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Die neuen Lüneburger und Lüneburgerinnen haben einige Vorschläge, was man an der Stadt verbessern könnte. (Foto: be)

Was würdest Du an Lüneburg verändern?

Die LZ hat die Teilnehmer der Dialog-Recherche „Wir sind die Neuen“ gefragt, was sie an Lüneburg am meisten stört – und was sie daran ändern würden, wenn sie könnten.

Lüneburg. Auf die Anregungen der Neuen und ihre Ideen für Veränderung haben auch Stadt und Landkreis reagiert. Hier ist eine Auswahl:

Touristen länger in Lüneburg halten

Tobias Heckmann

Tobias Heckmann: „Schön wäre es, wenn man irgendwie die Tagestouristen von der Rote-Rosen-Fraktion länger hier halten könnte. Ich finde, dass Rote Rosen Lüneburg medial bekannt gemacht hat, man nun aber stagniert.“

Antwort der Stadt: „Die Pandemie hat es vielen Branchen schwer gemacht und ist auch noch nicht überwunden. Das muss man sicherlich erstmal abwarten, bis man Aussagen zu Stagnation treffen kann. Aber klar ist auch, dass die Hansestadt Lüneburg und die Umgebung noch viel mehr zu bieten haben. Und es arbeiten viele Beteiligte daran, die Vorzüge auch für einen längeren Aufenthalt hier in Stadt und Region ins richtige Licht zu rücken.“

Kein Verständnis für einen dritten Coca-Cola Brunnen

Janina Lux

Janina Lux: „Ich habe hier in Lüneburg durch die Initiative ‚Unser Wasser‘ und jetzt auch in den Medien (Spiegel, Frontal usw.) gehört, dass Lüneburg einen weiteren Brunnen für Coca-Cola freigeben möchte, es im Gespräch ist – und zumindest bisher nicht abgelehnt. Dabei dachte ich, dass Lüneburg als Stadt und auch mit dem Nachhaltigkeitskonzept der Universität ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung hat. Ich bin fassungslos und würde das sofort ändern.“

Antwort des Landkreises: „Der Landkreis hat noch keinen Erlaubnisantrag von Apollinaris Brands vorliegen und daher auch noch keine Entscheidung getroffen. Der Ausgang ist also vollkommen offen. Grundsätzlich muss sich der Landkreis bei dem Verfahren nach Gesetzen von Bund und Land richten. Er hat allerdings gegenüber dem niedersächsischen Umweltministerium deutlich gemacht, dass er für die Bearbeitung von Antragsverfahren zur Wasserentnahme aktuellere Daten zur Grundwasserneubildung und zum sogenannten Dargebot, also zu den vorhandenen Wassermengen, benötigt.“

Kritik an der Radverkehr-Infrastruktur

Friederike Orth

Friederike Orth: „Was mich echt stört sind die schlechten Radwege, bzw. Ein fehlendes Radverkehrsnetz. Da ist alles gefühlt in den 80ern stehengeblieben. Lüneburg ist zu klein für die vielen Autos hier. Ich würde sehr viele Straßen zu Einbahnstraßen machen und daneben richtig gute breite Radwege anlegen (evtl. auch für Busse befahrbar), damit Autofahren in der Stadt unattraktiv wird. Es wäre gut für die Menschen, das Klima und würde Lüneburg viel attraktiver machen!“

Jonas Korn

Jonas Korn: „Am meisten stört mich, dass sich Lüneburg nach wie vor am Leitbild einer autogerechten Stadt orientiert, statt große Schritte zu einer Verkehrswende zu gehen. Das ist nicht nur aufgrund von Flächen- und Ressourcenverbrauch ärgerlich, sondern natürlich vor allem wegen der Klimakatastrophe. Aber auch, weil damit so viel Lebensqualität einer leiseren, gemütlicheren, sichereren Stadt verunmöglicht wird. Wie schön könnte es sein...“

Theresa Berghof

Theresa Berghof: „Ich habe vorher in einer viel größeren Stadt gewohnt in der man sowohl mit ÖPNV, Fahrrad und auch zu Fuß entspannt von A nach B kam. In Lüneburg sind die Wege vergleichsweise kurz, aber es macht leider wenig Spaß mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein, weil die Wege viel zu schmal sind. Ich würde so gern einfach entspannt nebeneinander Fahrrad Fahren oder Spazieren gehen! Wenn ich etwas verändern könnte dann würde ich dem Umweltverbund deutlich mehr Platz geben, damit Lüneburg den Menschen gehört die in ihr leben.“

