Mittwoch , 30. November 2022
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Franziska Riedmiller und Björn Thomann
Franziska Riedmiller und Björn Thomann organisieren die Märchenwoche. (Foto: geo)

Mit Video: Eine Woche voller Märchen

Für eine ganze Woche dreht sich im Museumsdorf Hösseringen alles um Märchen. Insgesamt acht Kulissen lassen die Grimmschen Märchen zum Leben erwecken – und das Angebot ist sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene zugeschnitten.


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Für eine ganze Woche dreht sich im Museumsdorf Hösseringen alles um Märchen. Insgesamt acht Kulissen lassen die Grimmschen Märchen zum Leben erwecken – und das Angebot ist sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene zugeschnitten.

Hösseringen. Dieses Backhaus ist der Beweis: Hexen kann man tatsächlich in einen Ofen schieben – wenn man sich denn in einer Märchenwelt befindet. Das Backhaus ist real, es stammt aus dem Landkreis Celle, wurde 1792 erbaut und steht jetzt im Museumsdorf Hösseringen. Die Geschichte von Hänsel und Gretel ist es sicher nicht, und dennoch lassen sich beide Welten wunderbar miteinander verknüpfen, findet Museumspädagogin Franziska Riedmiller. Eine Woche lang steht das Freilichtmuseum daher im Zeichen der Märchen – für Kinder und Erwachsene.

Wer sich auf dem Weg in das Museumsdorf in der Nähe von Suderburg im Landkreis Uelzen fragt, warum man das Freilichtmuseum mitten in einem Wald anstelle nahe einer Ortschaft geplant hat, für den sei folgende Erklärung vorweggestellt: In diesem Wald, Schooten heißt er, haben zwischen 1532 und 1652 die ersten Landtage stattgefunden. Auf diesen Landtagen verhandelten die Landstände mit dem Landesherrn über Steuern und Gesetze. Landstände bestanden aus Vertretern von Geistlichkeit, Adel und Städten.

Seit 1902 gibt es einen Gedenkstein für diese Landtage, außerdem haben die Nationalsozialisten dort ein Denkmal mit 250 Findlingen errichtet. Es steht noch heute und gehört seit vorigem Jahr zum Museumsgelände. Die Historie erklärt auch die Adresse des Museums: „Landtagsplatz 2“.

Dann ist die Assoziation perfekt

Exakt 30 Gebäude und ein Teich bilden dort mittlerweile ein Dorf. „Alle Häuser sind Originale aus der Lüneburger Heide, die hier wiederaufgebaut wurden“, erzählt Björn Thomann, stellvertretender Direktor des Museums. Und manche dieser Gebäude bilden eben eine passgenaue Kulisse dafür, sich in die Märchen der Gebrüder Grimm zu fantasieren.

Zum Beispiel die Torscheune von 1798, ursprünglich auf Hof Nr. 4 in Thielitz beheimatet und 1983 in Hösseringen wieder errichtet: einst Scheune, Schafstall und Speicher, jetzt Bürogebäude des Museums. Wenn Björn Thomann aus dem Fenster über seinem Schreibtisch einfach mal ein dickes weißes Daunenkissen lugen lässt, „dann sieht das hier aus wie bei Frau Holle“, findet der Historiker. Und wenn seine Kollegin Franziska Riedmiller dann auch noch eine Holzfigur anmalt und sie zu dem Kissen stellt, ist die Assoziation perfekt.

Typischer Stall aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Insgesamt acht Grimmsche Märchen finden kleine und große Besucher, wenn sie mit wachen Augen übers Gelände spazieren. Bei der Schmiede geht es um „Der Teufel und der Schmied“, im Kötnerhaus um Rotkäppchen, im Backhaus – natürlich – um Hänsel und Gretel, und beim Schweinestall um Hans im Glück. Der Stall, gebaut 1835 auf dem Hof Peters in Graulingen bei Suderburg, ist ein typischer Stall für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. Seit 1984 steht der Stall im Museumsdorf, und genau rechtzeitig zur publikumsstarken Märchenwoche bekommt der Schweinestall neue Bewohner: Am Montag ziehen Bunte Bentheimer Ferkel ein, eine Züchtung des 19. Jahrhunderts.

In der blauen Scheune, wo die vielen Spinnräder stehen, geht es um Dornröschen

Blau als Anstrich für landwirtschaftliche Gebäude war ab Mitte des 19. Jahrhunderts en vogue. „Zunächst war die Farbe Blau sehr teuer“, erklärt Historiker Thomann. „Als sie sich dann chemisch herstellen ließ, wurde sie regelrecht zur Modefarbe.“

An allen Stationen stehen Infotafeln – neben den üblichen über die Geschichte der Gebäude in dieser besonderen Woche noch weitere: mit Zusammenfassungen des Inhalts der Märchen sowie mit Informationen zu Hintergründen und möglichem Wahrheitsgehalt der Geschichten respektive ihrer Entstehung.

