitarbeiter der Landesforsten an Bord. "Eine Runde für die Lüneburger Maschine ist rund 260 Kilometer lang und deckt die Kreise Lüneburg, Lüchow-Dannenberg, Uelzen, Heidekreis und Harburg ab", erklärt Hensel.

So wie am Mittwoch starten die Flieger um 12 Uhr zu ihrer ersten Runde. Rund eineinhalb Stunden dauert eine Überwachungstour. "Anschließend landet das Flugzeug, wird betankt, und die Besatzung macht eine kurze Pause." Anschließend dreht die Cessna zwei Runden, und startet nach einem kurzen Tankstopp zum vierten und letzen Flug des Einsatztages. "Gegen 19 Uhr ist dann Feierabend", sagt Lüneburgs Kreisbrandmeister.

Bislang ist der Landkreis Lüneburg von Wald- und Flächenbränden laut Hensel weitgehend verschont geblieben. Ledigliche kleinere Brände wie Donnerstagnachmittag zwischen Karze und Rosenthal stehen in der Einsatzstatistik. Doch das gilt nicht für alle Kreise, wie Beuke berichtet: "Wir haben schon wieder sehr viele Brände entdeckt." Und etliche heiße Tage stehen den Brandwächtern in diesem Sommer voraussichtlich noch bevor.

Von Malte Lühr

Zur Sache

Offenes Feuer verboten

Damit die Einsatzkräfte erst gar nicht ausrücken müssen, nennt die Kreisfeuerwehr folgende Hinweise in der freien Natur und im eigenen Garten:

  • Offenes Feuer in Wäldern wie Grill- und Lagerfeuer sind verboten. Zudem gibt es vielerorts behördlich erlassene Verbote zum Betreten von Wäldern.
  • Auf keinen Fall sollte im Wald geraucht oder Zigarettenreste fortgeworfen werden.
  • Müll sollte wieder mitgenommen, keinesfalls Glasabfälle achtlos liegen gelassen werden. Diese können wie Brenngläser wirken und Feuer entfachen.
  • Geparkt werden sollte nur auf ausgewiesenen Parkplätzen: Der Katalysator eines Autos kann sich sehr stark erhitzten und einen Brand auslösen.
  • Zufahrten zu Wäldern, Mooren und Heideflächen sind freizuhalten, damit die Feuerwehren schnell zum Einsatzort kommen können.
  • Bei Bränden und Rauchentwicklung immer die Feuerwehr unter 112 alarmieren.
  • Bei Entstehungsbränden sollte versucht werden, Flammen oder Glut durch Austreten, Abdecken mit Sand oder mit Wasser/Feuerlöscher zu löschen.
  • Wer vor einem größeren Feuer fliehen muss, sollte gegen die Windrichtung laufen.

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.