Antwort der Stadt: „Das Verkehrsthema und gerade auch der kritische Blick von Radfahrerinnen und Radfahrern spielt aktuell eine große Rolle. Unser Verkehrsdezernent, Markus Moßmann, hat gerade erst in einem Live-Interview mit LZ-Autor Hans-Herbert Jenckel Stellung bezogen zu vielen verschiedenen Fragen. (Das Interview ist auf www.landeszeitung.de zu finden.) Dabei hat er ausführlich dargelegt, welche Grundlagen die Hansestadt beschlossen hat und abarbeitet – die Radverkehrsstrategie 2025 aus dem Jahr 2018 und die 2019 beschlossenen Leitbilder 2030+, die klare Ziele benennen, die über die Sanierung einzelner Radwegeabschnitte hinausgehen. Außerdem hat er geschildert, wie wichtig darüber hinaus die Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden, dem Landkreis Lüneburg (Radverkehrskonzept Landkreis Lüneburg) und der Metropolregion Hamburg (Radschnellwege) ist – denn Radfahrstrecken hören nicht an den Stadtgrenzen auf.

Wir denken übrigens nicht, dass Lüneburg in den 1980er-Jahren stehen geblieben ist, und wer hier in der Stadt Auto fährt, wird auch eher nicht den Eindruck haben, dass Lüneburg eine Auto-Stadt ist. Richtig ist, dass es in unserem historischen gewachsenen und räumlich überschaubaren Stadtgebiet kein leichtes Unterfangen ist, die Bedürfnisse von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern am Verkehr nebeneinander zu erfüllen. Wir können nicht ausschließlich die Bedürfnisse von Radfahrerinnen und Radfahrern berücksichtigen, sondern müssen alle Menschen in der Stadt im Blick haben, also auch jene, die nicht so mobil sind. Ebenso müssen wir auch die Notwendigkeiten von Rettungsdiensten, Notarzt und Feuerwehr berücksichtigen, also die Wege zum Krankenhaus und von dort in die Fläche. Auch unter diesem Aspekt ist die Idee von Hauptverkehrsstraßen als Einbahnstraßen zu bewerten – wie soll ein Krankenwagen noch möglichst schnell nach, zum Beispiel, Wendisch Evern kommen. Die Diskussion über die Nutzung von (Verkehrs-)Räumen ist wichtig, und sie wird nicht nur in dieser Stadt engagiert geführt. Es ist aber wichtig alle dazu zu hören. Daher haben wir auch Befragungen initiiert, einzusehen auf www.lgmobil.de.

Anregungen für die Innenstadt-Belebung

Sophie Doyen

Sophie Doyen: „Zum Ausgehen und Shoppen würde ich die Innenstadt verändern: Barbershops und Handyläden verbieten, preiswertere Miete anbieten, weitere Marken-Geschäfte für den Tourismus an Land ziehen. Und Starbucks brauchen wir auch.“

Antwort der Stadt: „Verbote sind gewerberechtlich oftmals gar nicht möglich und zur Ansiedlung bestimmter Unternehmen gehören immer mindestens zwei oder drei. Aber wir koordinieren aktuell verschiedene Unterstützungen für die Innenstadt, die unter der Pandemie-Situation ächzt, siehe Innenstadtbeirat sowie die Aktivitäten des Innenstadtbüros. Andere Beispiele sind die drei im Mai beschlossenen Förderrichtlinien, das Re-Act-Programm, an dem wir arbeiten oder auch die am 4. Juli wieder neu gestartete Aktion Treue-Bonus. Ziel aller Bemühungen ist es, die Innenstadt attraktiv zu halten – für Einheimische wie für Gäste. Das kann aber auch nur dann funktionieren, wenn möglichst viele Akteurinnen und Akteure zusammenwirken und wenn dann auch genügend Kundinnen und Kunden die Angebote nutzen.“

