Montag , 5. Dezember 2022
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Rund 400 Jesiden demonstrierten am Dienstag auf dem Marktplatz. (Foto: t&w)

Demo in Lüneburg: Jesiden pochen auf Asylrecht

Rund 400 Jesiden sind am Dienstagabend in Lüneburg auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten für die Anerkennung des Völkermordes an mehr als 10.000 Jesiden vor sieben Jahren im Nordirak von der Terrormiliz IS und gegen die Ablehnung von Asylanträgen.

Lüneburg. Rund 400 jesidische Geflüchtete haben am Dienstag in Lüneburg demonstriert. Sie gedachten der Opfer des Völkermordes und protestierten gegen die zunehmende Ablehnung von Asylanträgen. Keine Gruppe hat so unter dem IS-Terror gelitten wie die Jesiden. Die Kämpfer der Terrormiliz fielen am 3. August 2014 im Norden des Irak ein, um die jesidische Minderheit auszulöschen. Sie töteten mehr als 10.000 Menschen, entführten, vergewaltigen und versklavten Frauen, zerstörten Dörfer. Zehntausende Jesiden flüchteten.

Die Stadt hatte die Demonstration unter Auflagen erlaubt: Die Route des Demonstrationszuges vom Clamartpark bis zum Marktplatz darf nicht verlassen, der Mindestabstand von 1,5 Metern muss eingehalten und Masken getragen werden. Zudem untersagte die Stadt das Verwenden von Symbolen der militanten Kurdenpartei PKK.

Gericht sah keine Gefahr für Jesiden im Norden Iraks mehr

Die Jesiden sind eine irakische Minderheit und sehen sich auch als ethnische Kurden. Rund 200.000 von ihnen leben derzeit in Deutschland, bilden hier die größte Jesidengemeinschaft außerhalb des Irak. Vor zwei Jahren hatte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg Asylanträge eines irakischen Jesiden und seiner Schwester abgelehnt. Das Gericht sah keine Gefahr einer massenhaften Verfolgung von Jesiden im Norden des Iraks mehr. Eine Gruppenverfolgung von Jesiden im Schindschar-Gebirge sei nicht mehr „hinreichend wahrscheinlich“, nachdem der IS verdrängt worden sei, hieß es damals.

Das sahen und sehen viele Jesiden anders. Sie sprachen in Lüneburg von andauernder Verfolgung und fortgesetztem Völkermord. Kein Wunder also, dass die Jesiden nun erneut die Anerkennung des Völkermordes und Recht auf Asyl forderten. Am Ende bedankten sich Redner auf der Demo mehrfach bei der Stadt Lüneburg und der Polizei dafür, dass sie hier friedlich demonstrieren durften.

Von Werner Kolbe

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