In der ersten Woche kamen rund 300 Bürger ohne Termin ins Lüneburger Impfzentrum. Da ist noch Luft nach oben, findet der Landkreis. (Foto: be)

Lüneburg lockert: Diese Corona-Regeln gelten jetzt

Die Infektionszahlen im Landkreis Lüneburg nehmen ab, die Inzidenz lag fünf Werktage unter 50. Zeit für eine neue Allgemeinverfügung: Diese gilt ab Sonnabend, 7. August, und enthält einige Lockerungen sowieso Aufweichungen, die der Landkreis festlegen durfte.

Lüneburg. Die Inzidenzwerte halten nicht nur die Einwohner des Landkreises Lüneburg in Atem, sondern auch die Verwaltung. Sie muss immer wieder per Allgemeinverfügung die derzeit geltenden Regeln festlegen, muss aufklären, ab wann welche Stufe gilt. Klar ist, dass im Landkreis ab dem heutigen Sonnabend die Stufe 35 bis 50 gilt. Allerdings gibt es einige Ab- und Aufweichungen, die der Landkreis festlegen durfte. Klar ist auch: es geht schnell rauf, aber nur langsam runter.

Nach der Abi-XXL-Party ging es sehr schnell: Am 22. Juli musste sich Lüneburg aus der Stufe „Unter 10“ verabschieden, es galt „10 bis 35“. Nur drei Tage später ging es rauf auf „35 bis 50“. Am 27. Juli war dann die Stufe „Über 50“ erreicht, die zahlreiche Verschärfungen vorsah. Unter anderem durfte sich seither nur noch ein Haushalt mit zwei Personen eines weiteren Haushaltes treffen. Seit fünf Werktagen ist die Inzidenz konstant unter 50, nun kann es Lockerungen geben.

Ein Überblick über die aktuellen Regeln:

  • Private Treffen: Maximal zehn Personen aus drei Haushalten dürfen sich im privaten Bereich drinnen und draußen treffen. Kinder bis 14 Jahren, Genesene oder vollständig Geimpfte werden nicht mitgezählt.
  • Sport: Kontaktsport unter freiem Himmel ist auch für über 18-Jährige zulässig.
  • Kitas: Szenario A gilt wieder. Das bedeutet, dass die Gruppen gemischt werden dürfen.
  • Einzelhandel: Einkaufen auch ohne Test, allerdings ist die Anzahl der Kunden je nach Geschäftsgröße begrenzt. Maskenpflicht in Geschäften und auf dem Wochenmarkt.
  • Gastronomie: Es gibt weiterhin einige Ausnahmen bei einer Inzidenz über 35. Die Innen- und Außengastronomie bleibt geöffnet, im Innenbereich dürfen die Tische nur bis zu 50 Prozent belegt werden. Darüber hinaus ist für jeden Restaurant- oder Barbesuch ausschließlich im Innenbereich ein Testergebnis, ein Impf- oder Genesenennachweis erforderlich. Ab 1 Uhr gilt eine Sperrzeit, von der vollständig Geimpfte und Genesene ausgenommen sind.
  • Private geschlossene Feiern in der Gastronomie: Maximal 100 Personen drinnen und draußen mit Test – oder vollständig geimpft/genesen.
  • Kulturelle Veranstaltungen unter freiem Himmel sind mit festen Sitzplätzen und maximal 500 Personen erlaubt. Diese Veranstaltungen müssen vom Landkreis genehmigt werden.
  • Theater, Kinos: Testpflicht, Maske bis zum Platz
  • Gottesdienste: Maskenpflicht, kein Gemeindegesang
  • Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Jugendherbergen und Campingplätze dürfen mit einem Hygienekonzept und 100-prozentiger Belegung öffnen. Hoteleigene Schwimmbäder dürfen von den hauseigenen Gästen genutzt werden.

Gericht lehnt Sperrstunde für Geimpfte ab

Über die Corona-Verordnung des Landes und auch den zulässigen Modifizierungen durch den Landkreis hinaus gibt es noch eine weitere Änderung. Das Verwaltungsgericht Lüneburg lehnt die Sperrstunde für Geimpfte und Genesene ab 1 Uhr ab. Daher gibt es nach LZ-Informationen für diese Gruppe eine Ausnahme.

Rund 300 Impfungen ohne Termin

Das Lüneburger Impfzentrum hatte am Montag die Aktion „Impfen ohne Termin“ gestartet. Bisher nahmen rund 300 Personen die Gelegenheit wahr, also etwa 50 bis 60 pro Tag. „Da ist noch Luft nach oben“, sagte Holzmann. Bisher sind im Landkreis Lüneburg insgesamt 203.314 Impfungen verabreicht worden, davon 123.259 über das Corona-Impfzentrum (Stand: 4. August). Mindestens einmal geimpft waren (Stand Mittwoch) 115.455 Personen (62,7 Prozent), vollständig geimpft 93.066 Personen (50,54 Prozent).

Impfstoff muss vernichtet werden

Da die Impfnachfrage in vielen Bundesländern auch wegen der Ferien gesunken ist, sind bereits Zehntausende Impfdosen entsorgt worden. Allein in Bayern waren es 53.000. Das Saarland meldete rund 6000, Bremen seit Jahresbeginn 2715. Ein Teil der Impfdosen wird auch an den Eigentümer, die Bundesrepublik, zurückgegeben. Wenn die Haltbarkeit noch mindestens zwei Monate beträgt, werden die Impfdosen vor allem in ärmere Länder geschickt. Niedersachsen will in den kommenden Tagen mehr als 120.000 Impfdosen zurückgeben.

Das Lüneburger Impfzentrum hat bisher keinen Impfstoff zurückschicken müssen. Es komme aber leider regelmäßig vor, dass abends einige wenige Impfdosen – etwa eine Handvoll – vernichtet werden müssen, weil keine weiteren Impfwilligen vor Ort oder erreichbar sind, sagte Holzmann. "Mit Blick auf den Herbst hoffe ich sehr, dass sich noch mehr Menschen im Landkreis impfen lassen. Nur so schützen wir uns selbst und andere vor schweren Krankheitsverläufen, halten die Infektionszahlen niedrig und erhalten ein Stück Freiheit zurück“, sagte Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer.

Von Werner Kolbe

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