Montag , 5. Dezember 2022
Anzeige
Joachim Raaf und sein portugiesischer Tierschutz-Hund Eddie: „Zuerst wollte er sich gar nicht auf mich einlassen und jetzt sind wir ein Herz und eine Seele.“ (Foto: privat)
Joachim Raaf und sein portugiesischer Tierschutz-Hund Eddie: „Zuerst wollte er sich gar nicht auf mich einlassen und jetzt sind wir ein Herz und eine Seele.“ (Foto: privat)

Rote Rosen: Von Lüneburg aufs Ländle

Er war der Frauenschwarm in der ersten Staffel der "Roten Rosen". Auch heute ist Raaf noch regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Privat aber sucht er keine Aufmerksamkeit und hat sich in ein 1000-Einwohner-Dorf zurückgezogen.

Lüneburg. Als Petra Jansen (Angela Roy) am 50. Geburtstag ihres Mannes Thomas (Gerry Hungbauer) erfährt, dass dieser ein Verhältnis mit einer jüngeren Frau hat, bricht für sie eine Welt zusammen. Doch dann kehrt ihre Jugendliebe nach Lüneburg zurück. Es knistert gleich wieder zwischen ihr und Nick Bergmann (Raaf). Der attraktive Arzt ist jedoch nicht ungebunden. Seine psychisch labile und äußerst eifersüchtige Frau Lynn (Caroline Grothgar) macht es Petra und Nick nicht leicht. Bis zum Happy End nach 200 Folgen gibt es einige Hürden zu überwinden.

Als männlicher Hauptdarsteller der ersten Staffel war Raaf ein Frauenschwarm. Im privaten Lebenslauf des 61-Jährigen hingegen findet man wenige Liebesgeschichten. Doch seit einigen Monaten ist ein treuer Gefährte an seiner Seite: Podenco-Mix Eddie und sein Herrchen sind ein Herz und eine Seele. „Ich bin sehr glücklich, dass ich wieder einen Hund habe“, sagt der Schauspieler, und seine grünbraunen Augen strahlen. Das Landleben hat es möglich gemacht: Anfang des Jahres zog Raaf von München aufs Ländle. In einem 1000-Einwohner-Dorf auf der schwäbischen Alb hat seine Nichte ein 100 Jahre altes Haus gekauft. „Ich bin Single und habe keine Kinder. Jetzt lebe ich in einem Mehrgenerationenhaus.“ Nach 25 Jahren München hatte der gebürtige Heilbronner genug vom Großstadtleben.

Liebe zur Natur

In die Natur zog es Raaf schon immer. Nach dem Abitur und seiner zweijährigen Militärzeit bei den Gebirgsjägern absolvierte er zunächst ein Studium der Forstwirtschaft in Freiburg. Durch sein Hobby Tanzen kam er zum Musical, da war er 26 und schnupperte zum ersten Mal Theaterluft. „Tanzen war meine Leidenschaft. Aber mit 30 hören die meisten Tänzer ja schon wieder auf.“ So entschied er sich für den Schauspielberuf und spielte nach seiner Ausbildung zunächst einige Jahre am Theater, bis er beim Fernsehen landete. Das Privatleben blieb dabei auf der Strecke. In dem Alter, in dem andere eine Familie gründen, war Späteinsteiger Raaf gerade auf der Schauspielschule. Und bei den darauffolgenden Theaterengagements war das Geld immer knapp. „Ich bin ein sehr verantwortungsvoller Mensch, vielleicht auch ein bisschen konservativ. Mit 1900 Mark brutto gründest Du keine Familie.“

Zu Angela Roy hat er bis heute lockeren Kontakt

Regisseurin Petra Wiemers holte den damals 46-Jährigen zu den Roten Rosen. Sie war der Meinung, Raaf passe für die Rolle des Nick, der ursprünglich Ben heißen sollte, wie die Faust aufs Auge. Serienerfahrung hatte er bereits bei „Verbotene Liebe“ gesammelt. Zu Angela Roy hat er bis heute lockeren Kontakt, man trifft sich auf Events oder mal auf einen Kaffee. Voll des Lobes ist er über Caroline Grothgar, die damals seine Frau Lynn spielte und die leider nur noch selten auf deutschen Fernsehschirmen zu sehen ist. Und eine enge Freundschaft verbindet ihn bis heute mit Katrin Pollitt, die bei den Rosen als Dialogue-Coach für die korrekte (Aus-)Sprache der Darsteller zuständig war. Die 54-Jährige ist heute als patente Putzfrau und Hobby-Detektivin Gudrun in der ARD-Serie „Die Kanzlei“ einem breiten Fernsehpublikum bekannt.

An Lüneburg schätzte er die Altstadt

„Ich bin sehr froh und dankbar darüber, dass ich als Schauspieler die Chance hatte, so etwas wie Rote Rosen mit aus der Taufe zu heben.“ Das ist es, was Raaf am meisten mit seiner Zeit in Lüneburg verbindet. Auch habe er die schöne Altstadt genossen und gerne ein Bier im Brauhaus Mälzer getrunken. Dass die Figur des Nick Bergmann nach 200 Folgen auserzählt war und nie wieder auftauchte, stört ihn nicht. „Schließlich stehen bei den Rosen die Frauen im Vordergrund. Ich war ja eher im Hintergrund“, räumt er bescheiden ein. Die großen Rollenangebote blieben nach dem Rosen-Engagement aus. Episodenrollen im Tatort, bei „In aller Freundschaft“, „Der Landarzt“, Inga Lindström und diversen Ablegern der SOKO-Krimireihe. In "SOKO Hamburg" war er Anfang des Jahres zu sehen, in diesen Tagen dreht er "WAPO Bodensee".

Mundart-Produktionen

Seine besondere Liebe gilt den Mundart-Produktionen. In der SWR-Serie „Die Kirche bleibt im Dorf“ (2013 bis 2017) und in sechs Folgen „Der letzte Wille“ (ebenfalls SWR, 2020) durfte Raaf nicht nur seine humorvolle Seite zeigen, sondern auch nach Herzenslust schwäbeln. Ins Schwärmen gerät er auch, wenn er von „Culpa“ spricht, einem Zweipersonenstück, in dem er an der Seite von Janna Striebeck spielte. Der Film, der 2020 erschien, erhielt im Ausland zahlreiche Preise, kam jedoch in Deutschland nie in die Kinos. Raaf nimmt auch das gelassen. „Ich bin jetzt 61, da lässt man es auch einfach mal laufen“.

Mit Hund und Nichte im Mehrgenerationenhaus auf dem Dorf, eine Handvoll gute Freunde, ab und zu mal ein Dreh irgendwo in Deutschland - eigentlich fehlt ihm nichts. Wirklich nichts? „Na ja, manchmal hätte ich schon gerne jemanden zum Anlehnen“, gibt er zu.

Von Ruth Heume

Kommentare

Sie wollen die Kommentare unter diesem Beitrag lesen und kommentieren?
Dann werden Sie LZ+-Abonnent. Informationen zum Digital-Abo der LZ finden Sie hier.