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Mit seiner Spezialausrüstung macht sich Steven Kutzbach in Seen und Flüssen auf die Suche nach Verlorenem – und findet, was er sucht, in acht von zehn Fällen. (Foto: rg)

Ehering-Retter mit Metalldetektor

Es gibt Menschen, die sich nach verlorenen Dingen auf die Suche machen. Wenn sie denn aus Metall sind. „Ringfinder“ nennen sie sich, und kürzlich war einer von ihnen im Gartower See im Einsatz. Mit Erfolg.

Gartow. Es passiert öfter, als man denkt: Eine schnelle Schwimmbewegung beim Baden im See, ein unbedachter Handgriff beim Paddeln auf dem Fluss – und schon versinken Halsketten, Uhren oder anderer Schmuck in den Fluten. Nicht selten auch der Ehering, und spätestens dann wird es zum Drama. Denn neben dem oftmals erheblichen Materialwert haben gerade Trauringe einen emotionalen Wert, und der Verlust schmerzt mehr im Herzen als im Portemonnaie. Doch es gibt Hoffnung: Es gibt Menschen, die sich nach solchen verlorenen Dingen auf die Suche machen. Wenn sie denn aus Metall sind. „Ringfinder“ nennen sie sich, und am Montag war einer von ihnen im Gartower See im Einsatz. Mit Erfolg.

350 Schatzfinder bieten Dienste an

„Es ist unglaublich, was die Leute alles verlieren“, sagt Steven Kutzbach. Er ist mit seiner Frau Yvonne fast drei Stunden von Berlin aus nach Gartow gefahren, um im See nach einem Ring zu suchen, den ein Badegast am Südstrand verloren hatte. „Ein massiver Silberring, von seiner Frau zur Hochzeit selbst gefertigt. An so etwas hängt man natürlich“, sagt Kutzbach. Der Badegast, ein Mann aus Hannover, hatte ihn über das Internet gefunden, als „Ringfinder.eu“ firmieren er und 350 weitere Schatzsucher im Dienst der guten Sache dort.

Nur Aufwand muss bezahlt werden

„Wir suchen unentgeltlich, es muss nur der Aufwand bezahlt werden. Also in diesem Fall Spritgeld für die Tour Berlin-Gartow, denn leider haben wir keinen Ringfinder hier in Nordostniedersachsen“, sagt Steven Kutzbach. Hin und wieder ist der Aufwand auch größer, etwa vor einigen Monaten, als ein unglücklicher Ringverlierer einem anderen Ringretter sogar den Flug nach Teneriffa bezahlte, damit dieser dort einen Ring suchen konnte.

Steven Kutzbach sucht seit 15 Jahren nach dem, was andere verloren haben. Ein Video im Internet brachte ihn dazu, mittlerweile ist das Suchen und vor allem das Finden von Verlorenem seine große Passion. 50 verlorene Eheringe fand er allein im vergangenen Jahr, Dutzende weitere Schmuckstücke dazu – und jede Menge Dinge, nach denen er gar nicht gesucht hatte. „Alles, was wir finden und nicht zuordnen können, etwa durch Recherchen im Internet oder Nachfragen bei Behörden, geben wir im örtlichen Fundbüro ab“, betont Kutzbach. Dazu habe man sich als Ringfinder verpflichtet – außerdem wäre es je nach Bundesland, eine Ordnungswidrigkeit oder gar eine Straftat, solche Fundsachen einfach zu behalten, nämlich Fundunterschlagung.

Nach sechs Monaten erlischt das Besitzrecht

Wenn das, was Kutzbach beim Fundbüro abgibt, nach sechs Monaten keinen Besitzer gefunden hat, kann er Anspruch darauf erheben. „Wenn es sich um schöne oder wertvolle Dinge handelt, dann mache ich das auch“, sagt der Ringfinder. Noch heute trägt er seinen ersten „Beifang“, wie er es nennt, am Ringfinger: einen in den USA in einer staatlichen Münzanstalt geprägten Siegelring. „Bis heute weiß ich nicht, warum nach dem keiner suchte“, sagt Kutzbach.

Nach dem verlorenen Silberring im Gartower See muss der Ringfinder nicht lange suchen. Nach wenigen Minuten schlägt sein Metalldetektor an, zwei Züge mit einer aufgestielten Mischung aus Schaufel und Metallsieb später hält er das gute Stück in der Hand. Und noch ein paar Minuten später hat er den überglücklichen Besitzer am Telefon. „Dafür macht man das: für die Freude in der Stimme, wenn man die Leute anruft und ihnen sagt, dass man das, was sie verloren haben, gefunden hat. Für die Freude in den Augen, wenn man es ihnen persönlich übergeben kann“, lächelt Steven Kutzbach.

Auch Müll wird aufgesammelt

Nur wenig später steigt er noch einmal ins Wasser, nach der Pflicht kommt für ihn nun die Kür: Vom Grund heraufholen, was dort sonst noch so liegt. Oftmals Müll, nicht selten auch durchaus gefährlicher, Nägel etwa, Draht, scharfkantige Dosen. „Ich habe auch schon Rasierklingen gefunden, an Badestränden. Wer so etwas macht, der gehört eingesperrt“, sagt Steven Kutzbach. Und hin und wieder findet er auch etwas Wertvolles.

Allerdings nicht an diesem Spätnachmittag am Gartower See. „Der Strand hier ist sauber“, sagt er. Vermutlich, weil dort jemand anders regelmäßig auf die Suche gehe, glaubt er. Jemand, der das, was er findet, nicht abliefert. Und d er sich somit strafbar macht. Vom Leid derer, die das, was gefunden wird, verloren haben, ganz zu schweigen.

Von Rouven Groß

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