Mittwoch , 30. November 2022
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Jessica und Mirko Kästner aus Hamburg zeigen, was in ihrer „Betty“, einem alten Ford Mustang, steckt. (Foto: phs)

US-Cars erobern den Reihersee

Die Resonanz übertraf selbst die kühnsten Erwartungen des Organisators: Zur Premiere des US-Car-Treffens am Reihersee kamen rund 200 Fans mit ihren Fahrzeugen. Zu den skurrilsten Hinguckern zählten ein umgebauter Schulbus und ein Leichenwagen.


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Die Resonanz übertraf selbst die kühnsten Erwartungen des Organisators: Zur Premiere des US-Car-Treffens am Reihersee kamen rund 200 Fans mit ihren Fahrzeugen. Zu den skurrilsten Hinguckern zählten ein umgebauter Schulbus und ein Leichenwagen.

Brietlingen. „Mit so zehn Autos habe ich gerechnet. 50 waren nur ein Traum“, sagt Kai Haeder. Gekommen sind am Sonntag aber rund 200 Fans mit ihren Fahrzeugen „made in the USA“. „Das ist einfach nur irre“, freut sich Haeder über den Erfolg des von ihm organisierten ersten US-Car-Treffens am Reihersee.

„Unterstützung“ erhält Haeder vom Wetter. Noch vor zwei Tagen hatten Meteorologen 95 Prozent Regenwahrscheinlichkeit vorhergesagt. Doch am Sonntag lockt das sonnige Wetter mehrere Hundert Zuschauer an den Reihersee. Sie können über reichlich Blech und Chrom staunen. Und ab und zu auch hören, was die Faszination vieler US-Cars ausmacht: großvolumige Motoren, in der Regel fette 8-Zylinder mit einem speziellen Sound, der im aufkommenden E-Auto-Zeitalter wie ein Anachronismus klingt.

Vom Mustang bis zum Camaro ist alles vertreten

Zwischen dem Gebrabbel der Motoren gibt es reichlich Gesabbel. Wer, was, wie und warum am Auto geändert hat. Oder auch alles original gelassen hat. Und ob das Auto einen Namen erhalten hat. Bei einem schwarzen Ford Mustang, Baujahr 1968, ist das keine Frage: Der Schriftzug „Betty“ prangt auf dem Kotflügel. Besitzer Mirko Kästner und seine Frau Jessica haben das Auto 2019 gekauft. „Wir sind froh, dass wir nach dem langen Lockdown endlich mal an einer solchen Veranstaltung teilnehmen können“, sagt Mirko Kästner. Für ihn war die Anreise kurz, er kommt aus Hamburg.

Aus dem gesamten norddeutschen Raum sind Fans mit ihren Fahrzeugen gekommen. Das Angebot für Auge und Ohr ist groß. Sehr viele Ford Mustang sind dabei, seit 1964 gebaut und Inbegriff des Pony Car. Darunter versteht man für damalige US-Verhältnisse eher kleine Cabrios oder Coupés mit großen Motoren, entsprechend langer Motorhaube und kurzem Heck. Aus fast allen Baureihen sind solche Mustang zu sehen.

Pick-Ups von Dogde Ram bis Ford

Dazwischen gibt es jede Menge Chevrolet Camaro, Corvette C3, Stingray, Dogde Challenger aber auch seltenere Autos wie den alten Dodge Charger mit Klappscheinwerfern und ein Buick Riviera. Oder ein schönes Oldsmobile Cabrio. Nicht fehlen dürfen bei einem Treffen von US-Car-Fans natürlich Pick-Ups. Von Dogde Ram bis Ford sind einige dabei. Auch ein Hummer H1 mit LG-Kennzeichen rollt zum Reihersee – und sorgt für Staunen. Denn der H1 ist ein Geländewagenmodell des US-Militär-Herstellers AM General. Und sehr viele H1 im Privatbesitz gibt es nicht in Deutschland.

Noch seltener dürfte ein Chevrolet Leichenwagen sein, natürlich in Schwarz und mit reichlich Chrom-Zierrat. Fast ganz ohne Chrom kommt ein alter, natürlich gelber Schulbus aus. „Den habe ich zehn Jahre lang als Wohnmobil genutzt“, sagt Ingo Sillus. Das ist ein 1979er-International, klärt der Mann aus Neu Gülze auf. International sei einer der größten Hersteller von Nutzfahzeugen.

Ein Bus für Seminare

Nutzen will Sillus den Bus jetzt als „Seminar Bus“. Er hat den gesamten Innenraum in jahrelanger Arbeit umgerüstet. Im Heck ist ein Bildschirm montiert, davor mehrere Reihen mit Schulbänken und Tischen. „Man kann die Tischplatte hochklappen, darunter ist Platz für Schulungsunterlagen“, sagt er. „Das ist sozusagen die Premiere, ich hoffe, dass ich bald Aufträge bekomme und zum Beispiel Firmen meinen Bus mieten wollen.“ So etwas sei ja besser, als online irgendwo geschult zu werden, sagt der Mann mit Overall, langen Haaren und Vollbart grinsend.

Kai Haeder kommt zum Schulbus. Und grinst ebenfalls. „Einfach irre“, sagt er erneut. „Vielleicht kommen zum nächsten Treffen am 15. August auf dem Schützenplatz in Bardowick ja noch mehr Fans“ – falls Corona keinen Strich durch die Rechnung macht. Man sieht ihm an, dass sich der Organisations-Stress gelohnt hat. Und vielleicht werden Reihersee oder Bardowick bald fester Bestandteil solcher US-Car-Treffen im norddeutschen Raum.

Von Werner Kolbe

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