Montag , 5. Dezember 2022
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Gaetano Orlando hofft natürlich auf einen Sieg der Italiener. Susan Schütte stammt aus Liverpool und setzt auf England. (Fotos: be/t&w)
Gaetano Orlando hofft natürlich auf einen Sieg der Italiener. Susan Schütte stammt aus Liverpool und setzt auf England. (Fotos: be/t&w)

Mit Herzblut und Leidenschaft

Das Finale der Fußball-EM zwischen England und Italien wird für Susan Schütte und Gaetano Orlando zu einem besonderen Spiel. Sie leben seit Jahrzehnten in Lüneburg und Umgebung, fiebern jetzt mit ihren Geburtsländern mit.

Lüneburg/Südergellersen. Als England das letzte und bis dato einzige Mal im Finale eines großen Fußballturniers stand, war Susan Schütte, die damals noch Susan Turner hieß, gerade einmal sieben Jahre alt. 1966 war das. Wembley, Hurst, Wembley-Tor, um nur einige Stichworte zu diesem legendären WM-Endspiel gegen Deutschland zu nennen.

Jetzt greift das selbsternannte Mutterland des Fußballs am Sonntag gegen Italien erneut in Wembley nach der EM-Krone. "Jetzt sollen sie auch durchkommen und das gewinnen", sagt Susan Schütte. Sie wohnt in Südergellersen, lebt seit 40 Jahren in Deutschland und ist mittlerweile mit der doppelten Staatsbürgerschaft ausgestattet.

Liverpool, Fußballstadt Nummer 1

Susan Schütte stammt aus Liverpool. "Der Fußballstadt Nummer 1", wie sie stolz sagt. Dabei sei sie eigentlich gar kein so großer Fußball-Fan. "Außer bei Europa- und Weltmeisterschaften. Die schaue ich mir schon an." Grundsätzlich geht sie aber viel lieber auf den Dorfsportplatz von Südergellersen, um die Spiele des TSV Gellersen zu sehen. "Das ist ehrlich, das ist geerdet. Die feuern wir immer an", erklärt sie.

An diesem Sonntag aber freut sie sich auf das große EM-Finale gegen Italien. Schon im Halbfinale gegen Dänemark hat sie mitgefiebert: "Der Elfmeter, na ja, ich weiß nicht. Aber insgesamt war England schon besser."

England und Deutschland, beides ist für Susan Schütte Heimat

Im übrigen hätte sie sich auch gefreut, wenn Deutschland im Turnier so weit gekommen wäre. "Das Deutschland-England-Spiel habe ich sehr neutral verfolgt", erzählt sie, "ich konnte es ja beiden gönnen. Natürlich bleibt England meine Heimat und ich trage sie immer im Herzen. Aber auch Deutschland ist meine Heimat. Ich habe zwei davon. Das ist doch wunderbar."

Auch Gaetano Orlando lebt seit Jahrzehnten in Deutschland. "Ich wohne seit 1984 in Lüneburg", sagt der italienische Gastronom und Fußball-Fan (AC Milan). Er stammt aus der Region Apulien.

Trotz der Siegesserie war er sich vor dem Turnier nicht sicher, wie er das Leistungsvermögen der italienischen Mannschaft einschätzen sollte. "Wir hatten viele Spiele gewonnen. Aber die richtig schweren Tests waren ja wegen Corona ausgefallen. Ich wusste nicht genau, was da bei der EM zu erwarten war", erklärt er.

Gaetano Orlando begeistert von kompaktem italienischen Team

Dann startete die Squadra Azurra richtig durch. "Wir haben im Moment vielleicht nicht die großen Stars im Team. Aber wir haben eine kompakte Mannschaft. Sie hat Freude am Zusammenspiel", lautet seine treffende Einschätzung.

Spricht man ihn auf das Halbfinale der Italiener gegen Spanien an, atmet er erst einmal durch. Dann sagt er: "Das war wirklich hart. Spanien war richtig stark, hat 90 Minuten Druck gemacht."

Auch das Endspiel dürfte nicht weniger nervenaufreibend werden. Vor allem ein Engländer hat es Gaetano Orlando angetan: Raheem Sterling. "Der ist so unglaublich schnell", schwärmt er, "wenn er an den Ball kommt, ist er kaum zu stoppen. Wenn wir den Titel holen wollen, muss unsere Abwehr ihren Job machen."

Raheem Sterling größte Gefahr für Italien

Nun ist die Defensive seit Jahrzehnten eine Kernkompetenz italienischer Nationalmannschaften. Und mit Giorgio Chiellini und Leonardo Bonucchi steht auch diesmal wieder ein Innenverteidiger-Duo der Weltklasse zur Verfügung.

Gaetao Orlando hätte übrigens lieber Deutschland als Endspielgegner gehabt. Weil er in Deutschland lebt, aber vielleicht auch, weil es dann für Italien leichter gewesen wäre. Trotzdem ist er zuversichtlich. Sein Tipp? "2:1 für Italien. Nein, lieber 3:1, damit ich am Ende nicht mehr so lange zittern muss."

Das Finale Italien gegen England scheint völlig offen. Sicher ist, dass es Susan Schütte und Gaetano Orlando mit Herzblut und Leidenschaft verfolgen werden.

Von Matthias Sobottka

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