Sonntag , 4. Dezember 2022
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Dorfstraße in Echem
Die Veränderungssperre stoppt die Pläne für das alte Bauernhaus an der Dorfstraße in Echem. (Foto: be)

Altdorf in Echem soll seinen Charakter behalten

Stadtvillen sind modern. Aber sie passen nicht ins Altdorf von Echem mit seinen Bauernhäusern. Das findet der Rat, der sich einstimmig für einen Bebauungsplan zum Erhalt des Dorfbildes ausspricht.

Echem. Wie soll das Gesicht des Echemer Altdorfes in Zukunft aussehen? Diese Frage treibt den Rat um, der schon eine Antwort gefunden hat. Einstimmig haben die Gemeindevertreter beschlossen, den Bebauungsplan Nr. 11 „Altdorf“ für den historischen Ortskern aufzustellen, um den dörflichen Charakter zu erhalten. Stadtvillen oder Wohnblocks sind dort nicht gewünscht. Bislang gibt es keinen Bebauungsplan (B-Plan).

Veränderungssperre für zwei Jahre

Bis der künftige jedoch gilt, hat der Rat eine Veränderungssperre für den betroffenen Bereich mit rund 20 Anwesen erlassen. Für zwei Jahre, mit der Option, diese zu verlängern. „Kein Eigentümer darf in dieser Zeit an seinem Gebäude etwas verändern, es abreißen, einen Neubau auf dem Grundstück errichten ohne ausdrückliches Einverständnis der Gemeinde und des Landkreises Lüneburg als Baugenehmigungsbehörde“, erläutert Bürgermeister Harald Heuer (CDU).

Der Beschluss birgt wegen der weitereichenden Folgen für Eigentümer Konfliktpotenzial im Dorf. Albert Soltau ist der erste Hausbesitzer, den die neue Regelung direkt und aktuell betrifft, die Pläne für sein Haus an der Dorfstraße 8 nun durchkreuzt. „Das ist schon fast so etwas wie eine Enteignung“, kritisiert er den Rat, vor allem für die Veränderungssperre. Er hält diese für einen Schnellschuss und unüberlegt.

Sanierungsstau von 60 bis 70 Jahren

Hintergrund ist, dass er vor Jahren das alte Bauernhaus an der Dorfstraße gekauft hatte, dieses für sich und seine Tochter als Wohnhaus herrichten wollte. Doch die Sanierung sei wirtschaftlich nicht mach- und darstellbar, sagt er.

Ein Architekt habe das 1890 errichtete Gebäude unter die Lupe genommen und sei zu diesem Ergebnis gekommen. „Immerhin gibt es einen Sanierungsstau von 60 bis 70 Jahren. Das Haus steht kurz vor dem Verfall“, berichtet Soltau, der aufgrund der Expertise des Architekten seine Pläne änderte. Er will verkaufen.

Ratsbeschluss stoppt Vorhaben

Der Notartermin für den Verkauf von Haus und Grundstück an einen Bauträger sei schon fix gewesen, erklärt der Echemer. Der Ratsbeschluss stoppt das Vorhaben abrupt. Geplant sei gewesen, dass der Bauträger das alte Gebäude abreiße und stattdessen drei Doppelhäuser auf dem Grundstück errichtet. „Ein Haus wollten wir ihm abkaufen, für uns zum Wohnen“, sagt er.

In der Beschlussvorlage des Rates heißt es: „Es kann aber passieren, dass bei den Käufern dieser alten Objekte der Wunsch nach Neubauten entsteht, der dem Charakter des Altdorfes nicht entspricht (Stadtvilla, Toskana-Haus, Wohnblock).“ Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, bestehe die Möglichkeit, einen B-Plan über das Altdorf zu legen, erläutert der Bürgermeister.

Mehrere Bauernhäuser vor möglicher Umnutzung

In diesem könnten Regelungen aufgenommen werden, die wirtschaftlich aber auch städtebaurechtlich das Dorfbild erhalten. Zumal es sich abzeichne, dass in den kommenden Jahren weitere große alte Bauernhäuser im Dorfkern vor der Umnutzung oder dem Verkauf stehen könnten, verdeutlicht Heuer.

Ob das Projekt an der Dorfstraße dem Charakter des historischen Altdorfes entspreche, das wisse die Gemeinde nicht, erklärt er. „Wir haben die Gestaltung der Häuser noch nicht gesehen.“

Jedenfalls solle die zunächst einmal erlassene Veränderungssperre keine ruinöse Situation für die Besitzer heraufbeschwören. „Wir greifen mit dem Instrument zwar schon in das Eigentum ein, doch wir sind zu Ausnahmen bereit, beispielsweise, wenn uns Gutachten von Bausachverständigen vorgelegt werden, die zeigen, dass eine Sanierung der alten Bausubstanz wirtschaftlich nicht machbar ist und sich Neubauten architektonisch einpassen.“

Kritik an Vorgehen

Die Tochter von Albert Soltau, Alexandra Soltau, kritisiert die Veränderungssperre. „Es ist nicht gut, wenn Leute ausgebremst werden, die sich Gedanken darüber machen, wie es im Altdorf weitergehen kann. Zumal, wenn seitens der Gemeinde kein eigenes Konzept dafür vorliegt“, sagt sie.

Von Stefan Bohlmann

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