Moritz Meyer (l.), Anton Maaser und Fiona Fiedler von der Wilhelm-Raabe-Schule sind neue Begleiter für die Touren durch „Lüneburg im Nationalsozialismus“. (Foto: Geschichtswerkstatt)
Moritz Meyer (l.), Anton Maaser und Fiona Fiedler von der Wilhelm-Raabe-Schule sind neue Begleiter für die Touren durch „Lüneburg im Nationalsozialismus“. (Foto: Geschichtswerkstatt)

Schüler führen durch das braune Lüneburg

Im Rahmen einer Schüler-AG wurden sie seit August 2020 zu Schüler-Guides ausgebildet. Schülerinnen und Schüler der Lüneburger Wilhelm-Raabe-Schule informieren bei Rundgängen über die dunklen Seiten der Stadtgeschichte.

Lüneburg. Felix Duwe hält ein schwarzweißes Foto hoch. Darauf ist die mit Hakenkreuzen beflaggte Fassade des Lüneburger Rathauses zu erkennen. Auf einem unter der Uhr hängenden Plakat wird zur Wahl der NSDAP aufgerufen. Er erklärt, warum das Rathaus damals zur Werbefläche wurde und beschreibt, was das zum Beispiel für den Lüneburger Händler Henry Jacobson bedeutete. Felix ist einer von neun Schülerinnen und Schülern des 10. Jahrgangs des Lüneburger Gymnasiums Wilhelm-Raabe-Schule, die ab jetzt durch „Lüneburg im Nationalsozialismus“ führen.

Im Rahmen einer Schüler-AG wurden sie seit August 2020 zu Schüler-Guides ausgebildet. Sie informieren sowohl interessierte Bürgerinnen und Bürger als auch Gäste der Stadt über die dunklen Seiten der Stadtgeschichte. Die Initiatorin, Carola S. Rudnick von der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg, ist stolz darauf, dass das Projekt trotz Corona realisiert werden konnte. „Wir hatten schon die Befürchtung, dass wir in diesem Jahr auf die Schüler-Guides gänzlich verzichten müssen“, sorgte sich auch Maren Hansen von der Lüneburger Geschichtswerkstatt.

Aber es kam anders. „Das war nur durch unermüdliches Engagement der Schülerinnen und Schüler, maximale Flexibilität und unter Ausnutzung der digitalen Möglichkeiten der Schule umsetzbar“, betonen Anne Nitzpon und Uta Strecker, die das Projekt als Geschichtslehrerinnen betreuen – mit Erfolg.

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten einen Stadtrundgang, den es so bisher nicht gab. An 17 verschiedenen Orten in Lüneburg ist mehr zu erfahren über Lüneburg als einstiges Machtzentrum im Nationalsozialismus, über jüdisches Leben, Kriegsende und die Aufarbeitung der mit dem Holocaust in Verbindungen stehenden Verbrechen. Von der Heiligengeiststraße geht es in die Schröderstraße zum ehemaligen „Volkshaus“, von dort weiter zum Marktplatz. Nach einem kleinen Abstecher zum Amtsgericht, hier liegt der Stolperstein des Widerständlers Hermann Reinmuth, dessen Geschichte erzählt wird, geht es in die Bäckerstraße, am ehemaligen „Deutschen Haus“ (Am Sande) vorbei in Richtung Rabeler-Schule. Auch das Kalandhaus beziehen die Schüler-Guides ein, hier befand sich während einiger Monate ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Bis die Schüler-Guides am Mahnmal „Den Opfern der Gewaltherrschaft 1933 – 1945“ in der Lindenstraße ankommen, erfährt man noch vieles über die Endphase des Zweiten Weltkrieges, die Kapitulation und den Bergen-Belsen-Prozess. Auch zu diesen Themen werden Dokumente und Fotos gezeigt, die geführten Gruppen bisher nicht zugänglich waren. lz

  • Die erste öffentliche Führung der neuen Schüler-Guides zu „Lüneburg im Nationalsozialismus“ findet am Sonntag, 20. Juni, um 11 Uhr statt. Treffpunkt ist an der Geschichtswerkstatt Lüneburg, Heiligengeiststraße 28. Die Teilnahme kostet 5 Euro pro Person, ermäßigt 3 Euro. Um vorherige Anmeldung unter (04131) 401 936 wird gebeten. Weitere Informationen unter www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette sowie www.geschichtswerkstatt-lueneburg.de

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