Samstag , 3. Dezember 2022
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Prof. Dr. Torsten Faber
Prof. Dr. Torsten Faber ist Experte für Windkraft. Der Lüneburger sieht künftig in Windrädern aus Holz ein großes Potenzial. Auf dem Tisch steht allerdings eines aus dem Spielzimmer. (Foto: jj)

Windräder aus Holz

Wind und Wetter sind das Thema von Torsten Faber, der 56-Jährige ist Experte für Windenergie. Der Lüneburger lehrt und forscht als Professor an der Hochschule Flensburg, Leiter des Instituts für Windenergietechnik. Und er glaubt an Windräder, die nicht aus Stahl und Beton sind, sondern aus Holz und an fair geplante Windparks.

Lüneburg/Flensburg. Wo die langen Lulatsche den Wind quirlen, ist der Ärger nicht weit. In Niedersachsen würde gegen 80 Prozent der geplanten Windkraft-Anlagen geklagt, sagte unlängst Umweltminister Olaf Lies. Das verlängert die Genehmigungsdauer und bremst das Ziel der Bundesregierung aus, bis 2030 dann 65 Prozent am Strommix aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Windkraft ist der Treiber. Und Windräder aus Holz hätten einen weit aus besseren ökologischen Fußabdruck, sagt Faber.

Windräder aus Holz? Knicken die nicht im ersten Sturm um wie ein Strohhalm? fragt sich der Laie. Faber sagt: „Das tun die Bäume ja auch nicht. Im Gegenteil, sie reagieren weitaus cleverer auf die ständige Belastung durch Wind und Flaute.“ Bis zu einer Milliarde sogenannter Lastwechsel müsse ein Windrad in 20 Jahren Betriebsdauer aushalten. Holz hat da eindeutig das bessere Dämpfungsverhalten. „Wie eine Schaukel, die schwingt in ihrer eigenen Frequenz. Und Holz kommt schneller zur Ruhe als Stahl oder Beton.“

Das Problem mit den Fasern

Eine Hürde beim Holz ist die Faserrichtung. „Längs der Faser trägt das Holz gut, quer schlecht,“ sagt der Professor. Kurzum: Holz ist anders als Stahl kein homogener Baustoff. Das wird er erst, wenn man die Holzschichten quer zueinander verleimt, sagt der Experte. Noch besser sei Schichtholz aus Buche. Die Buche habe zwar einen hohen Drehwuchs. „Aber man kann die Jahresringe einzeln abtrennen und verleimen und hat so einen fast homogenen Werkstoff.“

Bisher allerdings dreht sich seit 2012 nur ein Prototyp in Hannover, der „TimberTower“. Und weil es keine Erfahrungen mit Holz gab, wurde er überdimensioniert und teuer. „Angstzuschläge. Bevor der Stand der Forschung der Stand der Technik wird, braucht man viel Erfahrung.“ Die Firma ging in Insolvenz.

Beim Wind geht es auch um viel Geld

Faber sieht im Holz trotzdem ein riesiges Potenzial in der Branche, in der es nicht nur um viel Wind, sondern um noch mehr Geld geht. „Übliche Räder liefern 3 bis 5 Megawatt. Und ein Megawatt kostet beim Bau über den Daumen eine Million Euro.“ Die wesentlichen Kostentreiber seien Turm und Rotor, da liege auch das größte Einsparpotenzial. Gesucht sind mutige Investoren und ein innovativer Anlagenbauer, der in der Produktion auf Holz umschwenkt.

Um die Akzeptanz von Windparks zu erhöhen, hat Faber mit seinem Institut für die Landesregierung in Schleswig-Holstein einen Leitfaden entwickelt: “Faire Windparkplaner Schleswig Holstein“. Mittlerweile wird das auch zertifiziert. Kernpunkte des Siegels: Transparenz, klare Bürger-Information, was geplant wird, Verträge, die nicht versteckte Ausstiegsklauseln haben, Vorteile für die Region über Steuereinnahmen hinaus, mehr Arbeitsplätze und für Betroffene die Chance, sich zu beteiligen. „Wenn ein Rotor Schatten im Garten wirft, aber jeder Schatten 50 Cent fürs Sparschwein bedeutet, gewinnt man vielleicht ein anderes Verständnis.“

In Niedersachsen wird zurzeit auch über Windparks in Wäldern diskutiert. Da sagt Faber nachdenklich: „Der Standort ist ganz wichtig. Wer aber im Wald baut, der muss, um richtig in den Wind zu kommen, höher bauen. Das ist teuer und erhöht sicher nicht die Akzeptanz.“

Einen Podcast mit Professor Torsten Faber finden Sie auf www.blog-jj.com/podcast-2120.

Von Hans-Herbert Jenckel

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