Viele Mitmachaktionen, auch Angebote speziell für Erwachsene

Ein umfangreiches Programm ergänzt die Stationen, viele Mitmachaktionen für Kinder, aber auch Angebote speziell für Erwachsene. „Das war uns sehr wichtig“, sagt Museumspädagogin Riedmiller. „Oft werden Märchen ausschließlich für Kinder aufbereitet. Wir möchten aber auch Erwachsenen etwas bieten, zum Beispiel einen stimmungsvollen Märchenabend mit Musik.“ Und beim Märchenspaziergang über das Museumsgelände werden nicht die dargestellten Geschichten erzählt, sondern andere, internationale Märchen.

Der Ausflug nach Hösseringen muss dabei nicht an den Grenzen des Museumsgeländes Halt machen: Durch das nahe Waldgebiet Schooten führt ein gut drei Kilometer langer Waldgeschichtspfad, illustriert mit Cartoons von Marunde, und der Hardausee nördlich von Hösseringen als nördlichste und vermutlich kleinste Talsperre Deutschlands bietet nicht nur einen weißen Sandstrand zum Baden, sondern auch einen Hundestrand und einen Tretbootverleih. Außerdem ist er Teil des 52 Kilometer langen Wassererlebnispfades Hardautal, der auch in kleinen einzelnen Rundwegen erwandert werden kann. Er ist übrigens auch mit dem Fahrrad zu erradeln – allerdings werden Sie manchmal schieben müssen, das lässt sich leider nicht vermeiden.

Und in Hösseringen selbst mag nicht nur der Aussichtsturm einen Besuch wert sein, sondern auch die Alte Schule: In dem Gasthaus gibt es nicht nur Herzhaftes und Torten, sondern auch einen 5.000 Quadratmeter großen Garten, der laut Eigentümern zwar nicht unkrautfrei ist, dafür aber herrlich verwildert und sicher umso sympathischer – vielleicht ja sogar ein bisschen märchenhaft.

Von Carolin George

Tipps und Termine

Entdeckerpfad mit 19 Stationen

Die Märchenwoche im Museumsdorf Hösseringen läuft von Dienstag, 3. August, bis Sonntag, 8. August. Am 3. und 8. August gibt es von 14 bis 16 Uhr Themenführungen, am 3. August, 13 bis 15 Uhr, die Mitmachaktion „Märchenwesen“, am 4. August, 10 bis 14 Uhr, einen Schmiedekursus für Kinder, am 5. August, 13 bis 16 Uhr, die Aktion „Handspindel“, am 6. August, 13 bis 16 Uhr, die Mitmachaktion „Hänsel und Gretel“, am 7. August, 17.30 bis 19 Uhr, einen Märchenabend für Erwachsene und am 8. August, 14 bis 15.30 Uhr, einen Märchenspaziergang mit einer Erzählerin und Musik.

Infos und Anmeldung für die Aktionen: (05826) 1774. Wer auf dem Gelände übernachten möchte, kann das ebenfalls tun: in einem Schlafwürfel namens „Sleeperoo Cube“.

Auf dem Museumsgelände beginnt außerdem ein HeideEntdeckerpfad, der an 19 Stationen von der Nutzung und Pflege der Heide zur Zeit der Heidebauernkultur erzählt. Während der Öffnungszeiten können E-Bikes geladen werden. Das Museumsdorf ist vom Ilmenauradweg aus zu erreichen. Mehr im Internet: www.museumsdorf-hoesseringen.de

Verpflegung: Am Wochenende gibt es Kaffee und Kuchen aus einem Salonwagen auf dem Museumsgelände, außerdem stehen viele Picknickplätze bereit. In Hösseringen bietet das Rasthuus Alte Schule einen herzhaften Mittagstisch und Torten sowie einen Tante-Emma-Laden.

Noch bis Ende Oktober ist das Museumsdorf Hösseringen genau wie der Hardausee sonnabends und sonntags mit dem Freizeitbus der Region Uelzen zu erreichen, der am Bahnhof Uelzen startet. Der Bus nimmt auch Fahrräder mit. Internet: www.hansestadt-uelzen.de

Mehr zum Hardausee und dem Wassererlebnispfad unter www.lueneburger-heide.de sowie unter www.suderburgerland.de und dem Haus des Gastes Hösseringen unter (05826) 1616

Für eine ganze Woche dreht sich im Museumsdorf Hösseringen alles um Märchen. Insgesamt acht Kulissen lassen die Grimmschen Märchen zum Leben erwecken – und das Angebot ist sowohl auf Kinder als auch auf Erwachsene zugeschnitten.


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