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Matthias Koitzsch (l.) von der Planungsgemeinschaft Marienau (PGM) tauscht sich mit den Landwirten Wieckhorst und Petersen über Schutzmöglichkeiten für Wiesenvögel auf deren Ackerflächen aus. (Foto: LK Lüneburg)

Nachwuchsboom bei den Kiebitzen

Lüneburg. Die ersten Jungvögel sind bereits flügge, die letzten dieser Saison sollen bald schlüpfen: Der Landkreis Lüneburg beobachtet in diesem Jahr überdurchschnittliche Nachwuchszahlen bei den stark bedrohten Kiebitzen. „Wir konnten bisher um die 40 Gelege entdecken. Normalerweise sind es 20 bis 30“, sagt Matthias Koitzsch von der Planungsgemeinschaft Marienau (PGM).

Diese hohe Zahl ist nicht zuletzt den dauerhaften Bemühungen des Landschaftsplaners zu verdanken, lobt die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung. Seit gut zehn Jahren kümmert er sich im Rahmen des Wiesenvogelschutzprogramms des Landkreises darum, dass die Kiebitze überhaupt noch eine Chance auf den eigenen Fortbestand haben.

Fressfeinde: Marderhund, Fuchs und Waschbär

In der Echemer und Brietlinger Marsch sowie rund um den Artlenburger Windpark kennt er sich bestens aus: Wie jedes Jahr um diese Zeit prüft Matthias Koitzsch in diesen Gebieten, ob sich Kiebitzpaare zur Brut eingefunden haben. „Leider besiedeln die Kiebitze viele traditionelle Brutgebiete wie die Wittorfer Vogeley oder Brietlinger Marsch gar nicht mehr“, erklärt er. „Aber besonders in der Echemer Marsch haben sich 2021 wieder Gelege im zweistelligen Bereich gefunden.“

Dass dieses Jahr ein besonders gutes für die stark bedrohten Wiesenvögel in der Region ist, liegt auch an einigen Ackerflächen nördlich und östlich von Hittbergen. „Diese Bereiche haben wir in den vergangenen Monaten zum ersten Mal genauer unter die Lupe genommen“, verdeutlicht Koitzsch. „Wir hatten hier zwar teils Verluste bei den Kiebitzen durch Fressfeinde wie Marderhund, Fuchs oder Waschbär, aber unter anderem östlich von Sassendorf haben es mindestens zwölf Küken aus den dortigen rund zehn Gelegen vorerst geschafft.“

Nestschutz mit Kunststoffstangen

Neben Raubwild und sinkenden Wasserständen haben Kiebitze aber noch ein weiteres Problem, welches die Art spürbar bedroht. Anders als andere Vögel legen sie im Frühling ihre Eier nicht etwa in Baumkronen oder Hecken, sondern bevorzugen Äcker und Gründlandflächen. Problematisch: Landwirte würden die Gelege häufig übersehen, wenn sie mit ihren Fahrzeugen dort ihre Arbeit verrichten.

Damit das nicht mehr passiert, steckt Koitzsch entdeckte Nester mit weißen Kunststoffstangen ab. Die Landwirte sollen die Gelege nicht über- sondern um sie herumfahren. „Der Austausch mit den Landwirten läuft von Jahr zu Jahr besser. Dieser persönliche Kontakt ist auch langfristig enorm wichtig, um die Kiebitze in der Region weiter zu schützen“, sagt der Experte.

Wenn er ein Kiebitzgelege auf einem Acker sichtet, kontaktiert er den Landwirt und bespricht das weitere Vorgehen. „Teilweise müssen nur die Nester, teilweise ganze Ackerflächen abgesteckt werden.

Vogelschutz braucht Zusammenarbeit

Vom Landkreis erhalten die Landwirte dann einen finanziellen Ausgleich für die Bereiche, die sie nicht mit ihren Maschinen bewirtschaften können“, versichert der Landschaftsplaner. „Wir betreuen die Landwirte beim gesamten Prozess, zeigen ihnen und ihrer Familie die Gelege und schaffen so mehr Bewusstsein und Motivation, sich für die Vogelwelt auf den eigenen Flächen verstärkt einzusetzen.“ Denn klar sei auch: Nur durch diese feste Zusammenarbeit sind die stark bedrohten Wiesenvögel noch zu retten.

Vor diesem Hintergrund hat der Landkreis das Wiesenvogelschutzprogramm bereits 1993 ins Leben gerufen. Auf den untersuchten Flächen haben Wiesenbrüter wie Kiebitz und Brachvogel einige ihrer letzten zusammenhängenden Vorkommen in der Region. lz

Weitere Informationen zum Thema gibt es auch unter www.nabu.de im Internet.

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