Sonntag , 4. Dezember 2022
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Im Salon Hansen will der gemeinnützigen Verein Originalton Workshops für junge Leute anbieten, geführt von Profis aus der Szene. (Foto: t&w)
Im Salon Hansen will der gemeinnützigen Verein Originalton Workshops für junge Leute anbieten, geführt von Profis aus der Szene. (Foto: t&w)

Drei Orte für das “Haus der Jugend”

An drei bekannten Einrichtungen in Lüneburg sollen künftig Jugendverbände Räume für ihre Zwecke mitnutzen können. Die Stadt nennt dieses Konzept "Dezentrales Haus der Jugend". Wo diese Orte sind, was dort geht – und was noch fehlt:

Lüneburg. Ein Haus der Jugend ist ein Ort, in dem sich Jugendverbände- und Initiativen treffen und ihre Vorhaben ausgestalten können. In Lüneburg gab es so ein Haus bis 2013 in der Katzenstraße. Seitdem ist der Wunsch da, ein neues, großes Haus der Jugend zu finden, als zentralen Anlaufpunkt für Stadtjugendring, Vereine und Verbände. Doch die Suche nach einer geeigneten Immobilie im Bereich der Innenstadt gestaltete sich laut Stadt als schwierig. Gebäude in der Nähe des Bahnhofs und der Post hätten sich als nicht geeignet erwiesen. Daher setzt das Sozialdezernat darauf, das Konzept "Dezentrales Haus der Jugend" umzusetzen, sprich Räume an mehreren Standorten mitzunutzen: im Salon Hansen, im Jugendcafé Finke und im Haus des Stadtjugendrings.

Der Salon Hansen (im Vierorten-Haus, Salzstraße)

Zur Neuausrichtung im Salon Hansen gehört auch die Ausweitung eines jugendkulturellen Angebots, erklärt Mette Freidel vom gemeinnützigen Verein Originalton. "Das bedeutet, bei uns werden zum Beispiel Leute aus der Poetry-Slam-Szene Workshops zu Kreativem Schreiben anbieten oder DJ´s Kurse zu ihrer Arbeit. Auch Tanz- Gesang- und Urban Gardening-Kurse wollen wir angehen." Diese Workshops sollen kostenfrei angeboten werden. "Ein Kurs wird wahrscheinlich einmal pro Woche über zehn Wochen gehen. Ganz dem Prinzip eines Hauses der Jugend entspricht das nicht, aber wir freuen uns, überhaupt etwas ermöglichen zu können. Die Stadt hat Originalton im Jahr 50.000 Euro zugesagt. "Das deckt ein Drittel all unserer Kosten", sagt Mette Freidel. Bisher besteht ihr Team aus rund 15 Personen, die alle ehrenamtlich arbeiten. "Eine Voll- oder zumindest Teilzeitstelle wäre wirklich wünschenswert, und auch ein paar 450-Euro-Stellen. Derzeit wissen wir, wir können unsere Miete bezahlen, aber für Personal bleibt derzeit nichts übrig."

Weitere Gelder kommen aus Landestöpfen zur Projektförderung. "Wir wissen, keine andere Einrichtung erhält von der Stadt Lüneburg eine Fördersumme in dieser Höhe, aber ganz gesichert ist unsere Finanzierung damit noch nicht." Die Hansestadt ist derzeit aber noch in Verhandlungen für eine Kooperationsvereinbarung. Summen könnten sich auch noch nach oben anpassen.

Das Jugendcafé Finke (Finkstraße)

Der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) hat seit 2009 seinen Sitz in der Finkstraße und betreibt dort ein gemeinnütziges Café. An zwei Nachmittagen die Woche, Dienstags und Donnerstags, ist das Café für alle offen. "Bislang haben wir das Café zudem an den übrigen Tagen nach Absprache verschiedenen Jugendinitiativen zur Verfügung gestellt", sagt Larissa Zagel vom CVJM. Aber genau das hätte der spendenfinanzierte Verein bald nicht mehr wuppen können. Die Stadt fördert das Angebot nun, zahlt etwas für die Nebenkosten, damit weiterhin verbandsbezogene Jugend- und Gruppenarbeit stattfinden kann.

