Sonntag , 4. Dezember 2022
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Sami Köppe (l.) und Jannik Schnell beim Dreh in Lüneburg. (Foto: t&w)

“Sternenkind”: Ein Film von jungen Lüneburgern

Ein junges Filmteam aus Lüneburg und Uelzen hat einen neuen Film gedreht, er wird voraussichtlich im November im Kino zu sehen sein. "Sternenkind" heißt der Streifen. Wer steckt dahinter und was planen die Macher als nächstes?

Lüneburg. Sie bewegen sich irgendwo zwischen Amateuren und Profis, zwischen der Leichtigkeit des Experimentierens und der Härte der Berufswelt, zwischen der Möglichkeit zu können, aber nicht zu müssen – und liefern immer wieder routinierte Ergebnisse: Zahlreiche Lang- und Kurzfilme hat das junge Filmteam aus Lüneburg und Uelzen bereits produziert, das nächste wird voraussichtlich im November im Kino zu sehen sein. Die letzte Klappe ist jetzt gefallen.

Es sind zwischen 40 und 50 junge Menschen, die sich an diesem Tag auf dem Spielplatz im Hanseviertel treffen, um die finalen Szenen für „Sternenkind“ zu drehen. Es gibt Jugendliche in gelben Leuchtwesten, die den Verkehr regeln, andere, die Verpflegung für die Schauspieler zubereiten, weitere, die sich um die Beleuchtung kümmern, jene, die filmen und fotografieren, und natürlich solche, die vor der Kamera stehen. Alles ohne materielle, aber mit ganz viel ideeller Vergütung.

Sami Köppe ist treibende Kraft bei "Action & Cut Films"

Da ist beispielsweise Sami Köppe. Der Abiturient ist einer der treibenden Kräfte der Produktion und Teil von „Action & Cut Films“, einem Zusammenschluss junger Lüneburger, die vor allem eines verbindet: das Filmemachen. Seine berufliche Zukunft sieht der 19-Jährige in der Welt der bewegten Bilder. Er spielt seit Jahren Theater, ist am e.novum aktiv, hat dort auch sein Netzwerk geknüpft. Er will Referenzen sammeln. Ein Schulprojekt sei „Sternenkind“ nicht, betont er, auch wenn viele der jungen Aktiven ihren Abschluss noch nicht gemacht haben.

Lena Schwarznecker ist da eine Ausnahme. Die 21-Jährige hat gerade ihre Ausbildung zur Erzieherin absolviert, ist bei der Produktion als Regisseurin aktiv und hat auch das Drehbuch geschrieben. „Kern des Kurzfilms sind die Folgen einer Totgeburt für die Betroffenen“, erzählt sie. „Es geht darum, wie die Eltern den Schicksalsschlag verarbeiten, wie sie jeder für sich, aber auch gemeinsam damit umgehen, was das Trauma für sie als Paar bedeutet und wie das Umfeld sich verhält.“

Drei Stunden für das Drehbuch gebraucht

Eigentlich ist Lena Schwarznecker bei „Action & Cut Films“ für die Maske zuständig, ist in die Welt des Films aber auch tiefer eingetaucht: „Die Idee für unser neues Projekt kam mir vor einem halben Jahr“, sagt sie, und war schnell umgesetzt: Lediglich drei Stunden hat sie für das Drehbuch benötigt, nachdem sie sich im Vorfeld mittels Videos von Betroffenen über das Thema umfassend informiert hat. „Letztlich habe ich aber auch schon selbst Erfahrungen mit dem Tod einer mir nahestehenden Person machen müssen“, sagt sie, und auch die seien mit eingeflossen.

Sechs Tage wurde gedreht – in einer Stadtvilla im Roten Feld, an der Herderschule, wo der Kreißsaal nachgestellt wurde, und bei Jannik Schnell, der neben Sami Köppe Gesellschafter von „Action & Cut Films“ ist und das Projekt mit leitet. Im August wird er ein praktisches Jahr bei einer Firma für Filmproduktionen in Hamburg absolvieren, dadurch noch weitere Referenzen für seine berufliche Laufbahn sammeln. Sami Köppe zieht es ins Studium. Doch auch für ihr kleines Unternehmen haben die beiden noch Ziele.

Auf Spenden und Sponsoren angewiesen

„Wir haben kein Budget, sind immer auf Spenden und Sponsoren angewiesen, werden aber auch von vielen unterstützt – sei es, weil sie uns Lebensmittel für die Crew kostenlos zur Verfügung stellen, Material ausleihen oder ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen“, sagt der 19-Jährige. „Mein nächster Wunsch wäre es, dass wir unseren Leuten auch die Fahrtkosten erstattet können.“ Denn zum Teil haben die eine etwas weitere Anreise: „Sternenkind“ wird gemeinsam mit „CFT Productions“ aus Uelzen produziert, einer haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft ähnlich der von Sami Köppe und Jannik Schnell. Ende des Jahres soll der Streifen voraussichtlich im Filmpalast und im Scala-Kino Premiere feiern.

Von Ute Lühr

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