Ideen für weniger Müll auf Grünanlagen

Friedrich Laatz: „Mich stört die Vermüllung von Grünanlagen und Wegen. Je weiter aus der Innenstadt ich mich entferne, um so größer die Müllflut. Die AGL ist m. E. am Ende ihrer Möglichkeiten. Mit deren Ressourcen geht vermutlich nicht mehr. Parallel gibt‘s aber viele Menschen, die beim Spazieren, Joggen oder Hunde ausführen privat aufsammeln. Das könnte die Stadt unterstützen mit Aktionen und mehr gemeinsamen, regelmäßigen stadtweiten Sammeltagen. Nicht nur einmal im Spätwinter mit einer Sammelaktion von drei Stunden pro Stadtteilhaus an einem Samstagvormittag. Das ist viel, viel zu wenig. Vier mal im Jahr wäre ein guter Anfang für Veränderung! Menschen mit Hinweisen zu überzeugen, die Vermüllung zu unterlassen, halte ich für sinnlos. Stattdessen sollten Sammelwillige unterstützt werden und Vergehen stärker kontrolliert und geahndet werden. Und wie wäre es z. B. mit einem Müllbeauftragten für die Stadt?“

Friedrich Laatz

Antwort der Stadt: „Die Vermüllung ist leider ein Gesellschaftsproblem und in den Sommermonaten natürlich immer besonders auffällig. Inwieweit ein Müllbeauftragter helfen könnte, erschließt sich uns so nicht. Um den Müll zu melden, bietet die Hansestadt Möglichkeiten, zum Beispiel über das Portal „Sag‘s uns einfach“, erreichbar über die städtische Homepage. Jeder und jede ist aber herzlich aufgefordert über die jeweiligen Ortsvorsteher/innen und Ortsbürgermeister/innen sowie über die Quartiersmanager/innen und Stadtteilrunden weitere Müllsammelaktionen anzuregen und zu unterstützen.“

Kritik am Aufgang zum Bahnhof

Laurenz Gottstein: „Als Pendler nervt es mich immer wieder, dass es am Bahnhof nur diesen einen Treppenaufgang zur Stadtseite hin gibt, wenn man aus der Unterführung kommt. Da ist es immer zu eng, der einzige Fahrstuhl ist gefühlt ständig kaputt und so oft stand ich schon minutenlang in dem Tunnel im Stau. Perfekt wären Treppen direkt zu den Straßenunterführungen auf beiden Seiten, das wäre ein Traum und würde die Wege vereinfachen.“

Laurenz Gottstein

Antwort der Stadt: „Es gab früher mal einen weiteren Zugang, der aber aus Sicherheitsgründen von der Bahn geschlossen wurde. Das ist zwar lange her, zeigt aber, dass natürlich das Thema Sicherheit – neben anderen – immer eine Rolle spielt. Die Hansestadt und die DB haben kürzlich ein so genanntes Memorandum of Understanding vereinbart, das war auch im März Thema im Rat. Ziel ist, ein umfassendes Konzept zu erarbeiten und die verschiedenen Wünsche und Anforderungen (verkehrlich, stadtgestalterisch, architektonisch und freiraumplanerisch) miteinander in Einklang zu bringen, denn der Bahnhof ist eine echte Mobilitätsdrehscheibe.“

Fehlende Krippenplätze

David Gohla: „Größtes Problem ist eigentlich die Situation mit den fehlenden Krippenplätzen bzw. den Kosten dafür. In Hamburg waren 5 Stunden für alle Kinder pro Tag kostenlos, also auch die Unter-3-jährigen. Das hat natürlich auch das Angebot erweitert.“

Antwort der Stadt: „Das ist eine Landesentscheidung, die Hamburg für sich getroffen hat, Niedersachsen aber so nicht. Hier sind die Kita-Plätze, also die für Kinder über 3 Jahre, für Eltern kostenfrei. Auch wenn die Kosten für Eltern natürlich ein gewichtiger Faktor sind, ist es die Qualität sicher genauso. Gerade am Donnerstag sind im Jugendhilfe-Ausschuss interessante statistische Zahlen zur Personalsituation vorgestellt worden, wonach 97 Prozent der Kräfte, die in unseren städtischen Kitas in den Gruppen arbeiten, ausgebildete Erzieher/innen sind – man darf also nie nur auf die Gebühren schauen, sondern muss das Gesamtpaket sehen.“

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