Das Café Finke hat an zwei Nachmittagen die Woche Betrieb - an den anderen Tagen steht es Jugendgruppen- und Initiativen kostenlos zur Verfügung, ganz gleich, ob diese kirchlich gebunden sind oder nicht. (Foto: Café Finke )
Das Café Finke hat an zwei Nachmittagen die Woche Betrieb - an den anderen Tagen steht es Jugendgruppen- und Initiativen kostenlos zur Verfügung, ganz gleich, ob diese kirchlich gebunden sind oder nicht. (Foto: Café Finke)

 

Jugendgruppen und Initiativen können die Räume weiter kostenlos nutzen, ganz gleich, ob kirchlich gebunden oder nicht. Die Hansestadt führt zudem derzeit Gespräche mit dem Vermieter über eine mögliche Anmietung weiter Räume im Obergeschoss (insgesamt 99 Quadratmeter). Hier gibt es jedoch Probleme mit dem Brandschutz und es ist derzeit noch unklar, ob die Räume für die Jugendverbände angemietet werden können. "Die Verhandlungen mit dem Vermieter der Finke laufen noch", heißt es von der Stadt.

Das Haus des Stadtjugendrings (Wandfärberstraße)

Im April 2021 ist der Stadtjugendring Lüneburg in die Wandfärberstraße eingezogen. Die Stadt zahlt dort die Miete. „Wir haben hinten unsere Büroräume und vorne einen noch leeren Raum, der frei zur Gestaltung steht“, sagt Ivo Panitzki aus dem Vorstand des Stadtjugendrings. „Bei uns gibt es auch ein Materiallager, Beamer und Boxen sowie einen Bus zum ausleihen.“ Die Räume sind nach Aussage des Stadtjugendrings offen für alle Jugendlichen, die kommen möchten. Selbstverwaltung ist dort das Zauberwort. „Bisher haben sich aber noch keine Leute bei uns in den Räumen getroffen, wir laden also alle Jugendgruppen und Initiativen ein, sich gern zu melden.“

Hier darf es noch bunter und gemütlicher werden - dieser Raum in der Wandfärberstraße, der zum Stadtjugendring gehört, steht Jugendgruppen- und Initiativen zur Verfügung. (Foto: Stadtjugendring)
Hier darf es noch bunter und gemütlicher werden - dieser Raum in der Wandfärberstraße, der zum Stadtjugendring gehört, steht Jugendgruppen- und Initiativen zur Verfügung. (Foto: Stadtjugendring)

 

Vom Stadtjugendring heißt es außerdem: "Wir sind uns mit der Stadt einig, dass der Partizipationsprozess und die Organsiation des dezentralen Hauses der Jugend mit einer personellen Stelle ausgestattet werden muss. Wir sehen so eine Koordinierungs- und "Partizipationsstelle" genau hier bei uns angesiedelt – gemäß dem Subsidaritätsprinzip – und gehen beim derzeitigen Planungsstand von anfänglich einer halben Personalstelle aus." Dabei gehe es etwa um partiziative Elemente, wie beispielsweise die Organiation und Verwaltung des Jugendbusses, Fragen der Raumvergabe sowie dem Motivieren der Jugendlichen bzw. Jugendgruppen, sich demokratisch und partizipativ in das Gemeinwesen Lüneburg einzubringen.

Den Ansatz der Stadt des dezentralen Hauses will der Stadtjugendring erst einmal mit voranbringen. Der eigentliche Wunsch nach einem eigenen, großen Haus der Jugend bleibt aber bestehen.

Laut Stadt sind konkrete Summen beim Konzept noch nicht spruchreif. Man müsse damit noch in die politischen Gremien.

Dazu passt:

Der Salon Hansen wird gerettet

Haus der Jugend bleibt Kernforderung

Mit Fotogalerie: Neue Räume fürs Jugendzentrum

Von Laura Treffenfeld

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